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Prignitz Elke Ferner las „Anekdoten aus der DDR“
Lokales Prignitz Elke Ferner las „Anekdoten aus der DDR“
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17:32 21.02.2018
Ahnen- und Heimatforscherin Elke Ferner las in der Pritzwalker Stadtbibliothek aus ihren „Anekdoten aus der DDR". Quelle: Bernd Atzenroth
Pritzwalk

Es war 1981, den damals zweijährigen Dirk plagte eine chronische Bronchitis. Seine Mutter Rosi ging zum Arzt und erhielt eine Bescheinigung, nach der sie für ihren Sohn Bananen besorgen dürfte, und das in einem Zeitraum von drei Wochen. Dass sich dieses ärztliche Rezept zu DDR-Zeiten nicht so leicht einlösen ließ, ahnten die Zuhörer in der Pritzwalker Stadtbibliothek am Donnerstagnachmittag natürlich.

Die Autorin Elke Ferner las ihnen die dazugehörige Geschichte aus ihrem Buch „Anekdoten aus der DDR“ vor. Davon gibt es bislang zwei Bände, ein drittes ist mittlerweile in der Mache, weil der Autorin aus Güritz, einem Ortsteil des mecklenburgischen Eldena unweit von Ludwigslust, immer noch viele kleine Geschichten zugetragen werden, die sie dann aufschreibt.

Von der Archiv- zur Heimatforscherin

Zum Schreiben gekommen ist sie bereits in ganz jungen Jahren. Von Kindheitsbeinen an ist sie Ahnenforscherin gewesen – Elke Ferner hatte dafür ein gutes Motiv, ist sie doch ohne Eltern aufgewachsen. Die heute 62-Jährige wurde darüber auch zur Heimatforscherin.

An vieles kann sie sich selbst gut erinnern, anderes bekommt sie von anderen Menschen, Freunden und Bekannten zugetragen, etwa die Geschichte von den Bananen auf Rezept. „Ich habe selbst schon fast ein Archiv“, sagt sie. An die Auswertung der ganzen Äußerungen geht sie aber auch mit dem Anspruch der Heimatforscherin, die die Erinnerung an eine vergangene Zeit möglichst objektiv der Nachwelt erhalten will: „Gerade bei solchen Erzählungen gleiche ich alles ab – es darf da kein falscher Zungenschlag entstehen.“

An „Haben wir nicht“ erinnerten sich alle

Es geht Elke Ferner um das unverfälschte Bild der Vergangenheit. Weder verklären ihre „Anekdoten aus der DDR“ das Leben im ehemals existierenden zweiten deutschen Staat, noch verteufeln sie es. Der gute Zusammenhalt der Menschen, den sie in dieser Form heute für undenkbar hält, ist ihr genauso eine Geschichte wert, wie die Art und Weise, in der Menschen ihre Ziele erreichten, obwohl sie an manche Güter nur schwer herankamen.

Bei ihrem meist älteren Publikum in Pritzwalk lösten so manche Sätze Erinnerungen aus. „Haben wir nicht“, war eine Antwort, die viele von ihnen damals beim Versuch eines Einkaufs bekamen. Elke Ferner schildert, wie sie selbst sich das Nähen aneignete, weil zum Beispiel Hosen für eines ihrer Kinder nur schwer zu bekommen waren. Im Jahr 1988 war sie selbst Bürgermeisterin und erfuhr so, dass Baugüter deswegen schwer erhältlich waren, weil beim Bau Armeeobjekte Vorrang hatten.

Ein Taxi mit sonderbarem Ziel

Aber sie erzählt auch die Geschichte von Fritz, der mit einer Fuhre Milch in die falsche Richtung fuhr, weil Kinder das Verkehrsschild verdreht hatten, und so beinahe ungewollt zum Republikflüchtling geworden wäre. Erschüttert zeigte sie sich über das Schicksal einer Frau, die in die Fänge der Stasi geraten war: „Wer damit keine Berührung hatte, der hat überhaupt nicht gewusst, dass es das gegeben hat“, sagt sie.

Elke Ferners Geschichte zum Mauerfall geht übrigens so: Am 9. November 1989 erhält ein Taxifahrer in Schwerin einen sonderbaren Anruf: „Ich möchte nach Hamburg, wann kommen Sie endlich?“ Als er das einem anderen Taxifahrer sagt, meint dieser: „Leg doch den Hörer daneben, um diese Zeit will sowieso keiner ein Taxi.“ Beide hatten den Mauerfall einfach gar nicht mitbekommen.

Von Bernd Atzenroth

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