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Erinnern mit nächster Generation

Holocaust-Gedenken in Perleberg Erinnern mit nächster Generation

Das Erinnern am bundesweiten Holocaust-Gedenktag hat in Perleberg Tradition. Erstmals ging in diesem Jahr der Kranzniederlegung am VVN-Denkmal eine Gedenkstunde im Gottfried-Arnold-Gymnasium voraus, die von Lehrern und Schülern gestaltet wurde. Bürgermeisterin Annett Jura bezeichnete dies als einen Schritt, um das Erinnern an die nächste Generation weiterzugeben.

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Nach dem Gedenken im Gymnasium begaben sich die Teilnehmer zur Kranzniederlegung am VVN-Denkmal.

Perleberg. „Es gilt auch heute das Erinnern an die grausame Zeit des Nationalsozialismus wach zu halten.“ Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura nahm das mahnende Gedenken an den Holocaust in der Aula des Gottfried-Arnold-Gymnasiums am Mittwoch zum Anlass, auf die Bedeutung von Gedenkkultur hinzuweisen, und diese auch in die nächste Generation weiter zutragen. Das Gymnasium der Stadt ist wohl genau der richtige Ort dafür. Schüler Jonas Kautz las aus dem Roman von Anna Seghers „Das siebte Kreuz“, Lehrer Tom Büchner einen weiteren Text und das Blechbläser-Ensemble des Gymnasiums verlieh dem Gedenken einen würdigen musikalischen Rahmen.

Das Blechbläser-Ensemble des Gottfried-Arnold-Gymnasiums unter Leitung von Heiko Leu (l)

Das Blechbläser-Ensemble des Gottfried-Arnold-Gymnasiums unter Leitung von Heiko Leu (l.).

Quelle: Michael Beeskow

„Heute vor 71 Jahren am 27. Januar 1945 haben sowjetische Truppen Auschwitz erreicht“, erinnerte Landrat Torsten Uhe in seiner Rede. An diesem Tag wird in Deutschland aber auch in vielen anderen Ländern der vielen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Vor allem aber: „Wir gedenken der jüdischen Menschen, die im Holocaust zu Opfern des größten Völkermordes in der Geschichte der Menschheit geworden sind.“

Der Terror fand nicht nur draußen in der Welt statt, sondern vor der Haustür, in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 direkt auf dem Großen Markt in Perleberg, wo der NSDAP-Ortsgruppenleiter in einer wüsten Hetzrede dazu aufforderte, Perleberg zu einer judenfreien Stadt zu machen. Dass unmittelbar nach dem Machtantritt in Perleberg eines der ersten Konzentrationslager Deutschlands entstand, ist auch Gegenstand der Sonderausstellung „Terror in der Provinz Brandenburg“, die bis zum 10. April im Stadt- und Regionalmuseum zu sehen ist.

Jonas Kautz las aus Anna Seghers „Das siebte bKreuz“

Jonas Kautz las aus Anna Seghers „Das siebte bKreuz“.

Quelle: Michael Beeskow

Die mörderische Politik des Nationalsozialismus konnte nur im Untergang enden: „Ganz Europa war durch den Krieg zerstört, den die Nazis angezettelt hatten. Millionen Menschen irrten umher, Flüchtlinge und Ausgebombte, befreite Häftlinge aus den Konzentrationslagern kamen nach Deutschland.“ Torsten Uhe fragte, was sich damals viele fragten: „Konnte dieses Deutschland auf Unterstützung beim Wiederaufbau hoffen? Konnte es Kraft finden, sich auf eine bessere Tradition zu besinnen und Schlüsse aus der Vergangenheit ziehen? Konnte ein Umdenken, eine Neuorientierung gelingen?“ Wenn heute Deutschland und seine ehemaligen Kriegsgegner gemeinsam an den Gräbern der Kriegsopfer stehen, zeige dies, welcher Wandel sich in 71 Jahren vollzogen hat. Aus nationalistischem Irrsinn sei eine europäische Partnerschaft geworden. „Immer wieder gilt es, aufzustehen gegen Rassismus und Antisemitismus, gegen Ideologien und Kriegstreiberei. Wir dürfen es nicht versäumen, die Erfahrung der Geschichte des 20. Jahrhunderts an die heranwachsenden und nachfolgenden Generationen weiterzugeben“, mahnte Torsten Uhe.

Perleberg hat in diesem Jahr diese neue Form des Gedenkens gewählt, sagte Annett Jura am Rande der Veranstaltung. Erstmals fand eine Gedenkstunde im Gymnasium statt. Die Bürgermeisterin lud alle ein, anschließend an der Kranzniederlegung am VVN-Denkmal auf dem Marienplatz teilzunehmen. Bislang war dort das Zentrum des Gedenkens. Die Bürgermeisterin sieht in dieser neuen Form, eine Möglichkeit für ein gemeinsames Gedenken aller Interessensgruppen in Perleberg.

Von Michael Beeskow

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