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Eingelagert für die Ewigkeit

Prignitzer Kreisarchiv Eingelagert für die Ewigkeit

Unaufhaltsam strömen die Akten ins Kreisarchiv der Prignitz. Alle Vorgänge in der Kreisverwaltung werden hier aufgehoben _ zumindest bis bestimmte Fristen abgelaufen sind. Vieles wird jedoch im Endlager auch für die Ewigkeit aufbewahrt. Per Mausklick können die Mitarbeiter in dem hochmodernen Archiv auf 450 000 Akten sofort zugreifen.

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Cordula Benzin zeigt eine Karte der Einwohnermeldekartei.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Es sind schon gewaltige Mengen an beschriebenem Papier, die in Verwaltungen zirkulieren. Nicht nur heute, sondern auch in früheren Zeiten war das schon so. Doch letztendlich strömt fast alles im Kreisarchiv zusammen. Die Bezeichnung Gedächtnis des Kreises trifft wohl am besten auf die Bestände zu, die jetzt in modernen Gebäuden an der Wittenberger Chaussee in Perleberg lagern.

Beim Rundgang wurde auch die archivierte MAZ im Regal gefunden

Beim Rundgang wurde auch die archivierte MAZ im Regal gefunden.

Quelle: Beeskow

Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses verschafften sich am Dienstag eine Vorstellung vom Innenleben des Archivs, dessen Arbeitsweise und auch über Projekte, die dort laufen. Unaufhörlich fließen neue Aktenbestände ins Archiv, wie dessen Leiterin Cordula Benzin ausführte. Allein in diesem Jahr übernahmen die fünf Mitarbeiter 3700 Akten aus der Kreisverwaltung. Zunächst wandern sie ins Zwischenarchiv. „Es gibt bestimmte Fristen, wie lange eine Akte aufbewahrt werden muss.“ Die Dauer hängt von der Art der Akte ab. Personalakten zum Beispiel werden 80 Jahre eingelagert. „Aber es wird hier auch viel geschreddert“, berichtet Cordula Benzin. Denn letztlich gelangen nur 20 Prozent der Akten ins Endlager. „Wo sie für die Ewigkeit aufbewahrt werden.“ So lagern dort auch Zeitungen, wie die Ausgaben der Märkischen Allgemeinen“. Nur Zeitungspapier ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Das nach dem Umbau im Vorjahr völlig neu gestaltete Endarchiv verfügt daher über eine imposante Klimaanlage. Sie sorgt für eine Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent und eine Temperatur zwischen 13 und 18 Grad. Unter diesen Bedingungen wird auch das Zeitungspapier nicht bis zur Ewigkeit durchhalten, aber doch noch für eine sehr lange Zeit.

Zu den Beständen

Verwaltungsvorgänge, aber auch Zeugnisse der Regional- und Ortsgeschichte, bewahrt das Kreisarchiv auf, das sich in der Wittenberger Straße 45b befindet. Dazu gerhören die Bestände des Kreises Westprignitz, der beiden Altkreise Pritzwalk und Perleberg von 1952 bis 1990, das Standesamts-Register ab 1874, die Kreismeldekartei von 1955 bis 1990.

Für Anfragen befindet sich auch das Archivgut der Ämter Putlitz-Berge und Meyenburg sowie der Gemeinden Groß Pankow und Karstädt im Kreisarchiv.

Die Städte Perleberg, Wittenberge und Pritzwalk verfügen über eigene öffentliche Archive. Die Stadt Lenzen hat ihre Unterlagen dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv übergeben.

Flurkarten befinden sich nicht im Kreisarchiv, dafür aber alle Bodenreformakten. Bauakten sind im Perleberger, Pritzwalker oder Wittenberger Stadtarchiv zu finden. Aufbewahrt werden auch private Nachlässe, Sammlungen von Plakaten und Postkarten. Erstellt werden auch Stammbäume.

Bei einem berechtigten Interesse kann jeder das Archiv nutzen. Anfragen unter

 03876/71 32 93.

Umfangreiche Archivbestände werden derzeit für die Ewigkeit gesichert. Die Meldekarteien der beiden Altkreise Perleberg und Pritzwalk liegen für die Jahre von 1955 bis 1990 komplett vor. In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Lebenshilfe „Wege in Arbeit“ wird jede einzelne Meldekarte digital erfasst. Cordula Benzin lobt die Zuverlässigkeit der beiden Mitarbeiter. Zunächst ist das Projekt auf zwei Jahre begrenzt, fertig werden sie dann aber noch nicht sein.

Es gibt einen weiteren hochmodernen Arbeitsplatz, an dem Akten auf elektronischen Medien gespeichert werden. Einen nicht ganz so einfachen Job hat Beate Beckmann. Bei ihr auf dem Tisch liegen alte Register der Standesämter. Die ältesten reichen bis ins Jahr 1874 zurück. Vor den alten Handschriften kapituliert auch die modernste Technik. Beate Beckmann muss diese entziffern und dann in ihren PC per Hand übertragen. Es geht dabei jedoch um eine Eins-zu-Eins-Übertragung. Auch weil damals nicht jede Handschrift perfekt zu lesen war oder sich Ungenauigkeiten eingeschlichen haben, wurden in diesen Registern häufig Korrekturen eingefügt, etwa, wenn ein gewissenhafter Beamter feststellte, dass Minnchen gar nicht Minnchen heißt, wie auf der Todesurkunde steht, sondern auf den Namen Elisabeth getauft wurde. Auch in solche Ungereimtheiten muss die Archivmitarbeiterin Ordnung bringen.

Altes handschriftliches Standesamts-Register

Altes handschriftliches Standesamts-Register

Quelle: Beeskow

Dank Computertechnik behält Cordula Benzin den Überblick über einen riesigen Archivbestand. „450 000 Akten enthält unser Verzeichnis. Per Mausklick kann ich sofort Auskunft geben, ob das Gesuchte zu finden ist.“ Alle Achtung, meinte Ausschussvorsitzender Gordon Hoffmann (CDU). „Das kann nicht jedes Archiv“, erklärte Cordula Benzin.

Übrigens konnten die Besucher kaum glauben, dass es sich bei dem modernen Gebäude um das umgebaute Wehrkreiskommando handelt. Torsten Diehn (SPD) stellte allerdings im Treppenhaus fest. „Das Geländer habe ich schon mal angefasst. Ich glaube, das war 1980 zur Musterung.“ Das Treppengeländer ist jedoch das einzige Überbleibsel.

Von Michael Beeskow

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