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Dorfchronik: Von Postraub bis Hochwasser

Wolfshagen Dorfchronik: Von Postraub bis Hochwasser

Wenn Wolfshagen in diesem Jahr sein Jubiläum feiert, dann kann es insbesondere für die jüngste Geschichte auf ein umfangreiches Gedächtnis zurückgreifen. In drei dicken Bänden hat Ortschronist Harri Schulz ein lebendiges Porträt seines Dorfes aufgezeichnet.

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Drei dicke Bände umfasst die Chronik, die Harri Schulz in den vergangenen Jahren zusammengestellt hat.

Quelle: Claudia Bihler

Wolfshagen. Wenn Wolfshagen im September seine urkundliche Ersterwähnung vor 625 Jahren feiert, dann wird ein Wolfshagener besonders viel zur Erinnerung beizutragen haben: Seit vielen Jahren führt Harri Schulz (83), gebürtiger Wulfersdorfer und ehemaliger Wolfshagener Ortsbürgermeister, die Dorfchronik. „Ich denke, dass ich die Chronik zum Ortsjubiläum zeigen kann“, sagt Harri Schulz: „Irgendwo wird sich ja hoffentlich ein Platz dafür finden.“ Drei dicke Ordner sind es inzwischen, die er gesammelt hat. Hinzu kommen unzählige kleine Themenmappen, die sich mit der Dorfgeschichte befassen.

„Wenn ich nicht mehr schreibe, bekommt sie das Schlossmuseum in Wolfshagen“, sagt der Rentner, der in seinem Leben schon viele Erfahrungen gesammelt hat: Erst als Schmied, später in vielen anderen Berufen unter anderem in der Landwirtschaft. Und eigentlich wollte er schon längst mit der Chronik aufgehört haben: Im Jahr 2015 hat er bereits das Jahresdeckblatt mit seinem Abschiedsgruß versehen. Inzwischen ist noch mehr Material hinzugekommen, und wieder sagt er: „Ich werde das wohl abgeben.“ Doch später, die Bände vor Augen, wird er nachdenklich: „Ich kann es ja auch nicht lassen, und wenn ich jetzt wieder mehr Zeit zum Schreiben habe, dann tu ich es auch.“

Die Basis des Werkes stammt aus der DDR-Zeit

Die Basis für die Chronik war bereits zu DDR-Zeiten gelegt worden. Einige Dokumente wurden gesammelt und besondere Ereignisse notiert. Wie etwa der Wolfshagener Postraub, bei dem Diebe in die Poststelle einbrachen. Oder auch die Hochwasser, die das Dorf in regelmäßigen Abständen heimsuchten. Das war besonders schlimm und häufig, als der Mühlenteich noch angestaut war. Das letzte Hochwasser wiederum gab es 1993, als die Stepenitz so hoch stand, dass Schulz seine Türen mit Sandsäcken sichern musste und das Wasser bis an die Garagen floss, die nahe des kleinen aber unberechenbaren Flusses lagen. „Die Quellenlage vor dieser Zeit ist nicht besonders gut“, sagt der Chronist: „Natürlich haben wir hier und dort Aufzeichnungen bis zurück ins 18. Jahrhundert, aber darin geht es vor allem darum, welche Häuser abgebrannt sind.“

Unglaublich lebendiges Ortsporträt

Später sammelten dann andere und vor allem zur DDR-Zeit findet sich eine Fülle von Material aus allen Lebensbereichen – ob es um die Schule, die Landwirtschaft, die Feuerwehr oder auch den Kindergarten geht, auch weil Ex-Bürgermeister Scheer viel gesammelt hatte. Schulz: „Diese Sachen wurden später unter anderem im Rahmen eines ABM-Projektes von Ute Krüger zusammengestellt, und als ich meine Stelle als Ortsbürgermeister aufgab, habe ich angefangen, sie auch in Texten zusammenzufassen.“

Entstanden ist ein unglaublich lebendiges Ortsporträt, in dem sich wohl die meisten Bewohner auf die eine oder andere Art wiederfinden. Veranstaltungen werden dokumentiert, etwa jene, bei der die halbe Landesregierung mit den Wolfshagenern über die Zukunft der ländlichen Region diskutierte. „Platzeck, damals noch Umweltminister, und der damalige Landwirtschaftsminister haben Optimismus verbreitet, und die Wolfshagener waren guter Dinge“, kommentiert Schulz die Einträge. Dass dennoch nicht alles so rosig wurde, wie damals vermutet, sei aber nicht alleine der Politik zuzuschreiben. Kritik gibt in Richtung Politik dennoch: „Wenn heute Kriege finanziert werden können, müsste auch eine Buslinie nach Wolfshagen bezahlbar sein.“

Von Claudia Bihler

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