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Einwohnerzahlen sinken nur langsam

Prognose für Ostprignitz-Ruppin und Prignitz Einwohnerzahlen sinken nur langsam

Das Landesamt für Bauen und Verkehr hat eine neue Prognose zur Entwicklung der Einwohnerzahlen bis 2030 vorgelegt. Danach fällt der Bevölkerungsverlust in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz etwas geringer aus als bisher angenommen. Allerdings enthält die Studie keine Aussage, wie sich der Flüchtlingszustrom auf die Demografie auswirken wird.

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Die geplante Kreisgebietsreform war im September ein Thema bei einer Veranstaltung mit dem Innenminister in Neuruppin.
 

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin.  Für Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde war es nie eine Frage. Er war stets überzeugt, dass es nicht ganz so schlimm kommen wird, wie die Landesregierung in Potsdam es vorhersagt. Golde: „Ich habe immer gesagt, dass Neuruppin nicht unter die Marke von 30 000 Einwohner fällt.“ Die neueste Bevölkerungsprognose für die Zeit bis 2030 scheint ihm Recht zu geben. Demnach bleibt es zwar dabei: Allen Orten im Nordwesten Brandenburgs sagen die Statistiker des Landes vorher, dass sie in den kommenden 15 Jahren deutlich schrumpfen werden. Doch bei nahezu allen Gemeinden mussten die Planer die Zahlen gegenüber ihrer Schätzung vor drei Jahren nach oben korrigieren. Fast überall fällt der vorhergesagte Einwohnerverlust bis 2030 geringer aus, als die Fachleute beim Land es noch vor drei Jahren angenommen hatten. Neuruppin schneidet im Nordwesten Brandenburgs am besten ab.

Prignitz und Ostprignitz-Ruppin erfüllen Kriterium

Vor wenigen Tagen hat das Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) seine neue „Bevölkerungsvorausschätzung“ bis zum Jahr 2030 veröffentlicht. Überraschend dabei: Nach der korrigierten Vorhersage passen die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz plötzlich doch in das Konzept des Innenministeriums zur Kreisgebietsreform. Innenminister Karl-Heinz Schröter hat für Landkreise eine absolute Untergrenze für das Jahr 2030 festgelegt. Demnach müssen die Landkreise in Brandenburg in 15 Jahren wenigstens 150 000 Einwohner haben. Nach der alten Prognose hätte selbst eine Fusion von Ostprignitz-Ruppin und Prignitz nicht ausgereicht, um diese Grenze zu erreichen. Nach der neuen Vorhersage würden die beiden Landkreise gemeinsam im Jahr 2030 ganz knapp über der magischen Grenze des Ministers liegen.

Landrat Ralf Reinhardt in Neuruppin sieht die Zahlen trotzdem mit Skepsis: „Die neue Prognose des LBV ist erfreulich aber nicht aussagekräftig“, sagt er. Die vorhergehende Schätzung basierte auf dem Zensus 2011, sagt Reinhardt. Diese Zahlen seien schon jetzt – nur vier Jahre später – überholt. „Der Betrachtungszeitraumes bis 2030 birgt noch größere Fehlerwahrscheinlichkeiten und –toleranzen“, findet der Landrat. Zusammengefasst: Die Zahlen sind nicht viel wert.

Distanz zu vorgelegter Prognose

Das sehen auch einige Bürgermeister so, etwa der von Lenzen in der Prignitz. Nach der Schätzung des Landes gehören die Stadt Rheinsberg und das Amt Lenzen-Elbtalaue zu den fünf Gemeinden im Land mit dem größten Einwohnerverlust in den nächsten 15 Jahren. Bei Rheinsberg glauben die Statistiker des Landes inzwischen sogar, dass die Gemeinde noch schneller schrumpfen wird als bisher angenommen. Gegenüber 2013 soll Rheinsberg etwa ein Fünftel seiner Einwohner einbüßen. Das Amt Lenzen-Elbtalaue trifft es noch härter. Im äußersten Nordwesten des Landes glauben die Planer an einen Einwohnerverlust von 23,1 Prozent.

