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Prignitz Eine Karnevalshochburg dank KGB
Lokales Prignitz Eine Karnevalshochburg dank KGB
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13:16 27.02.2017
Die Mini-Funken sind immer herzallerliebst anzusehen. Quelle: Jens Wegner
Berge

Das kleine Dörfchen Berge ist eine Hochburg der guten Laune im Nordwesten Brandenburgs. Schuld ist die KGB – die Karnevals Gesellschaft Berge, die seit 1967 – mit einer Unterbrechung von 1976 bis 1987 – für närrisches Treiben in der Prignitz sorgt.

„Die Gesellschaft KGB zu nennen, war ein Vorschlag von Frank Behn”, erzählte Vereinsmitglied Petra Maaß. Warum, ist nicht überliefert. „Frank Behn war einer der Piloten, die durch das Dorf gegangen sind und die Frauen gefragt haben, ob wir wieder Karneval machen wollen.

Der erste Tanz war Viva la Mexico”, erinnerte sie sich. Kostüme konnte man damals nicht so einfach kaufen, berichtete sie. Also wurde eine große rote Arbeiterfahnen gekauft und zu Kleidern vernäht. Gardinen wurde gefärbt und als Tüll verarbeitet. Einmal pro Woche traf man sich zum Nähen und Proben.

Stepptanz des Männerballetts. Quelle: Jens Wegner

Seit 1989 gibt es jährlich öffentliche Veranstaltungen, die sich von Anfang an großer Beliebtheit erfreuten. Die rund 90 Mitglieder haben den Ehrgeiz, jedes Jahr ein neues Programm auf die Beine zu stellen. Prinzenpaar, Elferrat, Sketche, Tänze, Bütten, schöne Frauen, fetzige Musik – all das gehört dazu. Und Nachwuchsprobleme gibt es nicht.

„Vor vier Jahren machten wir uns auf die Suche nach einem zweiten Auftrittsort in der Prignitz und konnten den Deutschen Kaiser in Perleberg unter Steve Hausmann gewinnen”, sagte Vereinsmitglied Nicole Ullmann, die schon viele Jahre lang dabei ist. Es koste in der Stadt zwar mehr Arbeit, die Leute zu begeistern als auf dem Lande, aber es spricht sich immer mehr rum, dass die KGB im „Kaisersaal“ jedes Jahr eine tolle Show abliefert.

Nach dem Karneval ist vor dem Karneval

Vier bis sechs Wochen nach der letzen Veranstaltung ist erstmal Ruhe. „Dann müssen wir uns erstmal vom Karneval erholen”, so Ullmann. Danach gibt es eine Mitgliederversammlung, auf der schon Ideen für die nächste Saison gesammelt erden. Auf der Mitgliederversammlung im Oktober oder Anfang November bringen die Gruppen vor, was sie sich in Zwischenzeit noch alles ausgedacht haben. Dann sind noch mal zwei Monate Zeit für die Proben bis zum ersten Auftritt.

Die KGB nimmt Aufstellung – hier im Hotel Deutscher Kaiser in Perleberg. Quelle: Jens Wegner

„Der Saal wird geschmückt und dann gucken wir, wie alles zusammenpasst. Gibt es Höhepunkte? Wie sind die verteilt. Flacht das Programm nach hinten etwa ab? Oft denken wir drei Wochen vorher, dass das im Leben nichts mehr wird. Aber dann funktioniert es doch immer, und wir sind am Ende froh”, erzählt sie.

Das Prinzenpaar bestand früher stets aus zwei Bergern, die im wahren Leben kein Paar waren. Es wurde aber immer schwieriger, Leute zu finden. Kussfreiheit mag nicht jeder. Also wurden auch echte Paare genommen. Dieses Jahr bildeten Diana Wolgast und Thomas Scherfke das Prinzenpaar.

„Vor vier Jahren war ich selbst schwanger und habe noch im neunten Monat mitgetanzt, wie viele unserer Frauen”, berichtete Nicole Ullmann. Ihre Tochter, die kleine Frieda, wurde 2012 geboren und ist heute mit vier Jahren das jüngste Mitglied bei den Mini-Funken. 21 Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren sind in dieser Gruppe.

