Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Fährverkehr über die Elbe eingestellt

Lütkenwisch Fährverkehr über die Elbe eingestellt

seit März gibt es keine Fährverbindung mehr zwischen Lütkenwisch in der Prignitz und Schnackenburg im niedersächsischen Wendland. Der Fährmann hat sich zur Ruhe gesetzt und zieht weg. Ob die Kommune seine Fähre kauft und weiterbetreibt, das diskutieren nun die Gemeinderäte beiderseits der Elbe. Vorerst heißt das: Umwege fahren.

Voriger Artikel
Filmwohnung wird für Dreh entkernt
Nächster Artikel
Ein eingespieltes Team im Festspielhaus

Der Fährverkehr zwischen Lütkenwisch und Schnackenburg ist eingestellt. Die nächste Fähre legt in Lenzen ab.

Quelle: Kerstin Beck

Lütkenwisch. Eigentlich ist die große Hinweistafel in Lanz antiquiert, denn sie verkündet nach wie vor, dass das sechs  Kilometer entfernte Schnackenburg mit einer PKW-Fähre erreichbar ist; die Lütkenwischer Tafel dagegen ist zugeklappt: „Kein Fährbetrieb“ steht darauf. An der Fährstelle gibt dann endlich ein Schild bekannt: „Zur Zeit kein Fährbetrieb!“

Doch weder das inzwischen wieder gesunkene Elbhochwasser noch die Bauarbeiten am Schnackenburger Zuweg zum Fähranleger (für die es seit Monaten eine Umleitung gibt) sind der Grund dafür.

Dieser ist weit gewichtiger: Der Fährbetreiber Ingo Scholz aus Wittenberge ist zum 1. März in den Ruhestand getreten. Angekündigt hatte er, bis zum 28. Februar seinen Fährbetrieb aufrechtzuerhalten. Inzwischen hat der Fährmann zum 1. März sein Gewerbe abgemeldet und wird in den nächsten Tagen auch seinen Wohnort verändern.

Schnackenburgs Bürgermeisterin Irene Brade bezieht dazu eine klare Position: „Wir haben ein sehr großes Interesse daran, dass der Fährverkehr weitergeht. Aus etlichen Gründen ist es wichtig, dass die Stadt, die damit endlich von ihrer Randlage abrücken konnte, weiterhin eine Verkehrsanbindung über die Elbe hat“.

Dazu gehört in erster Linie die Anbindung mit Rufbus beziehungsweise dem Auto zum Bahnhof in Wittenberge, dann die Verbindung in Richtung Norden zur Autobahn, „um bequem nach Hamburg oder Berlin zu kommen, wie ich mich selbst davon schon überzeugen konnte, denn wir haben hier viele gut ausgebildete junge Leute, denen wir auch etwas bieten müssen, damit sie nicht endgültig von hier fortziehen. Dazu gehört eben eine gute Verkehrsanbindung. Und für unsere Stadt, welche jahrzehntelang in einem weltvergessenen Zipfel lag, ist die Fähre sehr wichtig geworden – allein schon, wenn man bedenkt, welches Einzugsgebiet das Grenzlandmuseum hat. Menschen aus aller Welt kommen hierher, und sehr viele von ihnen kamen mit der Fähre von der anderen Elbseite hier zu uns herüber!“

Längere Wege für Pendler und Gewerbetreibende

Zudem ist Schnackenburg durch die Fähre an einen bedeutsamen internationalen Radweg angebunden – die zahllosen, das Gefährt im Sommer nutzenden Radler sind der beste Beweis dafür. Nicht zuletzt gibt es dann noch die vielen Pendler und Gewerbetreibenden, die nun erst einmal eine Alternative suchen müssen. Zunächst ist erst einmal ein Gespräch mit der Bürgermeisterin und Ingo Scholz anberaumt. Daraufhin wird am 24. März der Schnackenburger Stadtrat zusammenkommen und auch im niedersächsischen Gartow will man demnächst beratschlagen. Auch mit dem Amt Lenzen ist die Bürgermeisterin regelmäßig im Gespräch.

Dazu der dortige Amtsdirektor Harald Ziegeler: „Gestern Abend bei der Amtsausschusssitzung hat sich dieser dafür ausgesprochen, die Fähre zu erhalten, aber dafür ist die gesamte Region gefordert!“

Hilfe steht immerhin von der Samtgemeinde Gartow in Aussicht: „Auch wir haben ein Interesse an dem Erhalt der Fähre. Dazu hat der Rat beschlossen, Schnackenburg maximal mit vier Fünftel der Kosten zu unterstützen, so dass wir 100 000 Euro in den Haushaltsplan 2017 als Kaufsumme für die Fähre hereingenommen haben. Die Summe muss aber noch von der Kommunalaufsicht beschlossen werden“, so der Samtgemeindebürgermeister Christian Järnecke.

Wichtig auch für den Fahrradtourismus

Das ist aber noch nicht alles: „Die Fähre von Herrn Scholz zu kaufen, ist eine Sache, aber wer soll sie dann betreiben? Auch ist es wichtig, wo die Fährgerechtigkeit liegen wird - befindet sie sich in Brandenburg, so wird ein Fährbetrieb als zum öffentlichen Nahverkehr zugehörig angesehen, was hier in Niedersachsen nicht der Fall ist!“ meint Irene Brade, die immerhin zuversichtlich ist: „Der Tourismus ist hier bei uns der Wirtschaftsfaktor. Deshalb wollen wir alles dafür tun, dass er auch ausgebaut werden kann. Dazu ist bereits ein Projekt mit fünf Punkten für Schnackenburg in der Planung. Und das geht einfach nur, wenn wir hier zwei Fähren haben, wie es der Gartower Verein G.U.T. bereits kurz und knapp in seiner die Region zeigenden Karte formuliert hat: „Eine Region, nämlich die Erlebnisregion Elbtalaue Gartow – Lenzen, – zwei Fähren!“ Der Weiterbetrieb der Elbfähre von Lenzen nach Pevestorf stand vor einem Jahr ebenfalls auf tönernen Füßen (die MAZ berichtete).

Von Kerstin Beck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg