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Erste archäologische Funde bei Grabung

Perleberg Erste archäologische Funde bei Grabung

Die Forschungs- und Lehrgrabung auf dem Galgenberg bei Perleberg brachte erste Funde hervor. Studenten aus Frankfurt/Oder und Berlin sowie aus dem Ausland sind seit fast zwei Wochen auf der Suche nach neuen Erkenntnissen über die Durchführung von Strafvollstreckungen. Nun wurden im erste Ergebnisse vorgestellt und Hort-Kinder über das Gelände geführt.

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Auf dem Gelände vor Ort konnten sich die Kinder aus dem Ferienhort der Rolandschule selbst als kleine Archäologen ausprobieren.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Perleberg. Außerhalb von großen Städten entlang an Handelsstraßen und Wegen war es vom Mittelalter bis zur Neuzeit üblich, Richtstätten zu betreiben. So sollten schon vor den eigentlichen Stadtmauern potenzielle Diebe und Feinde abgeschreckt werden. In Perleberg erinnert der Galgenberg in der Nähe des heutigen Ortsteils Perlhof an die Hohe Gerichtsbarkeit der damaligen Zeit. Nun wollen junge Forscher mehr über den geschichtsträchtigen Ort herausfinden. Seit fast zwei Wochen sind Studenten der Europa-Universität Viadrina aus Frankfurt/Oder und der Humboldt-Universität Berlin in Perleberg und führen zusammen mit der Richtstättenarchäologin Marita Genesis eine Forschungs- und Lehrgrabung durch. Zudem nehmen Absolventen der University of Bradford in England und weitere Studenten aus dem entsprechenden Fachbereich, die ihr Studium in England gerade abgeschlossen haben, daran teil.

Erkenntnisse zur Strafvollstreckung

Universitäten aus Polen und Tschechien sind mit ihren Studenten ebenfalls vor Ort, um den Stand der Ausgrabung zu verfolgen. Aus unterschiedlichen Befunden wie menschliche Fesselungen, fehlende Schädel oder bestimmte Körperlagen sowie aus den Untersuchungen, die Hinweise auf Hieb-, Schnitt- und Bruchverletzungen geben, sollen die Erkenntnisse gewonnen werden. Ziel ist es, mehr über die Durchführung von Strafvollstreckungen herauszufinden. Am Dienstagabend wurden erste Ergebnisse der Ausgrabungen bei einem archäologischen Abend im Stadt- und Regionalmuseum in Perleberg bekannt gegeben.

Beim archäologischen Abend präsentiert Marita Genesis stolz den bisher größten Fund

Beim archäologischen Abend präsentiert Marita Genesis stolz den bisher größten Fund: eine Urne mit Leichenbrand, die nun im Labor untersucht wird.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Viele interessierte Bürger kamen zu der Veranstaltung, bei der sich die Grabungsleiterin und ihre Studenten der Öffentlichkeit vorstellten. Zunächst gab die Grabungsleiterin einen kleinen historischen Einblick. „Eine Richtstätte ist kein normaler Friedhof“, so Marita Genesis. Viele quälende Folterungen und Hinrichtungen wurden dort vorgenommen, so auch auf dem Galgenberg. Ertränken, Köpfen, Erhängen, Rädern, Pfählen, Verbrennen und Lebendigbegraben zählte die Richtstättenarchäologin auf. Vieles davon ist heutzutage nicht mehr nachzuweisen. Doch einige Spuren lassen sich auch noch hunderte Jahre danach finden. Schon vor den Arbeiten gab es eine geomagnetische Untersuchung des Bodens. „Das Gelände ist stark von Müllgruben gekennzeichnet. Trotz einer vorherigen Untersuchung des Bodens waren wir uns nicht sicher, was uns tatsächlich erwartet“, sagt Marita Genesis.

Jedes Jahr andere Grabungsstelle

„Seit vier Jahren finden in den Sommersemestern Ausgrabungen statt. So sind wir lediglich mit diesen Erfahrungen und Vorstellungen nach Perleberg gekommen“, so die Archäologin. In den vorherigen Jahren ging es nach Belzig, Fürstenwalde und Mötzow. „Die Studenten sind alle fleißig dabei, trotz der körperlich schweren Arbeit. Für manche ist es sogar das erste Mal direkt mit vor Ort“, sagt Marita Genesis. Zu den bisher größeren Funden gehört eine alte Urne mit Leichenbrand aus der Eisen- und Bronzezeit. Sie ist ziemlich gut erhalten und wird nun in einem Labor untersucht. Mehrere Gruben konnten vor Ort ausfindig gemacht werden, die es nun genauer zu untersuchen gilt. Sicher ist, dass es vor Ort mindestens sechs Bestattungen gegeben haben muss, es gibt mehrere Grabkammern. Am Rand eines am Montag mit dem Bagger aufgezogenen Abschnitts fand ein Student die ersten menschlichen Knochen, die zu der gesuchten Zeit der Gerichtsbarkeit passen. Ein anderer Student stieß beim Säubern einer Fläche auf Holzkohle, welche sich zur zeitlichen Einordnung des Befundes eignet.

Kinder als kleine Archäologen

„Wir bergen alles, auch wenn es nicht zu unserem Thema passt“, so die Archäologin. Darunter zählten bereits alte Materialien, Keramikscherben und handgeschmiedete Metallschnallen. Weiteres wird sicherlich folgen, noch bis zum 1. September sind die Studenten mit Marita Genesis vor Ort. Am Donnerstag konnten sich die Kinder aus dem Ferien-hort der Perleberger Rolandschule als kleine Archäologen ausprobieren. „Wir wollen mit dieser Aktion Interesse wecken, die Heimatgeschichte näher bringen und das Berufsbild als Archäologe vorstellen“, so der Initiator und Museumsleiter Frank Riedel. „Die Kinder haben sichtlich Spaß, sie können selbst mit anpacken und haben sogar mit kleinen Steinen ein Erfolgserlebnis“, sagt Hortleiterin Kerstin Scheeper.

Galgenberg als Ort der Hohen Gerichtsbarkeit

Die Verleihung des Salzwedeler Rechtes und der dazugehörigen Privilegien zeichnet die hohe Bedeutsamkeit der Stadt Perleberg im Mittelalter und in der frühen Neuzeit aus. Einen besonderen Platz nimmt hierbei die Ausübung der Hohen Gerichtsbarkeit ein.

Zahlreiche Urteile und Schilderungen von Straftaten lassen erkennen, dass Perleberg ab der frühen Neuzeit das Recht auf Strafvollzug häufig in Anspruch genommen hat. Archäologische Fundorte zur Strafvollstreckung stellen üblicherweise die den Städten angegliederten Richtstätten dar. Perleberg besitzt eine solche in Form des nördlich der Stadt liegenden Galgenberges. Erste geomagnetische Untersuchungen im Frühjahr 2017 offenbarten bereits zahlreiche Eingriffe in den Boden und werden nun Untersucht.

Geschichte des Galgenberges:

1509 – Ersterwähnung Richtplatz, fünf Hexen wurden verbrannt;

1542 – Raubritter Hans von Wartenberg enthauptet;

1565 – Hexenverbrennung;

1574 – Erhängen eines Gefangenen;

1581 – Hexenverbrennung;

1616 – mehrere Personen hingerichtet;

1653 – Hängen eines Kornwärters am neu errichteten Galgen;

1720-1721 – Neuerrichtung Galgen;

1850 – letzte Hinrichtung: Hängen am Galgen (eventuell am Weinberg).

Von Marcus J. Pfeiffer

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