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Prignitz Explosionen im Drei-Sekunden-Takt
Lokales Prignitz Explosionen im Drei-Sekunden-Takt
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10:13 24.02.2017
Die Fliegerbomben hatten immer noch eine ungeheure Kraft. Weithin war die Explosion zu sehen.  Quelle: Andreas König
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Breese

 Ein tiefes Grummeln erschüttert bereits den Boden, da ist hinter der Waldkante noch gar nichts zu sehen. Doch dann schießen die schwarz-grau-braunen Fontänen in den trüben Februarhimmel. 16 Mal zerreißen Explosionsgeräusche die Luft. Es ist der vorerst letzte Akt in der Geschichte der Kampfmittelbeseitigung an der Deichbaustelle in Breese.

„Ich bin zufrieden, alles hat gut geklappt“, sagt ein erleichterter Gerd Fleischhauer. Der Truppführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der brandenburgischen Polizei hat schon viele Munitionsräumungen geleitet, aber eine so große Zahl von Fliegerbomben auf einmal, das kommt auch bei ihm nicht alle Tage vor. Er ist die Hauptperson des Tages, von ihm hängt die Sicherheit der fünf Truppführer ab, die die Sprengung vorbereiten.

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Breese, 23. Februar: Im Drei-Sekundentakt wurden am Donnerstag 18 Fliegerbomben bei Breese gesprengt. Die tödliche Last stammte aus den letzten Kriegstagen im Februar 1945. Nun kann der neue Deich gebaut werden, den Ort vor Hochwasser schützen soll.

Sperrkreis etwa später aktiviert

Seit dem frühen Morgen herrscht in Breese geschäftiges, aber geordnetes Treiben. Alle Einwohner müssen den Sperrkreis bis 8 Uhr verlassen. Sieben Trupps mit Evakuierungshelfern ziehen von Haus zu Haus und vergewissern sich, dass alle der Aufforderung zum Verlassen des Sperrkreises gefolgt sind. „Zwischenfälle gab es so gut wie keine“, sagt Ordnungsamtsleiter Gerald Neu. Lediglich in zwei Häusern haben die Einwohner vergessen, das Licht auszumachen, und ein Bewohner kam ein wenig später als 8 Uhr aus seinem Haus. Dennoch können die Behördenmitarbeiter dem Kampfmittelbeseitigungsdienst melden, dass der Sperrkreis aktiviert ist.

Während die Räumstelle weiträumig abgesperrt ist, beobachten Sicherheitskräfte, Mitarbeiter der Amtsverwaltung Bad Wilsnack/Weisen und der Stadtverwaltung Wittenberge, Katastrophenmanager der Bahn und vor allem Medienvertreter den Ort des Geschehens. Sie haben sich am ihnen zugewiesenen Punkt auf der Straßenbrücke über die Eisenbahnlinie eingefunden. Es regnet noch immer intensiv wie schon den gesamten Vormittag. Doch allmählich lässt der Niederschlag nach. Dann endlich ertönt dreimal das Signalhorn. Die Hohlladungen an den Bomben werden hintereinander gezündet. Während der Knall der Explosionen in Richtung Wittenberge gar nicht so laut zu sein scheint, weht der Wind nach Weisen hinüber. Dort sind die Detonationen als Abfolge lauter, dumpfer Knallgeräusche wahrzunehmen. Im Wittenberger Gymnasium wie in vielen anderen Gebäuden wackeln die Tische und Stühle, zittern die Fensterscheiben.

Schlamm bedeckte Räumstellen

Nach dem Knall folgen bange Minuten. War es das jetzt? Hat jemand mitgezählt? Zu erwarten waren 16 Explosionen, denn je zwei Bomben lagen derart dicht beieinander in der Erde, dass sich Gerd Fleischhauer und sein Team entschlossen haben, sie zugleich zu zünden. Wieder und wieder sehen sich die Zeugen der Sprengung ihre Videos an, auf dem Smartphone oder mit richtigen Kameras aufgenommen. Während einer gar 19 Explosionen gehört haben will, kommen andere nur auf zehn oder elf. Doch da hilft der Videobeweis. „16 waren es“, sagt einer der Kameraleute. Doch wo bleibt Gerd Fleischhauer? Ist doch nicht alles explodiert? Muss die Sperrung verlängert werden. Dann kommt über Funk das Signal „Der Sperrkreis ist aufgehoben.“ Die Zuschauer setzen sich in ihre Autos und fahren zum Ort des explosiven Geschehens. Umsichtige Zeitgenossen haben an Gummistiefel gedacht, aber es geht irgendwie auch so. Das Räumfeld gleicht einem Tagebau.

Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigungsfirma Röhll sind froh, dass die Räumung so gut geklappt hat. Quelle: Andreas König

Auf der völlig von grauem Schlamm bedeckten Räumstelle wechseln sich metertiefe Krater mit swimmingpoolgroßen Pfützen ab. In Richtung Sportlerheim und Perleberger Straße in Breese haben die Mitarbeiter der Munitionsbergungsfirma Röhll Strohballen aufgeschichtet. Sie sollten die Druckwelle abfangen und eventuell durch die Luft fliegende Bombensplitter. Das war auch bitter nötig. Eine Strohwand hat die Wucht der Explosion regelrecht umgeblasen und mit einer Schlammschicht überzogen. Ob Splitter im Stroh stecken, lässt sich nicht sagen. Einige der an sich todbringenden Schrapnelle haben die Kampfmittelbeseitiger auf einen Haufen gelegt. Die Splitter sind rasierklingenscharf und aus massivem Stahl. Selbst die mehr als 70 Jahre im Boden haben ihnen kaum zugesetzt.

Die Mitarbeiter der Firma Röhll sind erleichtert. Fast anderthalb Jahre haben sie in Breese verbracht – von einigen Unterbrechungen abgesehen. Doch nun ist es geschafft. Der Deichbau kann planmäßig fortgesetzt werden. Am Abend soll es eine ausführliche Lagebesprechung geben, bei der die Männer mit dem explosiven Job auf den Erfolg anstoßen werden.

Von Andreas König

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