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Prignitz Einst ein richtiges Kinderdorf
Lokales Prignitz Einst ein richtiges Kinderdorf
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00:17 07.08.2016
Krumbecker blättern im Fotoalbum: Johanna und Jürgen Rennert gemeinsam mit Elli Beckerwerth (M.). Quelle: Michael Beeskow
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Krumbeck

„Früher war es anders, es war schöner“, sagt Elli Beckerwerth. Sie lebt gerne in ihrem Krumbeck, aber sie vermisst doch etwas. Am meisten die Kinder. „In Krumbeck gab es so viele Kinder“, erinnert sich die 80-Jährige. „Nach dem Abendbrot liefen wir nach draußen“, berichtet sie. „Hier her, hier her“, wurde gerufen. Völkerball spielten alle, und Mannschaften mussten gebildet werden. Acht, neun Kinder in den Familien waren normal. Auch für Elli Beckerwerth, die später selbst acht Kinder hatte. „Unser Dorf war für seine vielen Kinder bekannt“, sagt die mehrfache Urgroßmutter. „Krumbeck war ein richtiges Kinderdorf.“ Heute sieht sie mal zwei Kinder über die Dorfstraße gehen, und dann wieder niemanden. Mit dem Bus fuhr Elli Beckerwerth nicht in die Schule. „Wir gingen die fünf Kilometer nach Nettelbeck zu Fuß.“ Bei Schnee war das schon sehr schwer.

Gedenktafel für die Opfer des Todesmarsches. Quelle: Beeskow

An die Kriegszeit hat Elli Beckerwerth nur noch eine schwache Erinnerung. Der Todesmarsch mit 6000 KZ-Häftlingen von Sachsenhausen bis zur Ostsee kam auch an Krumbeck vorbei. Sie weiß nur noch, dass die Menschen in einer Scheune an der Straße, in der Stroh war, übernachteten. Später hat sie dann viele Jahre den Gedenkstein gepflegt, der an das schlimme Schicksal der Häftlinge erinnert. Nach dem Kriegsende kamen Flüchtlingsfamilien. Die Krumbecker zogen zusammen, auch die Familie von Elli Beckerwerth zog zu Verwandten, damit in ihrem Haus Flüchtlinge untergebracht werden konnten.

Früher war mehr Leben im Dorf

Und es gibt noch einen zweiten Erinnerungsstein in Krumbeck. Der gemahnt der stalinistische Willkür. Vier 14-, 15-jährige Jungen wurden damals erwischt, wie sie mit einem offenbar weggeworfenen Gewehr spielten. Sie kamen in das nach 1945 von den Sowjets geführte Lager Sachsenhausen. Einer kehrte nicht zurück.

Auch später in den Jahren der DDR war die Dorfstraße stets belebt. „Wenn ich zum Konsum ging, habe ich immer jemanden getroffen und wir haben uns unterhalten.“ Und natürlich stand man auch im Konsum zusammen, der nur ein paar Monate nach der Wende dicht gemacht hat. Die Männer, die in der LPG beschäftigt waren, blieben nach der Arbeit noch an der Schmiede zusammen, wo sie die Traktoren abstellten. „Manchmal waren sie lang nicht zu sehen.“

Jedes Wochenende Tanz

Der Konsum ist verschwunden, auch die Feuerwehr und die Poststelle. Dort befand sich das einzige Telefon im Ort. Und wenn jemand angerufen wurde, dann fuhr der Postbote mit seinem Moped los und holte den Angerufenen.

Elli Beckerwerth wundert sich etwas über die heutige Jugend, die am Wochenende nicht weiß, was sie machen soll. „Wir waren jedes Wochenende zum Tanz“, erzählt sie. Man musste schon überlegen, wohin es gehen sollte: nach Sagast oder nach Putlitz. In der Stadt konnte man sogar wählen, es gab den Tanz für Verheiratete und einen Tanz für Unverheiratete.

Wenn die Baracke sprechen könnte

„Wir haben schön gefeiert“, sagt Elli Beckerwerth. Sie meint damit vor allem die Erntefeste in der DDR-Zeit– jedes Jahr. „Vorneweg zog eine Kapelle.“ Der Ernteumzug führte an jedem Haus des Dorfes vorbei und endete an der Baracke, dem aus Holz errichteten Dorfgemeinschaftshaus. Ein Schwein wurde geschlachtet. „Und es gab noch richtige Musik zum Tanzen.“

Wenn Krumbeck am 24. September seine 725-Jahr-Feier begeht, werden bei den Gesprächen in der Baracke sicher viele Erinnerungen wieder aufleben. Elli Beckerwerth hofft auf ein Wiedersehen mit ihren einstigen Spielgefährtinnen. Und dann sagt sie noch: „Wenn die Baracke erzählen könnte.“

Von Michael Beeskow

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