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Ein bisschen Wehmut beim Abschied

Pfarrerin Ina Piatkowski verlässt Pritzwalk Ein bisschen Wehmut beim Abschied

Nach nur einem Jahr verlässt Pfarrerin Ina Piatkowski Pritzwalk wieder – sie folgt ihrem Lebensgefährten nach Guben. Die 36-Jährige nimmt aber viele positive Erinnerungen aus der Prignitz mit. Vor allem die Arbeit mit dem neuen Eltern-Kind-Zentrum hat es ihr angetan.

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Pfarrerin Ina Piatkowski hat versucht, die Gehörlosen in die Gemeindearbeit mit Hilfe der Gebärdensprache einzubeziehen.

Quelle: Bernd Atzenroth

Pritzwalk. Ina Piatkowski hat bereits vor Wochen alle ihre Sachen gepackt und an ihren neuen Wohnort transportieren lassen. Bis zum 31. Dezember bleibt sie den Pritzwalkern aber noch als Pfarrerin erhalten. Die Umzugsaktion hat sie vorgezogen, weil über die Feiertage noch viel Arbeit anstand – eine Erfahrung aus dem Vorjahr, als sie ihren Umzug in die Prignitz genau währenddessen organisieren musste.

Der Abschied also ist unwiderruflich. Auch wenn sie einen guten Grund hat zu gehen, so tut sie es doch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich werde auf jeden Fall an die Menschen denken und die Kontakte mitnehmen“, sagt Ina Piatkowski, die nach nur einem Jahr als Entsendungspfarrerin die Stadt an der Dömnitz wieder verlässt. Wie bereits berichtet, wird sie ihrem Lebensgefährten nach Guben folgen. Beide werden dort als Pfarrer arbeiten. Doch so sehr sie sich auf die gemeinsame Zukunft mit ihrem Partner freut, so erfasst sie auch ein wenig Wehmut, denn in dem einen Jahr hat sie viele schöne Erfahrungen gemacht: „Faszinierend ist hier, dass die Menschen in der Gemeinde etwas wollen und dann einfach machen.“ Dieses Engagement zeige sich etwa bei der Sanierung der St.-Nikolai-Kirche, die ab nächstem Jahr ansteht.

Eltern-Kind-Zentrum zieht Menschen an

Ganz besonders strich Ina Piatkowski die Arbeit im und mit dem Eltern-Kind-Zentrum (Ekidz) der Kirchengemeinde heraus, das vor knapp einem halben Jahr erst eröffnet wurde. Das Zusammenwirken mit dem Ekidz-Team war offenbar besonders inspirierend. „Kinder sind willkommen in der Gemeinde“, sagt sie. Die Pfarrerin freut sich darüber, dass sich jetzt eine Krippenspielgruppe gebildet hatte, die sie selbst geleitet hat. Auch die Eltern wurden dazu motiviert, so dass jede Rolle besetzt werden konnte. Das Ergebnis war an Heiligabend in der Nikolai-Kirche zu bewundern. Erstaunlicherweise zieht das Ekidz gerade nicht konfessionell gebundene Menschen an, „weil sie einfach einen Treffpunkt suchen“, sagt Ina Piatkowski.

Zehn Prozent ihrer Arbeitsstelle waren der Gehörlosen-Seelsorge gewidmet. „Ich weiß noch nicht, wie es da weitergeht“, bekannte die 36-Jährige. Im Zwei-Monats-Rhythmus organisierte sie Gehörlosen-Gottesdienste, ganz nach den Wünschen der Klientel. Dabei kommt es den zumeist älteren Menschen weniger auf den Gottesdienst an als vielmehr auf die Gelegenheit, gemeinsam zu gebärden. Ina Piatkowski muss aber zugeben, dass es schwieriger war, als sie selbst gehofft hatte, die Gehörlosenarbeit in den Alltag zu integrieren: „Wenn ich noch mal am Anfangspunkt im ersten Entsendungsjahr stünde mit den Erfahrungen, die ich jetzt habe, müsste ich sagen, dass es eigentlich nicht möglich ist.“ Denn in und um Pritz­walk war weit mehr zu regeln und anzugehen, wofür es auch eines längeren Zeitraumes bedurft hätte. So hätte sie sich gerne schon intensiver um die Orte außerhalb Pritzwalks gekümmert, die zum Pfarrsprengel gehören. „Eine intensivere Beziehung hatte ich zur Gemeinde Schönhagen-Steffenshagen, aber das ging auch von dort aus.“ In Kuhsdorf hätte sie gerne mehr gemacht, zumal dort viele jüngere Leute der Gemeinde angehören. „Über einen längeren Zeitraum hätte das schon geklappt. Aber man kann eben nicht alles gleichzeitig machen – diese Erfahrung nehme ich auch mit.“

Nachfolge vorerst provisorisch geregelt

Ein Thema, das die Pfarrerin im ersten Berufsjahr stark beschäftigte, war die Flüchtlingsproblematik. In verschiedener Hinsicht: Bereits im Mai hatten Neonazis eine „Mahnwache gegen diese Asylpolitik“ organisiert – gleichzeitig hatte die Kirchengemeinde zum Friedensgebet aufgerufen und sich dabei mit der Stadt zusammengetan. Ähnlich war es jüngst bei den Veranstaltungen, die aus dem Umfeld der AfD heraus organisiert wurden.

Zum anderen hatte es auch eine gemeinsame Runde mit Vertretern der Stadt zum Umgang mit Flüchtlingen gegeben. Dabei sei das Thema sehr vorsichtig diskutiert worden. „Es müsste schon eine Struktur dafür da sein“, findet sie. Das Ekidz werde sich schon öffnen, um Ansprechpartner zu sein. So sind Sachspenden für die Flüchtlinge in Groß Langerwisch organisiert und dorthin gebracht worden. Allerdings könnte nicht alles auf den Schultern der Kirchengemeinde lasten, dafür hat diese nicht genug Kapazitäten.

Zu den Erfolgsgeschichten im abgelaufenen Jahr gehört ein Ehrenamtsprojekt. Denn dabei wurden immerhin drei Ehrenamtler rekrutiert, die nach Plan dafür sorgen, dass man die Kirche regelmäßig offenhalten kann. Nachfolgeregelungen sind übrigens getroffen worden für den Religionsunterricht, den bislang Ina Piatkowski gehalten hatte, sowie für die Betreuung der Konfirmandengruppe, die jetzt Christian Gogoll übernimmt. „Ich finde es gut, dass ich weggehe und es bricht nicht alles ab, sondern es machen andere weiter“, freut sich In Piatkowski.

Wie es mit der weiteren Besetzung der Pfarrstellen im Pfarrsprengel Pritzwalk weitergeht, ist aber noch ungewiss – vor allem vor dem Hintergrund, dass auch Pfarrer Volker Sparre bald nicht mehr zur Verfügung steht: Der frühere Superintendent geht 2016 in Ruhestand. Daher ist Ina Piatkowskis Stelle bereits jetzt ausgeschrieben. „Unattraktiv ist sie nicht. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht, hier zu arbeiten“, betont sie und nennt nochmal das Ekidz und die Kirchensanierung sowie die Tatsache, dass man hier ein Team hat, als Vorteile. Und: die Aussicht, dass ein weiterer junger Kollege hier arbeitet. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wieder Entsendungspfarrer an die Dömnitz kommen.

Von Bernd Atzenroth

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