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Eltern in Angst und Schrecken

Perleberg Eltern in Angst und Schrecken

Die Suche nach vermissten Jugendlichen auf sozialen Netzwerken hat in den vergangenen Wochen offensichtlich stark zugenommen. Vor allem in der Prignitz reihte sich eine Meldung nach der anderen. Laut Polizei gebe es aber keine Häufung an Vermisstenanzeigen. Es könnte ein Facebook-Spiel Ursache fürs Verschwinden sein. Das ist aber nicht bestätigt.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Perleberg. Immer wieder suchen Eltern oder Angehörige ihre Kinder in den Sozialen Netzwerken. Das ist in den vergangenen Tagen wieder einmal deutlich geworden. Fast jeden Tag gab es einen anderen vermissten Jugendlichen aus der Prignitz, nach dem verzweifelt gefahndet wurde.

Polizeipressesprecherin Dörte Röhrs

Polizeipressesprecherin Dörte Röhrs

Quelle: Peter Geisler

Für die Polizei ist diese Situation nicht immer einfach. In der gesamten Polizeidirektion Nord, die sich von der Prignitz, über Ostprignitz-Ruppin bis nach Oberhavel erstreckt, gab es im vergangenen Jahr 1364 als vermisst gemeldete Personen. Im laufenden Jahr lag die Zahl Mitte November bei 1189. „Ein Großteil davon sind bei uns sogenannte Dauerausreißer, die mehrmals im Jahr oder auch mehrmals in der Woche zum Teil aus Einrichtungen abhauen“, sagt Polizeisprecherin Dörte Röhrs.

Eine spezielle Häufung an Vermisstenfällen nach den Meldungen in den Sozialen Netzwerken gebe es nicht. „Die Erfahrungen aus den vergangenen Vermisstenfällen zeigen, dass es sich bei den Jugendlichen meist um Abendteuerlust als Ursache handelt“, so Dörte Röhrs. Trotzdem wird jede Meldung ernst genommen und verfolgt. Vermutlich haben die aktuellen Fälle ihre Ursache in einer sogenannten „Facebook-Challenge“. Dies kann die Polizei aber nicht bestätigen. Die Aufgabe in den Wettbewerb ist es mindestens 48 Stunden jeglichen Kontakt zu Freunden und zur Familie abzubrechen und unterzutauchen. Besonders bizarr sei dabei, dass die Gesuchten für jeden Suchaufruf ihrer Eltern oder Verwandten auf Facebook entsprechende Punkte bekommen. Auch die Dauer des Verschwindens wird mit Punkten belohnt. Nach wenigen Tagen kehren die Ausreißer oft wieder zurück, als wäre nichts gewesen. Eine Erklärung für ihr Verschwinden geben sie meistens nicht.

Alleingang auf Facebook kann nach hinten losgehen

Für die Jugendlichen ist das nur ein Spiel, doch die Erziehungsberechtigen versetzt das Treiben in Angst und Schrecken, so dass sie Anzeige bei der Polizei erstatten. „Jeder Vermisstenmeldung gehen wir nach, indem wir eine Fahndung nach der Person ausschreiben“, informiert Dörte Röhrs. „Wir schauen nach, wo sich der Vermisste aufhalten könnte und befragen Freunde, Bekannte und Familien, wobei nicht immer alle auskunftsfreudig uns gegenüber sind.“ Bei der Aufnahme der Anzeige wird auch stets gefragt, ob die Betroffenen mit einer öffentliche Suche einverstanden wären. „Viele verzichten zunächst darauf, besonders bei Dauerausreißern. Bei Senioren oder Kindern oder wo eine Straftat vorliegen könnte, ist das aber nicht so“, sagt es von Dörte Röhrs.

Wenn Eltern auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken nach ihren Kindern suchen ist das nicht immer zum Vorteil, denn nicht immer sind diese auch sorgeberechtigt. „Oft stellen Einrichtungen bei uns Vermisstenanzeigen“, sagt Dörte Röhrs. Ein Alleingang auf Facebook kann auch ganz schnell nach hinten losgehen. Gerade dann, wenn es sich tatsächlich um die „Facebook-Challenge“ handelt. So haben die Jugendlichen nämlich das erreicht, was sie erreichen wollten, nämlich Aufmerksamkeit.

Von Marcus J. Pfeiffer

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