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Prignitz Es hat sich viel getan
Lokales Prignitz Es hat sich viel getan
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02:16 07.10.2015
Bürgermeisterin Annett Jura (r.) und der Roland begrüßten Gäste der Feierstunde. Hier die ehemalige Bürgermeisterin Friederike Toebe. Quelle: Beeskow
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Perleberg

„Das war nicht mein Berufswunsch“, erinnert sich Friederike Toebe, wie sie heute heißt. Perlebergern sagt der Name Friederike Fischer mehr. Nach der ersten freien Kommunalwahl übernahm sie 1990 das Bürgermeisteramt in der Rolandstadt. „Es ging hin und her, wer Bürgermeister werden sollte. Da fiel auf einmal mein Name.“ Mit großer Mehrheit wurde die Vertreterin der CDU von den Stadtverordneten ins Amt gewählt. „Ich empfinde es heute als ein Glück, dass damals alles friedlich verlief.“ 15 000 Sowjetsoldaten waren in Perleberg stationiert, befürchtet wurden Übergriffe. „Ich habe viele Gespräche geführt, Konversion hieß das Zauberwort.“ Im Januar 1993 verabschiedete sich die Frauenärztin aus Perleberg. „Ich wollte keine Karriere in der Politik machen, ich wollte wieder in meinem Beruf arbeiten.“ Heute lebt sie bei Hamburg. Die Einheitsfeier in Perleberg bescherte ihr am Sonnabend ein Wiedersehen mit der Stadt. „Hier hat sich viel getan“, staunte sie.

Feierstunde im Perleberger Rathaus. Quelle: Michael Beeskow

In einer gemeinsamen Feierstunde im Rathaus erinnerte Bürgermeisterin Annett Jura an die Zeit vor 25 Jahren. Der 3. Oktober wurde groß gefeiert. Zum Gedenken an die Einheit wurde ein Stein im Goethepark enthüllt, im Kreiskrankenhaus eine neue Heizungsanlage in Betrieb genommen. In einem Freundschaftsspiel trafen die Perleberger auf die Fußballer aus der Partnerstadt Norderstedt, im Hennings Hof feierten die Bürger ein zweitägiges Volksfest. Im Gebäude des Hotels Stadt Berlin, das heute nicht mehr existiert, gab es eine Festsitzung. Bürger besuchten weitere Veranstaltungen im Kreiskulturhaus. Heute herrscht eine andere Stimmung“, erklärte Annett Jura. „Heute wird viel von Politikverdrossenheit gesprochen.“

Peer Reppert sorgte für Stimmung. Quelle: Michael Beeskow

Annett Jura berichtete auch von ihren persönlichen Veränderungen, die die Einheit für sie brachte. Sie habe ihre Ausbildung zur Schreibtechnikerin aufgegeben, doch noch ihr Abitur gemacht und später Jura studiert. Schließlich habe sie auch einen Aufbauhelfer aus Nordrhein-Westfalen per Ehevertrag dauerhaft an Perleberg gebunden.

Figuren wurden bemalt. Quelle: Michael Beeskow

Den ehemaligen Stadtverordneten und auch Friederike Toebe dankte die Bürgermeisterin. „Sie haben die Weichen gestellt für die Entwicklung der Stadt. Vieles haben wir geschafft, aber es gibt noch eine Menge zu tun.“ Der Zuzug neuer Bürger sollte nicht mit Sorge gesehen, sondern als Chance verstanden werden.

Frank Döring, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung äußerte: „Die Probleme werden nicht weniger.“ Die Stadt werde sich der Herausforderung stellen, die die Unterbringung von Flüchtlingen darstellt. Für die Stadtverordnetenversammlung wünschte er sich gesunde Kompromisse über Fraktionsgrenzen hinweg.

Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung von den Bläsern der Kreismusikschule. Redebeiträge hielten auch die Gymnasiastin Tessa Groschinski und Rainer Sander. Zu den Stadtverordneten der „ersten Stunde“ gehörten Karin Gresenz und Frank Plokarz (beide damals in der PDS). Alles sei damals neu gewesen, aber es habe auch Spaß gemacht, meinten sie.

Simone Ahrend eröffnet ihre Ausstellung im Rathaus. Quelle: Michael Beeskow

Anschließend wurde im kleinen Sitzungssaal eine Ausstellung der Diplom-Fotografin und Autorin Simone Ahrend eröffnet. Im Herbst 2014 hat sie Menschen interviewt und gefragt, was sie mit dem Mauerfall am 9. November 1989 verbinden?

Simone Ahrend befragte auch 15  Prignitzer und bat sie, ihr Bilder und Dokumente für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.
Dabei entstanden Tonbandinterviews, in denen es unter anderem darum geht, wie der Mauerfall das Leben der Befragten veränderte. Zu den Interviewten, die in Perleberg wohnen oder tätig sind, zählen Andreas Dräger, Daniela Dörfel, Isabell Glomke, Gisela und Hans-Peter Freimark, Udo Becker und Horst Niemeyer.

Von Michael Beeskow

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