Lenzens Bürgermeister Christian Steinkopf geht auf Distanz zu der vorgelegten Prognose. „Da können wir ja gleich aufhören“, wollte man die Zahlen ernst nehmen. Eine solche Prognose bilde doch nur einige Parameter ab, aber eben nicht alle. Die Stadt Lenzen hat zum Beispiel direkt am Rudower See lukrative Baugrundstücke ausgewiesen. Drei davon wurden erst in diesem Jahr an Ehepaare aus Ballungsgebieten außerhalb der Prignitz verkauft. „Die wollen hier bauen, die wollen hierher kommen“, erklärte der Bürgermeister.

Er ist überzeugt, dass in den Ballungsräumen in den nächsten Jahren das Bedürfnis nach Entschleunigung des Lebens wachsen wird und dies zu einem Zuzug in Regionen führt, die nach der Bevölkerungsprognose eigentlich abgeschrieben werden.

Ein Blick in die Dörfer der Elbtal­aue scheint dies zu bestätigen. Es gibt so gut wie keinen Leerstand. Berliner, aber vor allem auch Hamburger und Hannoveraner haben sich in den zurückliegenden Jahren hier angesiedelt, zunächst als Ferien- und Zweitwohnsitz. Daraus soll für so manchen der Altersruhesitz werden. „Das sind Entwicklungen, die nicht direkt zu greifen sind“, sagt er dazu.

„Neuruppin hat so viel zu bieten“

Bei einem Bevölkerungsrückgang von fast einem Viertel sei ja eigentlich alles gefährdet, meint Christian Steinkopf, von der Schule bis hin zur Mehrzweckhalle. Das Gefährliche solcher Prognosen besteht für ihn darin, dass von ihnen ein negatives Signale ausgehe. Lenzen werde aber weiter investieren. Gerade wurde der Gebäudekomplex „Deutsches Haus“ saniert. Die Filzschauwerkstatt, die einen Teil des Gebäudes bezogen hat, floriere wie noch nie. Gelassen betrachtet auch Landrat Torsten Uhe die neuen Zahlen. „Sie sehen etwas positiver für die Prignitz aus. Wir kommen jetzt auf 65 810 Einwohner. Nach der letzten Prognose wären es nur noch 62 250 gewesen.“

Die Auswirkung auf die Kreisgebietsreform hält er für gering. Die Mindesteinwohnerzahl wird auch nach der neuen Prognose für eine Fusion von Ostprignitz-Ruppin und Prignitz nicht erreicht. Da die Einwohnerzahl von 150 000 nur dann greift, wenn die Flächenausdehnung über 5 000 Quadratkilometer liegen würde. Da der mögliche Zusammenschluss beider Kreise nur auf 4 665 Quadratkilometer kommt, steht weiterhin die Regelmindesteinwohnerzahl von 175 000.

 Bürgermeister Jens-Peter Golde sieht die Fontanestadt als klaren Gewinner der Entwicklung. „Neuruppin hat so viel zu bieten, dass es sich lohnt, hier zu leben“, sagt er: „Wir profitieren eindeutig davon, dass die Leute aus den kleineren Gemeinden in die Stadt ziehen.“ Es gebe viele Leute, die in Neuruppin arbeiten oder ihre Kinder dort zur Schule bringen, warum sie also nicht ganz nach Neuruppin ziehen sollten. Im Wohngebiet Sonnenufer hat sich gezeigt: Der Großteil der gut 200 Parzellen ging an Häuslebauer aus Nachbarorten.

Die Statistiker des Landes gehen jetzt davon aus, dass Neuruppin bis 2030 nur noch minimal Einwohner verlieren wird. Nach der aktuellen Prognose leben in 15 Jahren in der Fontanestadt samt Ortsteilen etwa 29 064 Menschen. Jens-Peter Golde glaubt, dass es noch mehr sein werden. Den enormen Zuzug von Flüchtlingen hat das Landesamt in seiner Statistik noch gar nicht berücksichtigt. „Fachleute gehen davon aus, dass nicht mehr als 25 Prozent der Flüchtlinge auf Dauer hier bleiben werden“, räumt der Rathauschef ein. Aber auch das wäre für Neuruppin ein klarer Gewinn.

Von Reyk Grunow und Michael Beeskow

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