Funkengarde besteht aus zwölf Mädchen

Die Funkengarde setzt sich aus zwölf Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren zusammen, darunter auch mittlerweile einige Perleberger. „Die sind so toll”, schwärmt sie. „Sie trainieren zweimal pro Woche ganz allein unter der Leitung von Pauline Ullmann (18). Da sind wir alle ziemlich stolz drauf.” Den Mariechentanz habe sie allein geprobt – ohne Tanztrainer. Vater Dirk Ullman führt übrigens seit 1995 durch das Programm.

Oben auf der Bühne sitzt der Elferrat – zehn Männer der Gemeinde nebst dem Präsidenten. „Mit Büttenreden tun wir uns eher schwer”, bedauerte Nicole Ullmann. Es sei schwierig, dafür jemanden zu finden. „Die Leute wollen Party machen und der Redner quält sich dann.” Aber auch hier verjüngt Pauline mit ihren Ideen die komödiantischen Einlagen und Hubert Schmidt mit seine Frau Sonja und Gudrun Springer sorgen mit ihren Sketchen immer für großen Jubel. „Aber ohne unsere Männer und Frauen im Hintergrund, wie unserem DJ Jörg Weiß, unserer Saalpolizei, der Regie unter Susanne Scherfke, der Beleuchter und der Männer und Frauen am Einlass könnte keiner von uns Darstellern auf der Bühne Applaus ernten”, sagte Nicole Ullmann.

Zwischen Aschermittwoch und dem 11.11. floriert das Vereinsleben nicht minder. Die einzelnen KGB-Gruppen werden für viele Auftritte gebucht, wie etwa beim Rock im Moor in Boberow. Ausflüge wie Kremserfahrten nach Blüthen, nach Hamburg zur Frauentagsfeier oder eine Dampferfahrt auf dem Plauer See gehören dazu. „Gerade im letzten Jahr haben wir das wieder mehr belebt, weil wir gemerkt haben, dass wir das brauchen. Sowas schweißt zusammen”, sagte Nicole Ullmann. Dieses Jahr wollen die Frauen beim Avon-Frauenlauf in Berlin mitmachen.

Schon die Kleinen sind ganz groß dabei. Quelle: Jens Wegner

Zur Karnevalsfreundschaft mit dem Karnevalsverein Valberg im Sauerland kamen die Berger über Facebook und durch ein Missverständnis. Die Valberter dachten, es handle sich um den Ort Berge, der bei ihnen um die Ecke liegt – und wollten sich zu einem Auftritt einladen. Dennoch – die Valberter kamen zum Präsidententreffen 2016 ins 500 Kilometer entfernte Berge – und die Berger fuhren im Sommer zu einem Workshop hin. Es entwickelten sich viele Freundschaften.

Natürlich kommt es manchmal auch vor, dass jemand schlecht gelaunt zum Auftritt erscheint. „Aber wenn man umgezogen ist, ist man in eine andere Rolle geschlüpft. Seinen Frust lässt man an der Garderobentür und lacht wieder”, beschrieb es Petra Maaß.

Zum Ritual ist es im Verein geworden, dass vor dem Auftritt belegte Brötchen geschmiert werden. Vor dem Auftritt sind alle so aufgeregt, dass niemand etwas essen kann. Hinterher ist der Appetit aber umso größer”, sagt Nicole Ullmann.

Jährliches Präsidententreffen

„Das jährlich stattfindende Präsidententreffen wurde in unserem Verein erfunden”, erzählte sie weiter. Petra Maaß, die damals noch Thestorf hieß, hatte die Idee dazu. Sie fand es schade, dass man Auftritte von anderen Vereinen nicht sehen kann, da sie zur gleichen Zeit auftreten.

Die Präsidenten sitzen vorher zusammen und beschließen, wo es stattfindet soll. Mal hat ein Verein ein Jubiläum oder es gibt einen anderen Grund. „Dieses Jahr ist Lenzen dran, vergangenes Jahr waren wir es.” Zehn Vereine von Barrenthin im Süden bis Berge in Norden der Prignitz führen je zwei Programmpunkte auf. Außerdem wird eine Chronik von Treffen zu Treffen weitergereicht.

Die Karnevals Gesellschaft Berge unter Präsidentschaft von Manuel Schlegel ist erreichbar unter Telefon 038785/6 02 87. Im Internet kann man sie unter www.karneval-berge.de besuchen.

Von Jens Wegner

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