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Dorf wird durch neuen Busfahrplan abgehängt

Prignitz Dorf wird durch neuen Busfahrplan abgehängt

Frisch geschlossene Freundschaften zwischen Kindern sind in Gefahr, drei erfolgreich integrierte Flüchtlingsfamilien müssen zudem umziehen – im Prignitz-Dorf Sadenbeck hat der neue Busfahrplan gravierende Folgen. Busse kommen nur noch, wenn sie bestellt werden. Der Unmut im Ort ist groß. Die MAZ hat sich umgehört.

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„Viele Aktivitäten der Kita sind beeinträchtigt“, sagt Kitaleiterin Anja Breßler-Sommer.

Quelle: Claudia Bihler

Sadenbeck. „Die Stadt Pritzwalk hat die Kita neu ausgestattet und renoviert“, sagt Anja Breßler-Sommer, Leiterin der Kita Sonnenblume in Sadenbeck. Und die Sadenbeckerin Sybille Bergholz weiß: „Auch der Wohnblock ist extra für Flüchtlinge saniert worden.“ Doch nun werden drei Flüchtlingsfamilien aus Sadenbeck nach Perleberg umziehen müssen – weil der Ort seit Anfang August nur noch mit teuren Rufbussen angefahren wird.

Eigentlich ist die Integration von Flüchtlingen aus insgesamt fünf Nationen eine echte Erfolgsgeschichte in Sadenbeck: Hatte das Dorf zunächst Skepsis gezeigt, haben Sadenbecker die Flüchtlingsfamilien dann etwa mit Spenden unterstützt. „Als der Umzug für drei Familien feststand, hat eine Mutti fast geweint, als sie mir das erzählt hat“, sagt die Kita-Leiterin.

Kinder haben Freundschaften geschlossen

Die Kinder würden sehr schnell Deutsch lernen, und manchmal sogar für die Eltern übersetzen. Die Flüchtlingseltern haben sich für die Kita engagiert – unter anderem hätten Eltern frisches Obst vorbeigebracht: „Dabei mussten sie alles erst aus Pritzwalk hierher schleppen.“ Auch die Eingewöhnungsprobleme sind vorbei: „Am Anfang sollten manche Kinder nicht mit den ausländischen Kindern spielen. Doch nachdem diese so viel Spannendes zu berichten hatten, haben sie schnell mit den deutschen Kindern viele Freundschaften geschlossen.“ Bei manchem Vorurteil aus dem Elternhaus habe sie auch mal eingegriffen, sagt Anja Breßler-Sommer, so dass diese Vorbehalte inzwischen der Geschichte angehören. „Ein Vater hat bei einer Elternversammlung festgestellt, dass er zwar neue Namen am Frühstückstisch zu hören bekäme, sich aber offenbar nichts Entscheidendes am Kitaalltag geändert habe.“

Außer bei den Spielen, hat die Erzieherin beobachtet: „Die Kinder aus anderen Ländern haben angefangen, wieder Handklatschen oder Gummihopp zu spielen, das war hier schon fast völlig vergessen – obwohl es die Koordinationsfähigkeiten der Kinder sehr stärkt. Jetzt spielen wir auch in Sadenbeck wieder diese Spiele.“

Flüchtlingsfamilien haben behördliche Termine in Pritzwalk

Doch nun müssen drei Familien umziehen. „Heute muss 90 Minuten vor der Abfahrt der Bus angerufen werden“, sagt Anja Breßler-Sommer: „Das ist oft unmöglich. Zudem kostet der Rufbus einen Euro Service-Zuschlag.“ Die Flüchtlingsfamilien hätten jedoch immer wieder Termine in Pritzwalk zu erledigen. Zum einen müssten sie regelmäßig in die Stadt, um ihre finanziellen Bezüge abzuholen – die meisten der Familien haben kein Konto, um das bargeldlos erledigen zu können. Einkäufe sind zu machen. Und wenn die Kinder zum Arzt müssten, sei ebenfalls eine Fahrt nach Pritz­walk nötig. Zudem, so Sybille Bergholz, müssen die Leute ja auch regelmäßig zu ihren Sprachkursen.

„Teilweise haben die Eltern dann ihre Kinder aufs Fahrrad gepackt. Ein Vater ist gar mit seinen zwei Kindern gleichzeitig gefahren“, sagt die Kita-Leiterin. „Aber jetzt steht der Winter vor der Tür, und mit einem kranken Kind ist die Fahrt mit dem Fahrrad nach Pritz­walk einfach nicht möglich.“ Doch nicht nur für die Flüchtlinge ist eine vernünftige Busverbindung nach Pritz­walk wichtig. Auch die Vorschulaktivitäten für die größeren Kinder in der Kita sind von der Neuorganisation des Busverkehrs beeinträchtigt. „Ich kann vielen Eltern den zusätzlichen Euro nicht zumuten“, meint die Kitachefin. „Zudem ist am Pritzwalker Bahnhof Schluss – wie sollen also unsere Kinder an solchen Aktivitäten wie Bibfit in der Bibliothek teilnehmen? Wenn wir dorthin laufen, sind die Kinder schon müde.“

Die Kita setzt nun darauf, dass der Nahverkehrsplan überarbeitet wird. „Wenn das nichts bringt, wissen wir noch nicht, was wir tun. Eine Bürgerinitiative gründen, beispielsweise.“

Von Claudia Bihler

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