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Ein Refugium für bedrohte Tiere

Umweltservice modelliert bei Wittenberge Dünen mit Abbruchkanten Ein Refugium für bedrohte Tiere

Was Laien wie planloses Umgraben vorkommen mag, haben Experten genau geplant. Sie wollen in eine Fläche bei Wittenberge wieder Leben reinbringen. Im ersten Abschnitt hat sich bereits der Baumbestand selbstständig vermehrt, die ersten geschützten Vogelarten sind auch schon da.

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Marco Wolschendorf (r.) beobachtet, wie Peter Gruhn mit dem Bagger einen Graben zum Karthaner See anlegt.

Quelle: Andreas König

Wittenberge. Mancher Anwohner regt sich über die „Mondlandschaft“ auf, die vor den Toren Wittenberges entsteht. Freilich sah die Grünlandfläche vorher ordentlicher aus. Doch was dem Laien wie ein planloses Umgraben des Geländes vorkommen mag, haben die Experten genau geplant. Peter Gruhn vom gleichnamigen Umweltservice und sein freiberuflicher Mitarbeiter Marco Wolschendorf wollen in die Fläche wieder Leben reinbringen. Das haben sie in einem ersten Abschnitt bereits erfolgreich getan, wenn auch der niedrige Wasserstand der Karthane und der Elbe nicht alle Blütenträume reifen ließ. „Aber in dem Bereich hat die Naturverjüngung, also die selbstständige Vermehrung des Baumbestandes, so gut geklappt, dass sich bereits die ersten geschützten Vögel einfinden“, berichtet Peter Gruhn.

Vielfältiges Leben

Die Flussaue an der Elbe und ihren Nebenflüssen bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.

Am Karthaner See heimisch ist bereits der Eisvogel und der Austernfischer. Hinzukommen soll auch noch die Uferschwalbe.

Als Pionierpflanzen kommen Schwarzpappel und Weide. Auf der ersten Fläche, die Peter Gruhn und sein Kollege anlegten, haben viele dieser Bäume Wurzeln geschlagen.

Nach einiger Zeit folgen Harthölzer, wie die Eiche. akö

Der Eisvogel hat sich im Frühjahr bereits dort getummelt und auch der Austernfischer. Beides sind streng geschützte Arten, die einen intakten Lebensraum brauchen. Genau darum geht es bei dem Projekt. „Früher gab es entlang der Elbe zahlreiche Auwälder“, erklärt Peter Gruhn. Der ständige Wechsel der Wasserstände hat einer artenreichen Flora und Fauna Heimat geboten. Die Fläche am Karthanehafen gegenüber dem Elbeport wurde lange nur landwirtschaftlich genutzt. Bei Hochwasser ist sie zwar stets überflutet gewesen, doch außer Grünland gedieh dort lange Zeit nichts, was man im ökologischen Sinne als wertvoll bezeichnen könnte.

Das brandenburgische Landesumweltamt möchte mit diesem Ausgleichsvorhaben die Entnahme vom rund 18 000 Kubikmetern Kies ausgleichen, die für den Deichbau notwendig waren.

Schon vor der verheerenden Elbeflut im Jahr 2013 hatte es Pläne gegeben, in dem Gebiet wieder auwaldähnliche Strukturen zu schaffen. 6800 Bäume waren gepflanzt worden. Doch dann kam die Flut und nahm den jungen Bäumen im wahrsten Sinne des Wortes die Luft zum Atmen.

Zwar gab es eine Ausgleichsmaßnahme, bei der Obstbäume entlang der Straße von Hinzdorf nach Garsedow gepflanzt wurden, doch das konnte natürlich die Opfer des große Baumsterbens nicht ersetzen.

Peter Gruhn vor einem Stubbenhaufen

Peter Gruhn vor einem Stubbenhaufen.

Quelle: Andreas König

Nun lautet die Devise eher Klasse statt Masse. Wenn die Bedingungen stimmen, siedeln sich viele Arten an, die bereits verloren geglaubt waren. Dazu gehört unter anderem die Uferschwalbe. In und um Rühstädt ist sei bereits wieder heimisch geworden, und auch am Karthanehafen sollen die kühnen Segler bald wieder ihre Kreise ziehen. Voraussetzung dafür sind sogenannte Abbruchkanten, wie sie an Böschungen immer mal wieder auftreten. Peter Gruhn und Marco Wolschendorf helfen mit dem Bagger nach. Damit das Gelände einen regelmäßigen Wasser-Zu- und Abfluss bekommt, schließen sie Gräben an, die wie Seitenarme der Karthane wirken. Um mehr Vielfalt in das Gelände zu bekommen, wird der Boden gezielt aufgegraben. „Bodenverwundung“ nennen das die Fachleute. Das schafft Raum für Schwarzpappel und Weide. Die wiederum sind die Vorboten für Harthölzer, wie die Stieleiche. Jahrhundertelang war das einer der prägenden Bäume in der Elbtalaue.

Von Andreas König

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