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Erpresser muss ins Gefängnis

Wittenberge Erpresser muss ins Gefängnis

Monate lang hat ein 25-Jähriger einen 73-Jährigen, der ihn aufgenommen und unterstützt hat, erpresst, ihn mit einem Messer bedroht und ihm zwei Zähne ausgeschlagen, bis das ganze Geld des Rentners aufgebraucht war. Das Landgericht Neuruppin verurteilte den vorbestraften Angeklagten am Dienstag zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe.

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Erpresser wurde zu dreieinhalb Jahren Haft vom Landgericht Neuruppin verurteilt.

Quelle: dpa

Wittenberge. Steven M. fand in Rentner Peter S. ein williges Opfer. Der 73-Jährige gewährte dem 25-Jährigen Unterschlupf in seiner Wohnung in Wittenberge, unterstützte ihn, wo er konnte, vor allen Dingen mit Geld. Das geschah zunächst auf freiwilliger Basis. Das änderte sich allerdings im Dezember vergangenen Jahres. Da wollte Peter S. nicht mehr zahlen. Daraufhin drohte ihm Steven M. und wurde auch handgreiflich, damit die Geldquelle nicht versiegte.

Angeklagter muss seinem Opfer das erpresste Geld zurück zahlen

Am Dienstag verurteilte das Landgericht Neuruppin den 25-Jährigen unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Darin ist noch ein Strafbefehl wegen einer anderen Straftat enthalten. Zudem muss er an den Rentner 8000 Euro zurückzahlen.

Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte zugegeben, sich häufiger Geld von seinem Gönner geliehen zu haben, das aber teilweise zurückgezahlt zu haben. Er widersprach vehement, den Rentner bedroht oder gar geschlagen zu haben. Am Dienstag legte er ein, wie der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann sagte, „spätes Geständnis“ab.

Motiv war „das leidige Geld“, das immer fehlte

Der Angeklagte hat keinen Beruf gelernt, ist arbeitslos und bekam lediglich 50 Euro pro Woche von seinem Betreuer zugeteilt. Damit konnte er weder seinen Lebensunterhalt noch seine Drogen finanzieren. Es ging bei seinen Straftaten immer um „das leidige Geld“.

„Und der Angeklagte macht das, was er bereits schon einmal gemacht hat“, so der Richter: Steven M. zieht einen gutmütigen älteren Herren ab. Wie eben jenen 73-jährigen Peter S. „Der hat sich immer einen Sohn gewünscht und sieht diesen im Angeklagten“, sagte die Staatsanwältin. Sicher habe Peter S. seinen Schützling zu Anfang unterstützt – und zwar freiwillig. „Das nutzte Steven M. schamlos aus“, so die Staatsanwältin.

Gutmütiger Rentner wollte nicht mehr zahlen

Irgendwann sei die Situation gekippt. Peter S. habe sein Geld zurück verlangt. Dann habe der Angeklagte mitbekommen, dass der Rentner aus einer Versicherung über 8600 Euro ausgezahlt bekommen habe. Da lebte Steven M. bereits in einer Wohnung, die Peter S. ihm besorgt hatte, in unmittelbarer Nachbarschaft.

„Zu dieser Zeit wollte er Ihnen nichts mehr geben“, sagte Richter Lechtermann. Das hinderte den Angeklagten aber nicht, ständig bei Peter S. auf der Matte zu stehen und den älteren Mann zu bedrohen. Nach und nach rückte dieser immer wieder Geld heraus. Bis „die gesamten Ersparnisse, die für seinen Lebensabend“ gedacht waren, aufgebraucht waren. „Peter S. hat in ständiger Angst vor Ihnen gelebt“, sagte Lechtermann. Als S. absolut nicht mehr zahlen wollte, griff der Angeklagte zu härteren Mitteln. „Wenn Sie nicht das bekommen, was sie wollen, werden Sie aggressiv“, so die Staatsanwältin. Und wieder zahlte Peter S.. Der Ziehsohn hielt Peter S. ein Messer unter die Nase, schlug ihm mit der Faust ins Gesicht und zwei Zähne aus.

Bei der Polizei ausgerastet

„Das war der Punkt für Peter S. zur Polizei zu gehen“, so Lechtermann. Die nahm Steven M. im Februar fest. „Wenn die Obrigkeit auftaucht, wird der Angeklagte böse. Er beleidigt und haut“, sagte der Richter. Steven M. knallte dem Beamten einen Stuhl gegen das Knie.

Steven M. habe schwere Startchancen im Leben gehabt, so Lechtermann. Der Angeklagte hat bereits etliche Straftaten auf dem Konto, die er derzeit absitzt. Außerdem stand er noch unter Bewährung wegen ähnlicher wie der vorliegenden Tat. Nun hat er insgesamt etwa fünf Jahre vor sich. „Die Jahre braucht er. Aber es ist nicht so viel, dass es Ihnen die Perspektive nimmt“, sagte Lechtermann.

Gute Vorsätze für die Zeit nach der Haft

Steven M. will die Haftzeit sinnvoll nutzen. Er sei in sich gegangen und wolle eine Therapie beginnen, sagte seine Verteidigerin. Richter Lechtermann legte ihm ans Herz, Hilfe anzunehmen, um wieder Fuß zu fassen. „Geraten Sie noch einmal in den Sumpf, ist Ihr Leben versaut.“ Das sah Steven M. offensichtlich auch so, er nickte bestätigend. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

Von Dagmar Simons

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