Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Eltern fordern anderen Busverkehr

Groß Pankow Eltern fordern anderen Busverkehr

Seit dem 1. August gilt in der Prignitz ein neues Nahverkehrskonzept. Orte mit weniger als 150 Einwohner werden von Linienbussen nicht mehr angefahren. Es gibt nur noch Schulbusse. Eine Elterninitiative in Groß Pankow kämpft für eine Änderung. Zudem verzweifeln Eltern angesichts langer Fahrzeiten ihrer Kinder.

Voriger Artikel
Einbrecher machen Gegend unsicher
Nächster Artikel
Sanierung der Dömnitzbrücke

Protest in Rolhsldorf gegen den neuen Busverkehr. Yvonne Heimann links neben dem Plakat.

Quelle: Michael Beeskow

Rohlsdorf. Als der Bus mit der Liniennummer 918 Rohlsdorf verlässt hupt er kurz und kraftlos. Am Ortsausgang haben die Einwohner gerade ein Plakat gegen den neuen, ab dem 1. August geltenden Busverkehr in der Prignitz aufgestellt. „Das ist der letzte Bus“, erklärt Norbert Milatz vom Ortsbeirat.

Allein von den 39 Ortschaften in der Gemeinde Groß Pankow verfügen 34 über keine öffentliche Busanbindung mehr. Nach Rohlsdorf kommt nur noch ein Schulbus. „Wir sind total enttäuscht“, sagt Yvonne Heimann, die mit Juliane Thiele und Andrea Radloff in der Gemeinde Groß Pankow eine Elterinitiative gegründet hat. Der Frust ist auf allen Gesichtern zu sehen.

Mehr Unterschriften wären möglich gewesen

Dass Orte wie Rohlsdorf, nur weil sie weniger als 150 Einwohner haben, vom Linienbusverkehr ausgeschlossen werden, bringt die Menschen hier auf. Die drei Frauen haben in wenigen Tagen 2138 Unterschriften gesammelt und sie am 30. Juni Landrat Torsten Uhe übergeben. „Wir wollten kurz vor der Sitzung des Kreistages ein Zeichen setzen, dass man so mit kleinen Orten nicht umgehen kann“, erklärt Yvonne Heimann. Die Enttäuschung sitzt tief, dass auf die mehr als 2000 Unterschriften keinerlei Reaktion erfolgte. „Hätten wir mehr Zeit gehabt, dann wären es weitaus mehr Unterschriften geworden“, ist sich die Initiatorin sicher.

Auch dass der Kreistag so einfach über das Votum der Bürger hinweggegangen ist, bringt viele auf. Norbert Milatz sagt: „Die sind für mich gestorben.“

Vorschlag einfach überhört

Wie Yvonne Heimann berichtete, äußerten sich in der Kreistagssitzung am 30. Juni lediglich zwei Abgeordnete kritisch zum neuen Nahverkehrskonzept des Kreises: Hartmut Winkelmann (Die Linke) und Thomas Schlaffke (AfD). Der AfD-Abgeordnete schlug vor, den Busverkehr der Stadtlinien von Perleberg oder Pritzwalk auf umliegende Orte auszudehnen. So könnte auch Rohlsdorf, das vor den Toren Perlebergs liegt, an den öffentlichen Verkehr Anschluss finden. Doch sein Vorschlag sei überhört worden, berichtet Yvonne Heimann.

Zur Aufstellung des Protestplakats in Rohlsdorf ist neben Thomas Schlaffke auch Nicole Heinig aus Retzin gekommen. Sie ist Gemeindevertreterin für die Linke in Groß Pankow. Wie sie berichtete, gab es von ihrer Gemeinde keine Einwendung gegen das neue Nahverkehrskonzept des Landkreises, als es 2013 zur Stellungnahme auslag. Aber damals sei nicht abzusehen gewesen, dass Orte unter 150 Einwohner vom Linienverkehr abgeschnitten werden. Yvonne Heimann bestätigte dies. Sie sei erst in diesem Frühjahr hellhörig geworden, als es von der Schule hieß, es gebe Veränderungen im Schülerverkehr.

Kleinen Orten wird die Zukunft genommen

Kritik üben die Eltern auch an der Kreisverwaltung. „Es gab eine Runde im Landkreis mit Prignitzbus“, berichtet Yvonne Heimann. Das einzige, was sie zu hören bekam, war, dass die Satzungen eingehalten werden. „Wir wurden abgefertigt.“

Die älteren Menschen in Rohlsdorf wissen jetzt nicht mehr wie sie zum Einkauf und zum Arzt kommen sollen. „Sie büßen ein Stück Freiheit ein. Sie müssen jetzt andere bitten, sie mitzunehmen“, sagt Manfred Schwämmlein. „Der Bus muss nicht jede Stunde fahren, aber an einigen Tagen.“ Auch zehn Asylbewerber sitzen jetzt in Rohlsdorf fest. Für sie gibt es keine Sprachkurse, keine Kita und keine Einkaufsmöglichkeit mehr. „Sie können hier nicht mehr bleiben“, sagt Betreuer Peter Jeske. Auch die Bewohner des nahen Sozialtherapeuthischen Heims in Klein Linde sind abgeschnitten. „Kleinen Orten wird die Zukunft genommen“, sagt Yvonne Heimann. Wegen der zudem längeren Fahrzeiten für Schüler würden die Orte für Familien mit Kindern unattraktiv. „Es muss eine Veränderung geben“, sagte sie. „Deshalb kämpfen wir weiter.“

Von Michael Beeskow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg