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„Donald Duck“ wird wieder flitzen

Vom Schrottplatz in Putlitz auf die Rennstecke „Donald Duck“ wird wieder flitzen

Zehn Jahre lang rottete der Elektrotriebwagen 403 aus dem Jahr 1973 in Putlitz unter freiem Himmel vor sich hin. Der ehemalige Lufthansa-Airport-Express – eines von nur drei Exemplaren – war dem Vandalismus ausgesetzt – zusammen mit vielen anderen seltenen Wagen und Lokomotiven. Ein Teil der schrottreifen Schienen-Oldtimer fährt inzwischen wieder.

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Einst der Stolz der Deutschen Bundesbahn: Jahrelang rottete der ET403 in Putlitz vor sich hin. Zurzeit wird er in Neustrelitz aufwändig restauriert.

Quelle: Christian Schmettow

Putlitz. Die Fensterscheiben eingeschlagen, die Fenstergummis vermoost, Korrosion und Graffiti überall. Die Scheinwerfer blind, die Scheibenwischer abgebrochen. Die Türen stehen offen, die schicken Erste-Klasse-Sitze im Inneren riechen muffig und modrig. Die Räder sind kaum noch zu sehen, so dicht wächst das Unkraut.

Wer sich noch vor wenigen Jahren am Putlitzer Bahnhof herumtrieb, der hätte nie geglaubt, dass der gelb-graue Zug, der dort seit Jahren stand, noch für etwas anderes gut ist als für den Schrottplatz. Seit 2002 standen Exemplare des ehemaligen Lufthansa Airport Express auf den Abstellgleisen in Putlitz und seit 2004 in Meyenburg (Prignitz), ausgesetzt dem Wind, dem Wetter und Vandalen. Und doch werden sie wieder fahren. Die Züge sind, gezogen von einer Diesellok, auf eigenen Rädern nach Halberstadt und nach Neustrelitz gerollt und werden dort seit 2011 beziehungsweise 2013 restauriert. Ein Liebhaber aus Franken hat sie der Prignitzer Eisenbahn abgekauft und will sie an den privaten Eisenbahnanbieter National Express vermieten. Nur drei Exemplare wurden 1973 von dem Elektrotriebwagen 403 gebaut – dem damaligen Stolz der Deutschen Bundesbahn. Vor 43 Jahren sahen die Züge neben den Dampfloks auf deutschen Gleisen aus wie ein Ufo. Der erste Intercity: 5222 PS stark, 225 Kilometer pro Stunde schnell mit Neigetechnik, komplett aus Aluminium gebaut und nur für Fahrgäste der ersten Klasse. Wegen seines „Entenschnabels“ bekam er bald den Spitznamen „Donald Duck“. Er war täglich im Einsatz von München nach Bremen. Bis 1993 fuhr er als Lufthansa Airport Express auf der Rheinstrecke zwischen Düsseldorf, Köln und Frankfurt und machte Inlandsflüge überflüssig.

Das Nebenbahngleis zwischen Pritzwalk und Putlitz hat viele seltene Züge gesehen, seit die Prignitzer Eisenbahn dort ihren Sitz hatte. Ein Coup gelang der PEG 2002: Damals kaufte sie aus Griechenland 20 ehemalige V200-Bundesbahn-Loks der Baureihe 221 zurück. Mit einem Frachtschiff kamen sie im Juni 2002 in Wismar an und standen bald darauf in Putlitz und in Meyenburg. Nach und nach ließ die PEG fast alle Wracks in Neustrelitz wieder aufbauen und verkaufte etliche auch weiter an andere Privatbahnen.

Der Hintergrund: Damals verschrottete die Deutsche Bahn AG gebrauchte, einst mit Steuergeld beschaffte Lokomotiven lieber, als sie an die private Konkurrenz zu verkaufen. Gebrauchtloks aus dem Ausland hätten erst aufwendig in Deutschland zugelassen werden müssen. Die Maschinen aus Griechenland waren zwar schrottreif, aber sie hatten eine Zulassung für deutsche Gleise.

Zeitweise glichen die Bahnhöfe in Putlitz und Meyenburg einem wilden Eisenbahnmuseum. In Putlitz sind inzwischen fast alle Schienen-Oldtimer verschwunden. Viele landeten unterm Schneidbrenner. Die verbliebenen wurden von Brandstiftern beschädigt.

Von Christian Schmettow

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