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Prignitz Ein Pilgerort für Technikfans
Lokales Prignitz Ein Pilgerort für Technikfans
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00:26 13.01.2016
Ein seltenes Bild: Mit solchen von einem Barkas gezogenen Sattelaufleger war einst die mobile Textilreinigung in der Altmark unterwegs. Das gute Stück ist eines von vielen original erhaltenen Fahrzeugen im Blaulichtmuseum Beuster. Quelle: Andreas König
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Beuster

Würde Ralf von Hagens Dorfkonsum zur Filmkulisse auserkoren, das Geschrei wäre groß: „Ha, so was gab’s doch gar nicht“, würden Kritiker sagen, wenn sie die überbordenden Regale in einem nachempfundenen Dorfkonsum sähen. Besucher aus der Prignitz müssen die Elbe bei Wittenberge überqueren, um nach Beuster zu gelangen. Das kleine altmärkische Dorf beherbergt eine der größten Sammlungen von Polizei-, Feuerwehr und Einsatzfahrzeugen sowie -technik, die es in der näheren und weiteren Umgebung gibt. Hinzu kommt östliche Militärtechnik vor allem aus der Zeit des kalten Krieges, also aus den Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR und der Sowjetarmee.

Zusammengetragen hat das alles Ralf von Hagen. Im Hauptberuf ist der ehemalige Medizintechniker heute Verwalter des Veritas-Parks in Wittenberge. Schon deswegen gibt es traditionell enge Beziehungen zur Prignitz. Die schier unüberschaubare Sammlung Ralf von Hagens sollte sogar einmal in Wittenberge gezeigt werden, doch daraus wurde dann doch nichts. Dennoch kommen immer wieder Besucher und Mitstreiter aus der Elbestadt ins benachbarte Beuster. So wie Hans-Peter Keller, ehemaliger Revierpolizist aus Wittenberge, der jetzt die Technik in Schuss hält und Führungen anbietet.

So voll waren die Regale im echten Dorfkonsum nie: Hans-Peter Keller zeigt den Dorfkonsum im Blaulichtmuseum. Quelle: Andreas König

Besondere Ausstellungsstücke gibt es in Beuster zuhauf. Da wäre der bereits erwähnte Dorfkonsum, dessen überbordendes Angebot es so in der DDR wohl nicht einmal in der Prominentensiedlung Wandlitz gab. Neben originalen Lebensmittelverpackungen kann man dort Spielzeug, Haushaltsgeräte, Textilien und vieles mehr bewundern. „Hier gibt’s ja mehr als im Intershop“, rief vor Jahren mal eine Museumsbesucherin aus. Böse Zungen behaupten gar, wäre jeder Konsum so ausgestattet gewesen, hätte es die Wende vielleicht gar nicht gegeben.

Zum Glück nicht einsatzfähig: Ein taktisches Raketensystem der einstigen Nationalen Volksarmee gehört ebenfalls zu den Exponaten, die im Blaulichtmuseum gezeigt werden. Quelle: Andreas König

Auf dem weitläufigen Gelände sind Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, der Polizei und des Rettungsdienstes zu bewundern. Eine originalgetreue Feldbahn, wie sie bei der Ernte verwendet wurde, zuckelt über den Platz und eine Minoltankstelle sieht aus, als ob der Tankwart jeden Moment herauskommt. Es gibt aber auch martialisch anmutende Militärtechnik vor allem der Nationalen Volksarmee der DDR und der Sowjetarmee. Schützenpanzerwagen rollen bisweilen über das Gelände oder ein taktisches Raketensystem reckt seine einstmals tödliche Fracht gen Himmel. Hinzu kommen Fahrzeuge mit besonderen Geschichten. Eine Riesenlimousine vom Typ Tschaika ist zu sehen. Die Autos wurden von hohen DDR-Funktionären in den 1960 und 70er Jahren als Dienstfahrzeuge genutzt. Der Wagen fraß 21 Liter pro 100 Kilometer. Ralf von Hagen holt ihn heute noch manchmal aus der Garage. Zu bestaunen ist auch der dunkelblaue Volvo, Baujahr 1986, in dem dereinst Erich Mielke, Chef der Staatssicherheit, chauffiert wurde.

In Beuster singt noch der Minol-Pirol: Eine originalgetreue DDR-Tankstelle gibt es dort zu bewundern. Quelle: Andreas König

Politische Stellung möchte Ralf von Hagen mit seinem Blaulichtmuseum nicht beziehen. „Es geht uns nur darum, Einsatztechnik zu zeigen“, sagt er. Eine von ihm verfasste Kurzgeschichte des Museums lässt von Hagen sogar mit dem Ausruf „Lieber Blaulicht statt Rotlicht“ enden. Ganz unpolitisch geht es in Beuster aber auch nicht zu: Zur jährlichen Blaulichtwoche, die meist am dritten Wochenende im Juli beginnt, tritt seit Jahren ein Erich-Honecker-Double auf.

Andererseits nutzten die Polizeibehörden der Landkreise Stendal und Prignitz das Spektakel, um für ihre Präventionsangebote zu werben. Neueste Errungenschaft sind zwei Hafenkräne aus Wittenberge. Seit vergangenem Sommer sind sie wieder funktionstüchtig und einsatzbereit. Ralf von Hagens Antrieb ist Fluch und Segen zugleich: Er gräbt tolle Fundstücke aus, aber „das Wort wegwerfen fehlt leider in meinem Wortschatz.“

Eine originalgetreue DDR-Einsatzleitstelle. Die Technik war im Vergleich zu heute riesig, aber robust. Quelle: Andreas König

Von Andreas König

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