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Erdgas aus Wasserstoff

Falkenhagen Erdgas aus Wasserstoff

Nachdem das Falkenhagener Power-to-Gas-Werk über drei Jahre lang aus überschüssigem Windstrom Wasserstoff fürs Erdgasnetz erzeugt hat, wird die Anlage nun erweitert: Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes soll sie um eine Stufe zur Methanerzeugung ausgebaut werden.

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Die Wasserstoffanlage in Falkenhagen hat sich über drei Jahre als ausfallsicher und verschleißarm bewährt.

Quelle: Claudia Bihler

Falkenhagen. Als eine von drei Anlagen in Europa wird die Falkenhagener Wasserstoffanlage der ehemaligen Eon Gas Storage jetzt Uniper Energy Storage innerhalb von vier Jahren Teil eines europäischen Forschungsprojektes sein: Hier soll getestet werden, inwieweit aus dem in Falkenhagen erzeugten Wasserstoff in einer zweiten Stufe Methan hergestellt werden kann, das originalem Erdgas dann identisch ist.

René Schoof bleibt auch unter Uniper Projektleiter

René Schoof bleibt auch unter Uniper Projektleiter.

Quelle: Bihler

Schon seit drei Jahren erzeugt das Werk so genanntes Windgas: Überschüssiger Strom von benachbarten Windrädern wird zur Elektrolyse von Wasserstoff eingesetzt. Dieser gelangt dann wiederum in die nahe Ontras-Ferngasleitung. Das Projekt ging vor exakt drei Jahren als Technikum an den Start. Hier wollte Eon testen, inwieweit die industrielle Erzeugung von Wasserstoff möglich ist, und welche Kosten dabei verursacht werden.

Bereits vor einiger Zeit zog der Technikchef der Gasspeichergesellschaft René Schoof positive Bilanz. „Sie läuft“, sagte der Projektleiter, „und mit einem Wirkungsgrad von rund 60 Prozent auch effizienter als gedacht:. Zu Anfang gingen wir noch von 50 Prozent aus.“ Technische Bedenken, auch größere Anlagen zu bauen, traten beim Projekt erst gar nicht auf.

Weg in Richtung Wasserstoffwirtschaft

Zum einen hatte sich die elektronische Steuerung bewährt, die auf die stark schwankenden Windbedingungen zuverlässig reagierte. Stündlich konnten in Falkenhagen aus zwei Megawatt Windenergie 360 Kubikmeter Wasserstoff hergestellt werden. „Es gab keinen Verschleiß an den Elektrolysen“, wurde ebenfalls festgestellt. Einschränkungen gab es bei der Einspeisung ins Ferngasnetz, in dem der Wasserstoffgehalt auf wenige Prozent begrenzt ist.

Getestet werden sollten jedoch auch die organisatorischen Gegebenheiten. So musste die Eon für die Überleitung von den nahen Windenergieanlagen Netzentgelte bezahlen. Hinzu kommt, dass die Wasserstoffspeicherung im Erdgasnetz noch nicht vom Erneuerbare-Energie-Gesetz begünstigt wird.

Mit der zusätzlichen Stufe zur Methanisierung geht Eon-Gas-Storage-Nachfolgerin Uniper Energy Storage nun den Weg in Richtung Wasserstoffwirtschaft weiter. Mit der Umwandlung des Wasserstoffes zu Methan kann unbeschränkt ins Gasnetz eingespeist werden, das perspektivisch so als Großspeicher für Windenergie dienen kann. Schoof sagte: „Wasserstofftechnologie kann so die Flexibilität des Energiesystems optimieren.“ Ist zu viel Windstrom im Netz, kann Methan erzeugt werden, dass genutzt werden kann, wenn Wind und Sonne ausbleiben.

28 Millionen Euro für vier Jahre

In Falkenhagen soll Biogas dazu dienen, um prozesswichtiges Kohlendioxid zur Verfügung zu stellen. Die Abwärme, die beim Methanisierungsprozess entsteht, könne im benachbarten Furnierwerk verwendet werden, heißt es in der Projektbeschreibung. Die Anlage wird auf chemischem Wege per Katalysator arbeiten.

In der Schweiz sowie in Italien nehmen zwei weitere, kleinere Anlagen teil, in denen ebenfalls geprobt wird, welche Technologie sich am besten bewährt. In der Schweiz wird ein biologischer Prozess erforscht, in Italien eine andere katalytische Anlage gebaut. Für das europäische Gesamtprojekt „Store & Go“ stellt die Europäische Union für das Vier-Jahres-Projekt 28 Millionen Euro zur Verfügung. Begleitet wird Store & Go von mehreren Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus der Schweiz, Italien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden.

Auch aus der Industrie gibt es neben Uniper weitere Projektteilnehmer. In Falkenhagen wird etwa die Thyssenkrupp Industrial Solutions die Methanisierungsanlage bauen und den Prozess entwickeln. Das Karlsruher Institut für Technologie wird federführend bei den Ingenieurleistungen sein und die wissenschaftliche Begleitung übernehmen. Der deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs ist für die Gesamtkoordination zuständig.

Dass gerade die Prignitz für das ambitionierte Projekt ausgewählt wurde, liegt nicht nur an der Nähe zur Ferngasleitung. Die Region ist bundesweit mittlerweile drittgrößter Erzeuger von Windstrom – nach zwei Küstenlandkreisen in Schleswig-Holstein.

Von Claudia Bihler

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