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Prignitz Doping – die dunkle Seite des DDR-Profisports
Lokales Prignitz Doping – die dunkle Seite des DDR-Profisports
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00:21 17.11.2017
In lockerer Runde bekamen die Schüler des Gymnasiums im Anschluss die Möglichkeit, Fragen zum Thema an Ines Geipel zu stellen. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Perleberg

Mauer, SED und Stasi sind oft die ersten Begrifflichkeiten, mit denen Schüler die ehemalige DDR in Zusammenhang bringen. Das zeigte sich erneut bei dem Besuch von Ines Geipel im Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasium am Montag. Dort referierte die ehemaligen Leichtathletin, jetzige Schriftstellerin und Professorin zum Thema „Doping in der DDR“ vor dem elften und zwölften Jahrgang der Schule. Eingeladen hatte sie der Bürgerverein.

Der Sport ist ein Thema, das die Schüler selten mit der Deutschen Demokratischen Republik in Verbindung bringen. „Doch Mitte der 70er-Jahre war die DDR eines der erfolgreichsten Sportnationen weltweit im Verhältnis zu deren Staatengröße“, berichtet Ines Geipel. Handball, Volleyball, Fußball: Das sind die Sportarten der heutigen Jugend. Doch auch schon damals gab es eine Vielzahl an Sportarten, die ausgeübt wurden. Nicht alle nach fairen Regeln. „Von den Stasiunterlagen ist nach der Wende ein großer Teil erhalten geblieben. Darin war ein Staatsplan enthalten, der ab 1974 wirkte“, informiert Ines Geipel. Dieser galt für alle Profisportarten damaliger Zeit, wobei man die Sportler mit männlichen Sexualhormonen, sogenannte Steroide, spritzte, um sie erfolgreicher zu machen.

1500 Geschädigte haben sich gemeldet

„Über 15 000 Talente hat man so für den Ruhm des Landes mit hin­eingezogen und das ist auch heute noch ein großes Thema.“ Depressionen, Krebs oder behinderte Kinder sind die heutigen Folgen der damaligen „kriminellen Machenschaften“. „Es war ein Betrug auf ganzer Linie. Besonders kriminell ist dabei, dass man niemanden darüber aufgeklärt hat“, so die damalige Sportlerin. Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, alle und jeden hat man damals in die Chemisierung des Hochleistungssports verstrickt.

Ines Geipel selbst hat seit der Wende viel an Aufarbeitung geleistet. Im Jahr 2000 war sie Nebenklägerin im bisher größten Dopingprozess des Landes und ist heute Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins. „Derzeit zählen wir über 1500 Geschädigte, die sich bei uns meldeten. Doch davon sind auch schon viele verstorben, die Todesliste ist lang. Hinzu kommen über 250 Fälle in zweiter Generation“, führt Ines Geipel fort. Es gebe ein Komplex von Problemen und Fragen. Lösungen dafür müsse man nun in der Politik und in der Gesellschaft finden. „Zwei Gesetze konnten wir bisher erfolgreich erkämpfen“, informiert die damalige Spitzensportlerin weiter.

Doping ist auch heute nicht aus der Welt

Jeden Tag melden sich neue Betroffene bei ihr, doch es sei schwierig öffentlich darüber zu reden. „Das ist eines der Gründe, warum der Prozess so lange dauert“, sagt Ines Geipel. „Doch es war kein Kavaliersdelikt, sondern ein schwerer krimineller Akt. Es ist ein Gift, was man gespritzt hat, das ist vorsätzliche Körperverletzung, was der Körper nie vergisst.“ Mit diesem Thema wurden nun Schüler des Gymnasium konfrontiert. Geschichte, Sport, Politik: Es ist ein fächerübergreifendes Problem. „Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen“, so Jaquelin Kliefoth, Sport- und Geschichtslehrerin an der Schule. „Leider bleibt im Unterricht für die DDR-Geschichte meist wenig Zeit. Mit dem Engagement von Ines Geipel haben wir nun sogar ein konkretes Beispiel“, führt die Lehrerin fort.

Der Kontakt ist über den Bürgerverein und deren Vorsitzenden Malte Hübner-Berger entstanden. „Uns ist die Zusammenarbeit mit den Schülern sehr wichtig. Wir wollen sie in Zukunft noch stärken“, betont Malte Hübner-Berger.

Am Abend las Ines Geipel abschließend bei einer öffentlichen Veranstaltung unveröffentlichte Texte aus der DDR, stellte einzelne Schicksale vor sowie erläuterte ihre langjährige Recherche zum Zwangsdopingsystems in der Deutschen Demokratischen Republik.

Von Marcus J. Pfeiffer

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