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Prignitz Ein Haus wird abgebaut und eingepackt
Lokales Prignitz Ein Haus wird abgebaut und eingepackt
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00:17 18.02.2017
Von oben guckt der Himmel durch die freiliegenden Dachsparren. Die Ziegel wurden bereits im Herbst abgenommen. Quelle: Beate Vogel
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Triglitz

Die Luft ist staubig rings um das alte Fachwerkhaus an der Feuerwehrgarage in Triglitz (Amt Putlitz-Berge). Es sieht inzwischen aus wie ein Gerippe. Durch die leeren Gefache weht der Wind, zwischen den Dachbalken leuchtet der knallblaue Himmel hindurch. An diesem Tag sind auf der eingezäunten Baustelle wieder junge Leute anzutreffen. Sie tragen unter Anleitung von Harry Städtke aus Heiligengrabe das historische Gebäude ab. Stein für Stein. Ziegel für Ziegel. Balken für Balken. Das Gebäude soll eingepackt und später woanders wieder aufgebaut werden.

Alles passiert in Handarbeit

Seit vergangenen Herbst wird mit Unterbrechungen an dem ehemaligen Wohnhaus an der Triglitzer Lindenstraße gewerkelt. „Im Oktober haben wir das Dach heruntergenommen“, sagt Harry Städtke. Immer wieder sind neue Jugendliche in die Arbeit einzuweisen. Sie absolvieren über die Jugendbauhütte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege. Das Haus, das zuletzt länger leer stand, sei so gut wie ausgeräumt gewesen. „Wir haben ein paar alte Zeitungen sichergestellt“, berichtet der Mitarbeiter der Jugendbauhütte in Heiligengrabe, der sich da wohl ein bisschen mehr erhofft hatte. Bis auf ein paar alte Gardinen war da aber nichts mehr. Das Alter des Hauses schätzt Anleiter Städtke auf 130 bis 150 Jahre. So genau wisse das aber keiner. „Ich habe auch den Ortschronisten gefragt, aber es gibt dazu keine Aufzeichnungen.“

Seminarzentrum in Heiligengrabe

Jugendbauhütten bieten unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr im denkmalpflegerischen Bereich zu absolvieren. Projekte im westlichen Brandenburg sind oder waren unter anderem die Kirchenapsis in Wernikow oder die Kanzel der Dorfkirche in Kuhbier.

Das Seminarzentrum der Jugendbauhütte Berlin/Brandenburg befindet sich seit 2005 auf dem Gelände des Kloster Stifts zum Heiligengrabe. Es gibt Bettenhäuser, Seminarräume, eine Werkstatt. Das Zentrum ist ein wichtiger Stützpunkt für den praxisorientierten Einsatz an Denkmalen in der Region.

Alles am Fachwerkhaus in Triglitz passiert in Handarbeit. „Viele der Gefache – so heißt das Mauerwerk zwischen den Fachwerkbalken – sind schon raus“, erklärt der Mitarbeiter der Jugendbauhütte aus Heiligengrabe. Ein Kollege klopft mit dem Hammer im Obergeschoss Ziegel aus der Giebelwand. Wo Zementmörtel verwendet wurde, braucht es einigen Aufwand. „Wo mit Kalkmörtel gemauert wurde, geht es leichter“, meint Harry Städtke. Die Wand an dem alten Haus hätte wohl noch 100 Jahre gehalten, glaubt der Kollege. Die alten Holznägel aus den Balken zu bekommen, ist nicht immer einfach. Der Schornstein ist ebenfalls abgetragen. Er war so marode, dass er im Schuttcontainer landete. Andere Bauteile, zum Beispiel die roten Ziegel, sind fein säuberlich abgeputzt und auf Paletten gestapelt.

Anleiter Harry Städtke (M.) erklärt jungen Helfern wie Alexej Sirotjuk, wie sie auf der Baustelle vorgehen müssen. Quelle: Beate Vogel

Einer der sieben jungen Leute, die an diesem Tag auf der Baustelle stehen, ist der 27-jährige Alexej Sirotjuk aus Weißrussland. „Ich mache hier ein Freiwilliges Europäisches Jahr“, sagt er. Obwohl er von Beruf bereits Jurist ist und auch Geschichte studiert hat, kam er für ein Jahr nach Deutschland. „Das mit der Geschichte ist für mich eher ein Hobby“, sagt er. Dazu passe die praktische Arbeit an den Denkmalen. Und das Jahr sei eine gute Möglichkeit, die Sprache zu lernen. „Das geht am besten, wenn man in Deutschland ist.“ Alexej Sirotjuk macht sonst seinen Freiwilligendienst in Alt Döbern, wo er beim Wegebau im Schlosspark hilft. Die FSJ-Teilnehmer arbeiten auf verschiedenen Baustellen. Dazwischen gibt es Wochenseminare im Seminarzentrum in Heiligengrabe.

Die Fläche soll neu genutzt werden

Putlitz-Berges Amtsdirektor Hergen Reker ist ganz froh, dass die jungen Leute das alte Gebäude über das FSJ abtragen. 15 Jahre habe es leer gestanden. „Ursprünglich sollten ja Bulldozer ran“, erinnert er sich. Dann habe sich aber die Möglichkeit über die Jugendbauhütte ergeben. Die Gemeinde Triglitz habe das Gebäude neben der Feuerwehrgarage und dem Dorfgemeinschaftshaus gekauft. Nun sollen auf der dann freien Grundfläche – immerhin 4000 Quadratmeter – ein Bolzplatz und Parkflächen angelegt werden, die sonst immer zu knapp waren, erklärt der Amtsdirektor.

Ist das Haus weg, können Grün- und Parkflächen angelegt werden. Quelle: Beate Vogel

Bis zum 31. März soll das Fachwerkhaus abgetragen sein. Dann kann die Gemeinde Triglitz ihre Pläne für das Gelände umsetzen. Am Feuerwehrgebäude, das sich in der Hoheit des Amtes befindet, soll ein kleiner Anbau entstehen, so Reker. Das sei am Dorfgemeinschaftshaus wegen der Grenzbebauung nicht möglich. „In dem Anbau können dann gemeindeeigene Dinge wie Festzelt oder Gerätschaften gelagert werden.“ Die Fläche dahinter wird begrünt. Der Spielplatz soll laut Amtsdirektor Reker modernisiert werden.

Die Einzelteile des historischen Fachwerkhauses werden nun verpackt und eingelagert. Wo das Gebäude später einmal wieder aufgebaut wird, ist noch offen.

Von Beate Vogel

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