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Dieser 82-Jährige läuft Sonntag seinen 12. Berlin-Marathon

Marathonläufer aus Pritzwalk Dieser 82-Jährige läuft Sonntag seinen 12. Berlin-Marathon

Er gewinnt regelmäßig beim Marathon in seiner Altersklasse: Für Ernst Wehrstedt aus Pritzwalk (Prignitz) ist Bewegung auch im hohen Alter alles. Mit 82 ist er noch regelmäßig auf der Laufstrecke und empfindet das als großes persönliches Glück. Der MAZ verrät er das Geheimnis seiner Fitness.

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Der Pritzwalker Ernst Wehrsteht zeigt stolz den Band „Lebenskünstler“, in dem auch er porträtiert wird.

Quelle: Bernd Atzenroth

Pritzwalk. Es soll vorkommen, dass auch ein Ernst Wehrstedt mal schlechte Laune hat. Vorstellen kann man sich das nicht wirklich, aber wenn es denn mal so ist, dann hat er ein probates Gegenmittel: Er läuft. Denn Laufen macht glücklich. Damit meint Wehrstedt aber gar nicht so sehr das berühmte „Runner’s High“ – einen Zustand, in dem einen die Beine fast wie von selbst zu tragen beginnen und in dem man sich in eine Euphorie hineinläuft. Klar, auch das hat er schon oft erlebt. Aber das Glück beim Laufen fängt im Kleinen an, beim gemütlichen Trotten durch den Wald, wenn man alles Negative einfach abschütteln kann. „Hinterher ist das alles weg“, sagt er.

Und er läuft immer noch, mit mittlerweile über 80 Jahren. Es kann einem schon passieren, dass man ihn mitten auf dem freien Feld antrifft, laufend. Und gefragt, wohin er denn läuft, sagt er: „Ich wollte mal ans Grab meiner Mutter.“ Das befindet sich in Lockstädt, rund 15 Kilometer von seinem Wohnort Pritzwalk entfernt. Der Mann wird an diesem Tag also mal locker 30 Kilometer absolvieren.

Aber Ernst Wehrstedt ist nicht irgendein Läufer. In seinem hohen Alter gewinnt er auch bei Großereignissen wie dem Berlin-Marathon in seiner Altersklasse, und das mit Zeiten, von denen viele weit jüngere Läufer nur träumen können. Am Sonntag ist er wieder dabei, zum bereits zwölften Mal. Und natürlich, einen gewissen Ehrgeiz hat er auch. So freut er sich bereits auf den Moment, in dem er die Medaille umgehängt bekommt. Eine ganze Wand in seiner Wohnung ist gepflastert mit Urkunden und Medaillen. Auch freut es ihn, der früher „der schnelle Muck“ genannt wurde, wenn andere ihn als Vorbild ansehen.

Doch wirkt es nie wirklich angestrengt, wenn man Ernst Wehrstedt auf der Laufstrecke sieht. Laufen liegt offenbar in seiner Natur. Dabei hat er dies selbst erst spät wirklich für sich entdeckt. Mit 49 Jahren begann er, sich dem Laufsport zu widmen. „Ich war schon vorher viel zu Fuß unterwegs“, erzählt er, „jeden Tag bin ich von Lockstädt nach Laaske zum Bahnhof gelaufen und abends wieder zurück.“ Das sind immerhin jeweils gut zwei Kilometer. Als er das Gefühl hatte, etwas für seinen Körper tun zu müssen, war daher der Schritt klein, es mit Laufen zu versuchen. Nach und nach bemerkte er, wie gut er das konnte. Und so kam eins zum anderen. Seit 31 Jahren nimmt er am Rennsteiglauf teil. Beim Berlin-Marathon hat er sich mit elf Teilnahmen mittlerweile eine ständige Startberechtigung erworben. Doch der Rennsteig, das ist seine Lieblingsstrecke, weil sie mitten durch den Wald geht. „Beim Laufen kann man zum Naturliebhaber werden“, sagt er dazu. Ganz besonders freut ihn das, was nach dem Lauf im Festzelt passiert. Alle feiern miteinander zünftig, und viele klopfen ihm auf die Schulter. „Die Jungen erkennen an, was die Alten leisten“, freut er sich.

Überhaupt empfindet er sich als glücklichen Menschen, glücklich darüber, in solch guter Verfassung alt werden zu können, eine große Familie zu haben und natürlich eine Frau, mit der er – na was? – glücklich ist. Diese Zweisamkeit pflegt er auch mit seinem zweiten Hobby, dem Tanzen. In Pritzwalk ist er einer der Initiatoren des regelmäßigen Tanztees im Kulturhaus, an dem insbesondere die ältere Generation seit Jahren viel Freude hat. Und weil er ein so gutes Beispiel dafür ist, dass man sich vor dem Alter nicht ängstigen muss, hat er es auch in eine Buchreihe mit dem Titel „Lebenskünstler“ geschafft, die Menschen wie ihn würdigt – auf dem Einband die britische Sängerin Annie Lennox und mittendrin im Buch Ernst Wehrstedt, der „Goldjunge von Pritzwalk“. „Bewegung ist alles“, lässt er darin wissen, „dazu eine vernünftige Lebensweise, Freude am Leben und ein grundsätzlich positives Denken.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen .

Von Bernd Atzenroth

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