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Ein Biermuseum entsteht in Stepenitz

Astrid und Martin Kruse sammeln leidenschaftlich Ein Biermuseum entsteht in Stepenitz

Mehr als 20 000 Bierdeckel haben Astrid und Martin Kruse aus Stepenitz in den vergangenen Jahren zusammengetragen. Sie sammeln alles rund ums Bier: Flaschen, Tulpen, Humpen, Fässer, Werbeartikel. Anfang Juli, zum Dorfjubiläum, wollen die beiden das Biermuseum im Saal der alten Dorfgaststätte für Besucher öffnen.

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Martin Kruse sammelt mit seiner Frau Astrid alles rund ums Bier: Zum Beispiel alte Fässer, die es so heute gar nicht mehr gibt.

Quelle: Beate Vogel

Stepenitz. Bierdeckel, die man früher zum Schutz gegen lästige Insekten aufs Glas legte, sind heute eher Bieruntersetzer. Neben ihrem praktischen Zweck reizen sie dank informativer, manchmal ausgefallener und fast immer bunter Aufdrucke zum Sammeln. 23 095 der kleinen Pappdeckel haben die Stepenitzerin Astrid Kruse und ihr Mann Martin gesammelt. Sie stammen von 2504 Brauereien aus 49 Ländern. Das Ehepaar trug außerdem Biertulpen, Gläser, Flaschen, Fässer, Humpen, Kugelschreiber, Trucks, Schlüsselbänder, Flaschenöffner und vieles mehr zusammen. Eben alles, was – auch dank eines Werbeaufdruckes – mit Bier zu tun hat. In diesem Jahr möchten die Kruses ihre Sammlung für Besucher öffnen.

Auf jedem Deckel ein Klebezettel

Zu fast jedem ihrer Bierdeckel haben die Kruses Informationen zusammengetragen. Gut sortiert und archiviert lagern die kleinen Pappen in Apothekenschränken im einstigen Saal der Stepenitzer Gaststätte, der heute Teil des Wohnhauses der Familie Kruse ist. Zu jedem Deckel gibt es einen Klebezettel, der über das Jahr der Anschaffung und den Namen der Brauerei mit Gründungs- und eventuell Schließungsjahr informiert. „2005 haben wir die ersten Bierdeckel mitgebracht“, erzählt Martin Kruse. Irgendwann kam das erste Glas dazu.

Unzählige Biergläser und -tulpen finden sich an den Wänden des Saales

Unzählige Biergläser und -tulpen finden sich an den Wänden des Saales.

Quelle: Beate Vogel

Denn die mehr als 20 000 Bierdeckel sind nicht das Erste, was einem in dem neu hergerichteten Saal ins Auge fällt: Bis zur Decke reihen sich an den meterhohen Wänden unzählige Gläser und Flaschen. Säuberlich ausgerichtet mit dem Aufdruck nach vorn stehen sie da, Zeugnisse alter Zeiten oder Belege für neue Aktivitäten in der Brauereibranche. Gläser aus Wittenberge zum Beispiel gibt es noch gar nicht so lange wieder, erst, seit dort das Herzbräu gebraut wird. Die Emailletafel, die für Pritz­walker Schraube-Bier wirbt, stammt dagegen aus der Vergangenheit – die Pritzwalker Preussen Brauerei ist seit Jahren dicht.

An Nachschub mangelt es nicht

„Einmal jährlich fahren wir zu Sammlertreffen der Bierdeckelsammler“, erzählt Martin Kruse. Zwei Vereine gibt es in Deutschland, sagt der 59-Jährige: „In dem einen bin ich Mitglied, in dem anderen meine Frau.“ Das habe den Vorteil, dass man die regelmäßigen Publikationen beider Vereine bekommt und außerdem die Päckchen, die einmal im Jahr an die Sammler verschickt werden. Wobei es den Kruses an Nachschub für ihre Sammlung nun wirklich nicht mangelt.

Astrid Kruse, die in Wittstock seit 15 Jahren die Wirtin der Hansa Klause ist, kommt über Kunden und Lieferanten an immer neue Bierdevotionalien heran. Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Kneipe hatten ihr die Stammkunden liebevoll eine winzige Bierbar gebastelt: aus Miniflaschen, Kronkorken und Bierdeckeln. Während sie auf ein Aluminiumfass zeigt, fällt der 51-Jährigen eine Geschichte aus ihrer Familie ein, die einst in Stepenitz die Gastwirtschaft betrieb: „An so einem Fass hat mein Großvater mal ein Auge verloren.“ Durch den Druck war ihm ein Teil der Zapfvorrichtung ins Gesicht geschossen.

Manche der Bierflaschen mit Bügelverschluss sind gute 60 Jahre alt

Manche der Bierflaschen mit Bügelverschluss sind gute 60 Jahre alt.

Quelle: Beate Vogel

Besonders stolz ist Martin Kruse auf die sehr alten Stücke seiner Sammlung und zeigt auf ein dunkles Holzfässchen von einer Brauerei, A. Günter, die schon um 1920 geschlossen hat. „Es fasst 13,5 Liter, das gibt es so heute gar nicht mehr.“ Die braunen, weißen und grünen Bierflaschen sind mindestens 60 Jahre alt und haben meist noch den guten, alten Bügelverschluss. Eine stammt von der Rostocker Brauerei Mahn und Ohlerich, die 1878 gegründet und 1946 enteignet wurde. Besonders exotisch muten Bierflaschen von einer Brauerei aus Nepal an. Eine Rarität dürfte ein getöntes Weizenglas aus DDR-Zeiten sein: „In der DDR wurde gar kein Weizenbier gebraut“, weiß Martin Kruse.

Im Urlaub werden Brauereien besucht

Jedes Jahr am 1. August fahren die Stepenitzer zur Biermeile nach Berlin, wo sie sich weitere Sammlerstücke sichern. „Vieles bekommt man auch auf Flohmärkten oder über Ebay“, sagt der 59-Jährige. Ihre Urlaubsziele suchen sich die Kruses nach dem Vorkommen von Brauereien aus: So waren sie vergangenes Jahr in Franken, einer Gegend mit der wohl höchsten Brauereidichte der Welt. Auf 1000 Einwohner kommen hier vier Brauereien. Allein Bamberg hat zwölf. „Da sind wir nur über die Straße gegangen und waren schon in der nächsten“, schwärmt Astrid Kruse.

Die Leidenschaft der beiden für alles rund ums Bier heißt übrigens nicht, dass sie den Gerstensaft regelmäßig konsumieren: „Wir trinken sehr, sehr selten Bier“, versichert die 51-Jährige.

Wenn die Stepenitzer am Wochenende vom 1. bis 3. Juli ihr 770-jähriges Bestehen feiern, wollen die Kruses ihre Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen. „Irgendwann soll es ein Museum werden“, so Martin Kruse.

Von Beate Vogel

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