Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Ein Hauch Weltgeschichte in Perleberg

Über 30 000 Objekte im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum Ein Hauch Weltgeschichte in Perleberg

Über viele Jahre wurde das Perleberger Museum modernisiert. Die Bauarbeiten sind abgeschlossen. Vollkommen neu sind die archäologische Ausstellung und die Stadtgeschichtet gestaltet. Bis zum Jahresende soll dies auch für die Volkskunde gelten.

Voriger Artikel
Lkw samt Ware geklaut
Nächster Artikel
Perleberger Klinik öffnet Türen

Frank Riedel im historischen Kaufmannsladen.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Gleich beim Eintreten des Gebäudes am Mönchort steht der Besucher mit einem, vielleicht auch gleich mit beiden Beinen tief in der Perleberger und Prignitzer Geschichte. Allen Veränderungen zum Trotz und auch nach der grundlegenden Modernisierung des ehrwürdigen Hauses – das große Hasse-Bild beherrscht unabänderlich den Eingangsbereich des Stadt- und Regionalmuseums.

30 Jahre lang war Matthias Hasse Bürgermeister und Ratsherr in Perleberg, wie schon sein Großvater, der schon wie er Matthias Hasse hieß. Doch der dargestellte Bürgermeister-Enkel zeichnete sich nicht nur durch eine ausgesprochen lange Amtszeit aus. Was vor allem heute beeindruckt, ist seine ausgesprochene Kinderfreundlichkeit. Mit seinen beiden Ehefrauen zeugte er 21 Kindern, wovon drei allerdings bei der Geburt oder kurz danach starben.

„Wer heute vor diesem Bild steht, denkt eher an eine Schulklasse als an eine Familie“, berichtet Frank Riedel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum. Nach dem 30-Jährigen Krieg, als Perleberg 90 Prozent seiner Bewohner verloren hatte, sorgte der Bürgermeister auf vorbildliche Weise für einen Bevölkerungsaufschwung.

Mit mehr als 30 000 Objekten und einer weit über 600 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche ist das zweitälteste Prignitzer Museum – es wurde 1905 ein Jahr nach dem in Havelberg gegründet – bis unters Dach mit anschaulicher Geschichte gefüllt. Das Haus Mönchort 7 diente einst als Höhere Töchterschule und dort ging auch die später so berühmte Opernsängerin Lotte Lehmann zum Unterricht. Womöglich sogar in dem Raum, in dem ihr heute ein Ausstellungsbereich gewidmet ist.

Einen starken Impuls zur Museumsgründung gab ein Sensationsfund im Jahre 1899. Unweit von Perleberg wurde in Seddin ein außergewöhnlich großes und reich ausgestattetes bronzezeitliches Grab entdeckt, das als Seddiner Königsgrab in die Geschichte einging. Wer dort zusammen mit zwei Frauen bestattet wurde, kann bis heute niemand sagen. Eine schriftliche Überlieferung gibt es nicht. Nur die Umstände deuten auf bedeutenden Stammesfürsten oder König hin. Das Märkische Museum in Berlin angelte sich gleich die Urnen für seine Sammlung. Originalgetreue Kopien sind in Perleberg zu sehen und darüber hinaus originale Teile der Wandmalerei aus der Grabkammer, die nur hier zu bewundern sind. In der sehr modernen Gestaltung der archäologischen Ausstellung wird der Eindruck der Grabkammer erweckt , die um 800 vor Christus in einem zehn Meter hohen und 64 Meter breiten Grabhügel angelegt worden war.

„Das Museum besteht aus drei Ausstellungsebenen und jede hat ihr eigenes, abgeschlossenes Layout“, berichtet Frank Riedel. Die hochmoderne archäologische Ausstellung ist ganz anders gestaltet als die Stadtgeschichte mit Biedermeierzimmer und mittelalterlicher Plastik. Und auch der dritte Bereich – „Ländliche Volkskunde und bäuerliches Leben“ – bekommt auf erweiterter Fläche bis zum Jahresende ein eigenes neues Gesicht.

Selbst für Perleberger ist der im Februar eröffnete Ausstellungsbereich zur Garnisonsgeschichte der Stadt aufschlussreich. So war Österreichs Kronprinz Rudolf Chef des in Perleberg stationierten 11.Ulanenregiments. Als sich der Sohn von Kaiser Franz-Josef I. und Kaiserin Elisabeth, die als Sissi in die Gesichte einging, 1889 das Leben nahm, nahmen auch Perleberger an der Beerdigung teil. „Ein Hauch von Weltgeschichte weht hier durch Perleberg“, sagt Frank Riedel.

So kommt wohl jeder Besucher des Museums auf seine Kosten. Alle aber verweilen etwas länger vor dem Delikatessen- und Kolonialwarenladen, den Johannes Dittmer nur wenige Häuser entfernt 1896 eingerichtet hatte. „Da herrschte eine andere Verkaufskultur“, erklärt Frank Riedel. Nudeln, Graupen, Gewürze, Senf, Bier und auch Petroleum wurde „lose“ verkauft, abgewogen und abgefüllt. Der Kaufmann sah es gern – wie ein Schild verrät _ wenn die Kundschaft die Tüten selbst mitbrachte. Sehr viel anders sah der Laden der Gebrüder Aldi auch nicht aus, bevor die nach 1945 einen Weltkonzern daraus machten, , erzählt Frank Riedel. Gern weist der Museumsmann auf die Feodora-Schokolade im Regal. „Die gibt es noch heute.“ Kleine Täfelchen verteilt er gelegentlichen aus seinem privaten Vorrat an Besucher.

Von Michael Beeskow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg