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Prignitz Einem Perleberger Mythos nachgespürt
Lokales Prignitz Einem Perleberger Mythos nachgespürt
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00:18 13.02.2016
Jens Nering hat der Geschichte des verlorenen Ortes Dobberzin nachgespürt. Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

Wohl in jeder Stadtgeschichte tauchen Bezeichnungen auf, die wie Irrlichter durch die uralte Karten und Urkunde geistern, von denen aber niemand mehr zu sagen weiß, wofür sie einmal gestanden haben mögen. Und weil man so wenig über sie weiß, kommen Zweifel auf, ob sie überhaupt für etwas stehen.

In Perleberg gilt dies für die Bezeichnung Dobberzin. „Das ist wie der Mythos eines längst verschwundenen Ortes für die Perleberger“, berichtet Jens Nering, der sich als leidenschaftlicher Historiker mit der Geschichte seiner Stadt befasst. Und ihm ist es tatsächlich gelungen die spärlichen Hinweise der Chroniken zu einem aufschlussreichen Bild zusammenzufügen.

Hinweise auf Dobberzin finden sich schon in den ältesten Karten und Plänen. Zu den wichtigsten Dokumenten über das mittelalterliche Perleberg zählt der Stich von Merian aus dem Jahre 1652. Er gibt ein getreues Bild auf die Stadt mit ihren Kirchen, Gebäuden und der sie einschließenden Stadtmauer. Drei große Stadttore sind zu erkennen, das Wittenberger, das Parchimer und das Dobberziner, als das größte und prunkvollste. Jens Nering verweist auf eine klare Zuordnung. Von „Wittenberger Thor“ führte der Handelsweg westlich aus Perleberg hinaus in Richtung Wittenberge, vom „Parchimer Thor“ ging es nordwärts nach Parchim und weiter nach Hamburg. Für Jens Nering ist es naheliegen zu fragen: Führte das „Dobberziner Thor“ etwa nach Dobberzin?. „Ein solches Tor führte sicherlich nicht ins Nirgendwo.“

Die Bezeichnung in dem Stich von Merian nimmt Jens Nering als Indiz, dass es im Westen von Perleberg einen Ort gegeben haben muss. Aber wo?

Zwischen Perleberg und Bad Wilsnack befindet sich noch heute in einem Wald die Flurbezeichnungen Räuberkrug. In den 1930er Jahren führte die Archäologin Waldtraut Bohm Grabungen durch und wurde dabei fündig. Siedlungsreste und Reste von Feuerstellen kamen zum Vorschein. Vielen schienen damit das Rätsel um den verschwundenen Ort gelöst. Jens Nering hat diese Ansicht jedoch widerlegt. „Dort mögen ein Gehöft und ein Brunnen bestanden haben, aber viel mehr auch nicht.“ Auf dem Weg nach Bad Wilsnack legten dort im 14. Jahrhundert wohl Pilger eine Rast ein.

Jens Nering vertiefte sich weiter in alte Stadtansichten. In einem weiteren Plan – dem Beer-Plan von 1726 – entdeckte er ein Gebäude mit einem Giebel, wie ihn auch Kirchen tragen. Darüber stand handschriftliche vermerkt: „entfernte Clausura.“ Bei einem Vergleich mit dem Merian-Stich von 1652 stieß Jens Nering ebenfalls auf die „entfernte Clausura“ aber mit einer kleinen Spitze. Das merkwürdige Gebäude hatte also 74 Jahre zuvor einen Turm besessen. „Da hat eine Kirche gestanden“, befand Jens Nering. Nur wieso stand sie unweit des „Dobberziner Thores“ außerhalb der Stadtmauer?

Es handelte sich um die Gertraubenkapelle, die sich nachweislich an der Bad Wilsnacker Straße in Perleberg befand, wo heute ein Christliches Gemeinschaftshaus besteht. Jens Nering schlussfolgerte: Wenn dort eine Kirche existierte, dann könnte dort auch ein Ort gewesen sein. Nicht weit von der Kirche wurde 1931 ein so genanter Bombentopf mit Opfergaben gefunden. Die Archäologen datierten in die Zeit der Gründung Perlebergs, die vor der Ersterwähnung 1239 erfolgte.

Für Jens Nering fügte sich an dieser Stelle das Puzzle zusammen. Dobberzin ist ein Parallelort von Perleberg gewesen – etwa zeitgleich entstanden. Perleberg besaß allerdings einen großen strategischen Vorteil – die Siedlung lag auf einer von den Armen der Stepenitz umflossenen Insel. Als das Raubrittenwesen um sich griff und eine Stadtbefestigung unumgänglich wurde, bot Perleberg die weitaus günstigeren Bedingungen für die Verteidigung einer Stadt. Während Perleberg dank seiner Insellage florierte, blieb die Entwicklung für Dobberzin stehen. In dem Beer-Plan von 1726 ist die Besiedlung vor den Toren Perlebergs eingetragen. Sie hatte bereits die Bedeutung eines eigenständigen Ortes verloren. Im Plan heißt sie nur noch „Dobberzinsche Vorstadt.“

Hinweis: In seinem Buch „Perleberg zwischen gestern und heute“ stellt Jens Nering seine Geschichtsforschungen dar.

Von Michael Beeskow

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