Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° bedeckt

Navigation:
Ein Pritzwalker ist vernarrt in Füchse

Pferdezucht Ein Pritzwalker ist vernarrt in Füchse

Gerhard Röseler ist ein Pferdenarr. Der Züchter aus Pritzwalk spannt aber nur fuchsfarbene Pferde an – und erzielte damit große Erfolge. Eine Stute aus seiner Zucht hatte er weggegeben, weil sie braun zur Welt kam: Samba Girl. Das Pferd steht jetzt in einem schwedischen Stall und brachte es sogar bis zur Europameisterschaft.

Voriger Artikel
Frost im Norden, Schnee im Süden
Nächster Artikel
Der verheerende Großbrand von Neudorf

Der Schwede Frederik Persson startete im Vierspänner bei der EM in Aachen – mit Samba Girl auf der Position vorn rechts.

Quelle: Andreas Pantel

Pritzwalk. Gerhard Röseler ist ein Mann der Füchse. Fast immer klappt es beim Pferdenachwuchs mit seiner Lieblingsfarbe, aber ausgerechnet Samba Girl – eine Tochter von Samba Hit I – ist Braun, als sie 2004 geboren wird. Doch Röseler hat Glück: Die Schwester Samba Lady, die ein Jahr später zur Welt kommt, hat wieder die beliebte Fuchsfarbe. „Aber die Schwester war eben kein Passer“, bedauert der passionierte Pferdezüchter und Gespannfahrer aus Pritzwalk. Also musste Samba Girl weg. 2008 wurde sie Reiner Stübing in Neustadt vorgestellt und dort angespannt. Doch sie blieb nicht lange in Brandenburg: Schnell entdeckte der Schwede Frederik Persson das talentierte Fahrpferd. Vor Kurzem kam die Stute ihrer Heimat wieder näher, denn sie startete im schwedischen Vierspänner bei den Reiteuropameisterschaften in Aachen. Stolz verfolgt Gerhard Röseler die Entwicklung der Stute.

Auch der Pferdenarr, der 1939 geboren wurde, hatte seine Heimat einst verlassen müssen: In den Kriegsjahren flüchtete er mit seinen Eltern von Landsberg an der Warthe mit dem Handwagen in die Prignitz nach Pritzwalk. „Schon als kleiner Junge musste ich Heu machen, Ende der 40er Jahre haben wir alle Arbeiten mit Pferden gemacht. 1954 bin ich beim Volksgut Kammermark in die Lehre gekommen – und dann wurde ich Landwirt“, erinnert sich der Rentner. 1960 nahm er eine Stelle als Fahrer beim Rat des Kreises an. „Das passte sehr gut. Zehn Jahre später begann ich mit der Pferdezucht. Da musste ich ab und zu schnell mal zu Hause nach dem Rechten sehen: Mal war die Koppel kaputt, mal ging es einem Pferd nicht so gut. Und da meine Arbeitsstelle direkt in Pritzwalk war, konnte ich zwischendurch kurz nach Hause“, sagt der Graubärtige.

Der Pferdenarr Gerhard Röseler mit seiner Fuchsstute Blondy

Der Pferdenarr Gerhard Röseler mit seiner Fuchsstute Blondy.

Quelle: Andreas Pantel

Geritten ist der passionierte Gespannfahrer früher auch: „Sogar Dressur und natürlich Springen und Jagden – schon als Bengel, wir haben uns das selber beigebracht.“ Auch bei vielen Turnieren in Freyenstein hat er im Sattel gesessen oder ist gefahren. „Ich habe beim Festumzug zur 700-, 725- und bei der 750-Jahr-Feier der Stadt Pritzwalk jedes Mal im Sattel gesessen“, berichtet Röseler stolz.

Mitte der 70er Jahre hat der Pferdemann mit dem Fahren begonnen. 1978 wurde ein kleines Haus gekauft mit dem Grundstück dazu. Nach der Wende hatte der Züchter jedes Jahr vier Fohlen. Doch dann kam ihm die neue Pritzwalker Umgehungsstraße in die Quere. „Damit war mein Haus abgeschnitten von den Koppeln. So ging das nicht mehr mit den vielen Pferden: Ich musste mit ihnen immer über die viel befahrene Bundesstraße laufen“, erinnert sich der Züchter. Also wurde reduziert. Am liebsten hatte Röseler sowieso immer gleich die Fohlen verkauft. Wie viele das waren in seinem Züchterleben, weiß er gar nicht mehr so genau. „Vielleicht so an die 40“, sagt er vage.

Aus seiner Zucht stammte auch das Springpferd Carlos Santana, das erfolgreich von Jo-Louis Thiessen unter dem Springsattel vorgestellt wurde. „Einmal hatte ich sogar ein Siegerfohlen von Glorreich beim Championat in Calvorde. Ein Käufer hatte damals gleich alle vier Fohlen abgenommen“, sagt Gerhard Röseler stolz.

Hoch zu Ross

Hoch zu Ross: Gerhard Röseler bei der 750-Jahr-Feier in Pritzwalk.

Quelle: Andreas Pantel

Bis 1995 hatte sich hauptsächlich seine Frau um Haus und Pferde gekümmert. „Aber das wurde zu viel. Ich ging in den Vorruhestand und hatte nun endlich wieder Zeit zu Hause.“ Gern erinnert er sich an seine zahlreichen Fohlen aus der Glimmerblüte oder Glimmersaga. „Einmal brauchte die Polizeireiterstaffel Köln einen Fuchs. Er musste eine große Blesse haben. Da waren sie bei mir natürlich richtig“, sagt der Liebhaber der fuchsfarbenen Pferde. Woher seine Leidenschaft für diese Farbe kam? „Ganz einfach. Mein erstes Pferd war ein Fuchs.“

Viele Jahre arbeitete der Pferdemann im Vorstand des Zuchtvereins Prignitz und des Reit- und Fahrvereins Preußen Pritzwalk. Lange Zeit fuhr er erfolgreich in der Prignitzer Kreismeisterschaft. Heute ist er stolz auf seinen Enkel Tarek Wendrock, der in diesem Jahr zum zweiten Mal Kreismeister der Prignitzer Gespannfahrer werden konnte. „Ich hab ihn ja auch immer mitgeschleppt“, erklärt der Opa die Entwicklung. Aber ganz ohne Leinen geht es nicht. Nach wie vor spannt Gerhard Röseler seine Füchse an. Dann kutschiert er Hochzeitspaare, macht Kremserfahrten oder genießt einfach nur die schöne Prignitzer Landschaft vom Kutschbock aus.

Von Christine Pantel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg