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Ein Dorf macht Oper in Klein Leppin

Offene Probe: Publikum und Ensemble ziehen durch's Dorf Ein Dorf macht Oper in Klein Leppin

Klein Leppin wird zum Opernschauplatz. Zugegeben, das Amphitheater aus Strohlballen und Paletten ist etwas provisorisch, doch die Kenner der dörflichen Opernszene mögen genau das. Wenn dann noch Schauspieler und Publikum durch den Ort ziehen, um zur nächsten Bühne zu kommen, dann heißt es ganz offiziell: Dorf macht Oper.

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Die Proben zu Dorf macht Oper in Klein Leppin waren ein großer Erfolg.

Quelle: Andreas König

Klein Leppin. "Wir wollen Höllenspaß!" verlangen die Mitglieder des Klein Leppiner Opernchors von Obergott Jupiter. Die übrigen Forderungen der Bewohner des Olymps sind wahrscheinlich leichter zu erfüllen: "Lieber Rotwein als Totsein" zum Beispiel oder auch ganz einfach "Bockwurst". Wer das Glück hat, Karten für die ausverkauften Aufführungen von Jacques Offenbachs Operette "Orpheus in der Unterwelt" in Klein Leppin bekommen zu haben, kann sich auf eine bunte, lustige künstlerisch überzeugende Adaption der Operette freuen. Vielleicht sollten die Kartenbesitzer aber auch nicht weiterlesen.

Dass der Olymp von Klein Leppin hinter einem ehemaligen Schweinestall liegt, überrascht Kenner der dörflichen Opernszene kaum. Ein Amphitheater aus Strohballen, Paletten und Kunststoffstühlen, eine weiß überplante Rundbühne mit Tischen und Stühlen drauf, mehr brauchen die Akteure nicht, um die doppelmoralische Oberwelt zum Leben zu erwecken. Das Besondere an den Klein Leppiner Aufführungen ist ja stets das Zusammenspiel von Profi- und Laienkünstlern, darunter viele Kinder. Phantasievoll kostümiert mit tollem Chorgesang geben sie den professionellen Künstlern Raum für ihre Interpretation der Offenbachschen Melodien.

Irgendwas zwischen Gruftifestival und Loveparade hat es, wenn Schauspieler und Publikum durch Klein Leppin ziehen - nur ohne Räucherstäbchen oder flauschige Plateauabsätze. Es ist aber kein Festumzug, sondern ein Bühnenwechsel - denn ein Dorf macht Oper. Wir waren bei einer Probe und haben die ersten Eindrücke vom Stück.

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Schon die beiden ersten Bilder sind turbulent. Orpheus (Alexander Fedorov) und Eurydike (Rebecca Koch) sind zwar verheiratet, haben sich jedoch längst auseinander gelebt. Beide wären bereit, einander nahezu jede außereheliche Freiheit zu gewähren, wäre da nicht die Öffentliche Meinung (Kathleen Brandhofer). Eurydikes Geliebter Aristäus ist nicht nur Imker und Schäfer von Beruf, in der Interpretation von Rui dos Santos tritt er als Cowboy im hautengen Lederdress in Erscheinung. In Wahrheit jedoch ist er der Gott Pluto, der Eurydike vergiftet, um sie zu sich in den Hades zu holen.

Im Olymp hingegen schlafen die Götter und wenn sie gerade nicht auf der faulen Haut liegen, stellen sie den Sterblichen nach. Slapstickeinlagen, artistische Tanzdarbietungen vor allem vom Liebesgott Cupido (Ramina Abdallah-Zade) und eine gelungene Massenszene beenden das zweite Bild.

Nach der Pause wird das Publikum singend und tanzend durchs Dorf geführt. Die Darsteller immer vorneweg. Es geht einen Spiegelpfad entlang zu einer weiteren Bühne auf freiem Feld, wo sich die himmlischen Heerscharen zur letzten Schlacht um das Schicksal von Göttern und Menschen treffen.

Der Zug ähnelt einer Mischung aus Loveparade und Gruftifestival, und auch die Chormitglieder geben alles. Das Finale ist eine furiose Neuinterpretation des Höllen-Cancan, wobei Regisseurin Mira Ebert und Choreograph Sven Seeger auf die bekannten Beinwürfe und Spagatsprünge weitgehend verzichten. Doch auch so sprechen die Darbietungen alle Sinne des Publikums an. Dass die Hölle aber nicht nur Spaß macht, spüren die Zuschauer an gelegentlichen Dissonanzen und dem an Zombiefilme erinnernden Protagonisten um Styx (Frederic Phung) und Plutos Gefolge. Der in vielen Stunden Arbeit aufgearbeitete Leutewagen des Vereins "Festland" kommt schließlich als Gefangenentransport vorgefahren und entlässt den bleichen Orpheus ins turbulente Geschehen. Im Chor dürfte manchen Prignitzer Gästen der ehemalige Landrat Hans Lange aufgefallen sein. Zuerst als grau gewandeter anonymer Gott des Olymps, dann als schrill geschminkter Afroträger ‒ der einstige oberste Prignitzer Kommunalpolitiker zeigt, dass er Spaß versteht ‒ wie im Himmel so auch in der Unterwelt.

Von Andreas König

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