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Einblicke in die Vergangenheit

Bronzezeit-Siedlung bei Ausgrabungen im Falkenhagener Gewerbegebiet entdeckt Einblicke in die Vergangenheit

Bei Bauarbeiten für ein neues Umspannwerk im Gewerbepark von Falkenhagen machten Archäologen eine sensationelle Entdeckung. Mehr als 300 Siedlungsgruben aus der Bronzezeit konnten die Forscher bisher auf der rund einen Hektar großen Baustelle freilegen und dokumentieren.

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Die Grabungsleiterin trägt mit dem Bagger vorsichtig die oberen Bodenschichten ab.

Falkenhagen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Gewerbegebiet unweit von Falkenhagen prächtig entwickelt. Viele Firmen haben sich seitdem dort angesiedelt. Und es wird immer noch weiter gebaut. Aktuell entsteht ganz am Rande des weitläufigen Gewerbegebiets auf einem Feld gegenüber des alten Umspannwerkes der Edis ein neues, noch größeres Umspannwerk. Dies ist notwendig, denn in der Region wird immer mehr Wind-Strom produziert. Doch bevor auf der rund einen Hektar großen Baustelle Neues entstehen kann, treten Archäologen auf den Plan, um noch erhaltene Spuren der Vergangenheit aufzudecken und zu dokumentieren.

Dass sie fündig werden, war den Archäologen aus Berlin schon im Vorfeld klar, denn genau an der Stelle, wo sie sich nun seit gut sechs Wochen Schicht für Schicht in die Tiefe graben, fanden Bauern vor einigen Jahrzehnten eine Trogmühle. So nennt man einen großen tief ausgehöhlten Stein, auf dem die Menschen in den vergangenen Jahrtausenden ihr Getreide zu Mehl verarbeiteten.

Bei den Fachleuten des Landesamtes für Bodendenkmalpflege ist die Stelle seit dieser Entdeckung als Fundplatz 9 von Falkenhagen verzeichnet. Noch bevor im Sommer die Bagger anrückten, legte das Team von Grabungsleiterin Jasmin Rüdiger auf der gesamten Baufläche probehalber mehrere sogenannte Sondagelöcher an und wurde sofort fündig. „Wir entdeckten bronzezeitliche und auch slawische Keramikreste“, berichtet die in Dortmund lebende Jasmin Rüdiger.

Als dann im Juli auf der Baustelle der Mutterboden mit Baggern großflächig abgetragen wurde, waren die Archäologen natürlich wieder zur Stelle und beobachteten aufmerksam jeden Arbeitsschritt. Vom ersten Tag an kamen Erdverfärbungen zu Tage, die sich bei näherer Betrachtung als Siedlungsgruben entpuppten, in denen sich auch wieder die für die Bronzezeit typische, sehr rauwandige Keramik befand. Dabei kann es sich beispielsweise um Vorratsgruben handeln. Einige Feuerstellen entdeckten die Berliner Archäologen auch. „Wir entnahmen Proben von den Holzkohlestücken, um deren Alter im Labor bestimmen zu lassen.“ Trotz aller bisher gewonnenen Erkenntnisse bleiben viele Fragen für die Fachleute weiterhin offen. Sicher ist, dass die bisher entdeckten Befunde einen eindeutigen Siedlungscharakter tragen.

Mehr herauszufinden, daran arbeitet das Team von Grabungsleiterin Jasmin Rüdiger fast täglich. Nach fast zweistündiger Fahrt aus Berlin beginnen sie spätestens morgens um 8 Uhr mit ihrer Arbeit. Fließbandartig legen sie nach kurzer Besprechung und Einteilung der anfallenden Arbeiten eine Grube nach der anderen frei. Dabei ist mitunter viel Muskelkraft gefragt, denn nicht immer wird mit Pinsel und Kelle gearbeitet, sondern oft auch mit Schippe und Spaten.

Wenn der Baggerfahrer aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, setzt sich auch schon mal die 33-jährige Grabungsleiterin selbst ans Steuer des Baggers und zeigt selbst mit dieser schweren Technik das nötige Fingerspitzengefühl beim Abziehen der oberen Erdschichten. Dabei stehen ihr Katrin Misterek und die aus Griechenland stammende Phoebe Zografou mit der Schippe in der Hand zur Seite. Sie beobachten die Baggerschaufel und geben Handzeichen, wenn mal wieder eine neue Grube zu Tage kommt. Dann wird erst einmal geschippt, dann gepinselt und später alles fotografisch dokumentiert.

Ein eingespieltes Team sind auch die beiden Polinnen Wioleta Hypiak und Katja Piotrowska. Die beiden kennen sich schon vom gemeinsamen Archäologiestudium in Krakau. Nach Jahren trafen sie sich nun zufällig bei der Grabung in Falkenhagen wieder. Jeder Handgriff sitzt auch bei Eva Uihlein. Die 23-Jährige absolviert derzeit ein Praktikum für ihr Studium als Grabungstechnikerin. Meistens arbeitet sie mit dem 29-jährigen Italiener Simone Mulattieri zusammen.

Inzwischen ist die Zahl der entdeckten Gruben auf mehr als 300 angestiegen und es kommen immer mehr hinzu. In einigen kamen große Feldsteine zu Tage, deren Funktion sich die Fachleute bis jetzt auch nicht erklären können. Wie lange die Archäologen noch in Falkenhagen zu tun haben, wissen sie nicht. „Das Gelände ist sehr schwierig, weil es so wellig und uneben ist. Außerdem wechseln sich ständig schwere Lehmböden mit feinem Sand ab“, berichtet Jasmin Rüdiger.

Das Wetter muss schließlich dabei auch mitspielen. Der Herbst steht vor der Tür, und wenn es viel regnet, ist der Lehmboden tagelang matschig, was die Arbeiten dann erschwert und verzögert.

Von André Reichel

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