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Erinnerungen an den Turnvater in Lanz

Jahn-Gedenkstätte in alter Schule Erinnerungen an den Turnvater in Lanz

Die Lanzer Jahn-Gedenkstätte zeigt jede Menge Kuriositäten zum Leben und Wirken des Turnvaters. Durch die umfangreiche Ausstellung führt der 73 Jahre alte Bürgermeister des Ortes, Hans Borchert, der zahlreiche Geschichten zu Jahn und zum Ort erzählen kann.

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Hans Borchert ist stolz auf die umfangreiche Präsentation zum alten Turnvater Jahn..

Quelle: Kerstin Beck

Lanz. In einer alten Sage über einen Lanzer Küster ist davon die Rede, dass es „immer um ihn herum ginge“. Und das ist heute noch so, denn wer die dortige Jahn-Gedenkstätte besuchen möchte, muss erst einmal einen kleinen Bogen um die Ortsmitte, die von Kirche, ehemaliger Schule samt ehemaligem Lehrerhaus eingenommen wird, schlagen.

Hier trifft man – am besten nach kurzer telefonischer Rückfrage – auf Hans Borchert. Der 73-Jährige, der seit 25 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Lanz (Landkreis Prignitz) ist, fungiert zugleich als Museumsleiter, Kustos, als eine lebendige Ortschronik und ein überaus unterhaltsamer Gästeführer. „Wenn hier Besucher kommen, die die Kirche sehen wollen, bringe ich sie erst einmal ins Museum und organisiere in der Zwischenzeit den Kirchenschlüssel!“

In einer Ecke steht Grünzeug, das gar nicht wie Deko aussehen will. „Das ist Hopfen, den es hier immer noch auf unseren Hopfenhöfen gibt“, sagt der Bürgermeister. Gleich dazu gibt es die Sage vom Lanzer Küster, der vor langer Zeit den Hopfenanbau hierhergebracht hat. Was denn Jahn mit der Pflanze zu tun hätte? „Nüscht!“, ist die Antwort, aber gleich gibt’s verschmitzt die Korrektur: „Er ist ja oft in sein Heimatdorf zurückgekommen und hat in der Kneipe gegenüber mit den Bauern das Lanzer Bier getrunken – für ihn war es das beste Bier überhaupt!“

Reichhaltige Präsentation mit vielen kleinen Geschichten

Reichhaltige Präsentation mit vielen kleinen Geschichten.

Quelle: Kerstin Beck

Ein Blick in den Ausstellungsraum zeigt, dass sich hier an den Wänden und in der Mitte Vitrinen aneinanderreihen, in denen sorgfältig aufbereitete Informationen, Ausstellungsstücke und Modelle beinahe lückenlos Jahns Leben und seine Zeit dokumentieren – schließlich ist die Gedenkstätte auf Betreiben des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) 1978 anlässlich des 200. Geburtstages des „Turnvaters“ eröffnet worden. Seither sind viele Schaustücke dazugekommen, die größtenteils von Besuchern stammen. In einem Glaskasten liegen sogar einige Schriften Jahns, darunter eine Erstausgabe der „Turnkunst“.

Die letzte Erwerbung ist dieses Bildnis mit Spruch

Die letzte Erwerbung ist dieses Bildnis mit Spruch.

Quelle: Kerstin Beck

„Und das Bild hier hat kürzlich jemand gebracht, der eigentlich in Lenzen eine Kutsche kaufen wollte. Das wurde nichts, und da kam er dann hierher, brachte das und kaufte meine Kutsche!“, freut sich das Gemeindeoberhaupt zu einem Bild, welches noch auf dem Fußboden steht, ein Jahnbildnis.

Schwieriger war es bei einem anderen wertvollen Gemälde, das große Ähnlichkeit mit der Lithographie Engelbachs von 1852 hat: „Das wollte eine Frau aus Schwerin loswerden, aber ihr Mann, ein Arzt, war dagegen. Da rief sie mich eines Tages an, als ihr Mann nicht da war, und ich sagte, ich sei schon unterwegs. Für 2000 Euro haben wir das Bild dann in Potsdam restaurieren lassen“.

Und dann kommen weitere Geschichten: von einer wertvollen Eichentruhe aus dem Jahr 1750 aus Lanz, die Hans Borchert mal einem Einwohner abgeschwatzt hat, vom „Schwebebalken“, der als Modell zu sehen ist und dessen Vorbild das Koppelreck war, für das sich der junge Jahn von den Lanzer Koppelzäunen inspirieren ließ, vom T-Shirt mit dem Lanzer Ortsschild und „Lanz-Bulldogg“ drauf, obwohl Letzteres mit dem Ort nichts zu tun hat und vom picobello erhaltenen Bauernschrank von 1803 und den eingeschnitzten Initialen „AMN“, „der schon in der Scheune stand und durchs Feuer sollte“.

Foto von der Eröffnung des Jahn-Ehrenmals im Jahr 1928

Foto von der Eröffnung des Jahn-Ehrenmals im Jahr 1928.

Quelle: Kerstin Beck

Dann kommt der Bürgermeister auf die Eröffnung des Jahn-Ehrenmals mit Turnhalle und Herberge, worin sich heute die Schule befindet, zu sprechen, und nun wird es persönlich: „Das war am 11. August 1928, da kamen mehrere tausend Besucher, und sogar mein Vater ist mit drauf. Es war ganz einfach, ihn zu finden – das ist der mit dem Fotoapparat auf der Leiter!“ Natürlich gibt es noch eine Geschichte dazu: „Für den besten Turner war an dem Tag ein ganzer Bauernhof in Lanz ausgeschrieben, weil die Leute keine Kinder hatten. Den Preis gewann dann ein Hermann Kleiß-Schmidt, der gleich bei den Leuten blieb und später alles Mögliche machte – vom Scherenschleifer bis hin zum Bürgermeister.“

Alles Mögliche macht heute der Jahn-Förderverein mit über 140 Mitgliedern – Mitgliedsbeiträge gibt es nicht. „Deswegen engagieren sich die Leute ja viel lieber, etwa beim jährlichen Jahn-Kolloquium, bei dem auch die Lützower Jäger dabei sind, denn so was alles gehört einfach hierher!“

Museumsallerlei

Die Öffnungszeiten des Jahn-Museums sind von Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr. Es wird um eine vorherige Anmeldung gebeten. Wer außerhalb der Öffnungszeiten kommen möchte, sollte dies telefonisch vereinbaren: 038780/72 10.

Erwachsene zahlen für den Eintritt einen Euro, Jugendliche 50 Cent, für Kinder ist er kostenfrei. Die Gebühr für Führungen wird nach Gruppengröße berechnet. Das Museum ist nicht behindertengerecht ausgebaut.

Gastronomie ist im nahegelegenen Gasthof Paesler zu finden.

Der Ort Lanz befindet sich zwischen Wittenberge und Lenzen an der Bundesstraße 195.

Von Kerstin Beck

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