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Prignitz Erst Abiturient, dann „Azudent“
Lokales Prignitz Erst Abiturient, dann „Azudent“
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02:15 23.04.2017
Til Runge (l.), Abiturient des Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasiums, wird ein duales Studium für seinen künftigen Arbeitgeber Christian Schmidt (M.) von der Firma SMS-Blechverarbeitung absolvieren. Quelle: Andreas König
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Perleberg

Der Vertrag, den Til Runge unterschrieben hat, läuft bis zum 31. Juli 2022. Dann, so hoffen alle Beteiligten, hat der junge Mann aus Perleberg nicht nur den Facharbeiterabschluss als Werkzeugmechaniker in der Tasche, sondern darf sich auch Bachelor of Engineering, also Maschinenbauingenieur, nennen. Noch besucht Til das Gottfried-Arnold-Gymnasium in Perleberg, doch das Abitur steht vor der Tür.

Während für die meisten seiner Mitschüler noch mit der Suche nach einem Studienplatz beschäftigt sein dürften, ist der Weg für Til Runge recht klar vorgezeichnet: Zweieinhalb Jahre Ausbildung zum Werkzeugmechaniker an der Teamsportorientierten Privaten Berufsschule für Wirtschaft und Technik der Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Bereits ab dem zweiten Ausbildungsjahr wird er die ersten Vorlesungen an der Technischen Hochschule Wildau besuchen um seinen Maschinenbau-Bachelor vorzubereiten.

Mitarbeiter mit Ingenieurwissen

„Ich bin mit meinem Unternehmen SMS Blechverarbeitung erst seit 2015 am Markt“, sagt Firmenchef Christian Schmidt. „Doch die Suche nah geeigneten Fachkräften ist wirklich schwierig.“ Er habe anfänglich einen älteren Arbeiter so qualifizieren wollen, wie es die betrieblichen Belange erfordern, doch habe das nicht so funktioniert, wie erhofft. „Da ich Mitarbeiter mit Ingenieurwissen brauche, lag die Idee nahe, ein duales Studien anzubieten, um den potenziellen Mitarbeiter möglichst eng an das Unternehmen zu binden“, sagt Christian Schmidt, der ursprünglich einmal Bauingenieur studiert hat, dann aber noch ein Studium der Schweißtechnik absolvierte, um in der Metallbearbeitung auf dem neuesten Stand zu sein.

In der Bildungsgesellschaft Pritz­walk mit ihrer Privaten Berufsschule fand Christian Schmidt den Partner, den er brauchte. „Ich hatte davon gehört, dass in Pritzwalk Werkzeugmacher ausgebildet werden, die gleichzeitig studieren“, erzählt der 31-jährige Unternehmer. „Das ist eine sinnvolle Sache, und ich habe mich mit der Bildungsgesellschaft in Verbindung gesetzt.“

Vorteile liegen auf der Hand

Lothar Nagel, Koordinator für Verbundausbildung, bei der Bildungsgesellschaft, ist begeistert von der Initiative des Unternehmers. „Herr Schmidt hat in seinen jungen Jahren bereits erkannt, dass die Fachkräftesicherung das A und O für die Zukunftssicherheit einer Firma ist“, sagt Lothar Nagel. „Das haben manche sehr viel erfahrenere Unternehmer bisher noch nicht realisiert.“

Die Vorteile lägen für alle Beteiligten auf der Hand: Das duale Studium ist sehr viel stärker praxisorientiert als ein reiner Studiengang, das entsendende Unternehmen bindet den künftigen Absolventen an sich und lernt schon früh seine Eigenheiten kennen. Schließlich bekommt der Dual-Student eine Ausbildungsvergütung, die manche Kommilitonen gerne hätten. Bereits im ersten Lehrjahr sind es rund 750 Euro. Auch im Studium selbst seien „Praktiker“ gefragte Wissensvermittler für die Mitstudenten. „Wir hören sehr oft, dass unsere Azudenten gefragt werden, wie man die und die Sache in der Praxis macht“, berichtet Lothar Nagel. Das etwas ungewöhnliche Wort Azudent – eine Zusammensetzung aus der Abkürzung Azubi für Auszubildenden und Student – habe sich mittlerweile als Bezeichnung für Absolventen eines dualen Studienganges etabliert, sagt Lothar Nagel.

Ausgang war die Berufsstartermesse

Trotz vieler Vorteile nutzen seiner Ansicht nach noch zu wenige Unternehmen aus der Region dieses Modell. „Unsere Werkzeugmacherklasse wird wohl aus zwölf Azudenten bestehen“, sagt Lothar Nagele. „Da ist noch Luft nach oben.“

Entstanden ist die Idee eines dualen Studiums bei einem heimischen Unternehmen übrigens während der Berufsstartermesse Go in Perleberg. Tils Mutter Doreen Runge betreute den Stand ihres Arbeitgebers, eines Steuerberatungsbüros und Christian Schmidt hielt ebenfalls Ausschau nach Auszubildenden. Til Runge jedenfalls hat „kein Problem damit, in der Prignitz zu bleiben, im Gegenteil“

Von Andreas König

Die Schriftstellerin Helene Wachsmuth war die Tochter eines Halenbecker Gutsbesitzers. Sie schrieb Erzählungen aus Polen und Grönland, malte Landidylle und gründete den Deutschen Schriftstellerinnenverband zur Förderung der Frauen in Kunst, Wissenschaft und Literatur.

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