Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz Falkenhagener Pilotanlage "Power to Gas" am Netz
Lokales Prignitz Falkenhagener Pilotanlage "Power to Gas" am Netz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 28.08.2013
Falkenhagen

Wenn üblicherweise die Energiewende recht komplex dargestellt wird, so hat gestern Mike Blechschmidt, Sprecher des Fördervereins Wachstumskern Autobahndreieck, bei der offiziellen Inbetriebnahme der Power-to-Gas-Anlage das Ganze in einen leicht verständlichen Zusammenhang gesetzt: "Wenn ein Bauer seine Kartoffeln einlagern will, dann muss er Lagerkosten bezahlen, ebenso wie er für die Transportkosten aufkommen muss, wenn er sie ausliefern möchte." Im Prinzip, so Blechschmidt, funktioniere das bei den regenerativen Energien jedoch umgekehrt: "Die Kosten zahlen die Verbraucher." Und er betonte: "Wir müssen weg vom Power-Point-Engineering, hin zur praktischen Umsetzung."

Das Wasserstoff-Pilotprojekt der Eon Gas Storage in Falkenhagen soll nun ein Schritt in Richtung Umsetzung sein. Einerseits investiert der Großversorger derzeit jährlich rund eine Milliarde Euro in den Ausbau der Netze, um unter anderem die schwankenden und gleichzeitig riesigen Strommengen von Windkraft und Photovoltaikanlagen transportieren zu können, berichtete am Mittwoch der Vorstandschef der Eon Deutschland AG, Ingo Luge. Andererseits soll mit dem Pilotprojekt in Falkenhagen dargestellt werden, wie extreme Spitzen etwa bei günstiger Windlage so gespeichert und genutzt werden können, dass sich der Ausbau der Netze auf mittlerem Niveau bewegen kann und die Windkraftanlagen dennoch nicht abgeschaltet werden müssen. Stattdessen sollen sie Wasserstoff produzieren, der wiederum ins Erdgasnetz eingespeist wird.

Im Mittelpunkt des Pilotprojekts steht die Regelungstechnik, die unter anderem dafür sorgt, dass höchstens die zulässigen zwei Prozent Wasserstoff im "Gasfluss" der Ontra-Ferngasleitung ankommen, damit das Erdgas-Wasserstoffgemisch auch dort noch zu nutzen ist, wo Erdgastankstellen angeschlossen sind. Getestet wird auch, wie die Anlage auf Windschwankungen reagiert. Optimiert werden soll die Wirtschaftlichkeit, indem festgestellt werden soll, wann wie viel Wasserstoff in die Leitung zu einem möglichst günstigen Preis abgegeben werden kann. Die Wirtschaftlichkeit ist schlussendlich das Ziel des Pilotprojekts, das über die kommenden drei Jahre laufen soll.

Tatsächlich könnte die Anlage bereits heute nahe der Wirtschaftlichkeit arbeiten: Wären da nicht die Netzentgelte und EEG-Umlagen, die mit der Stromsteuer zwei Drittel der Stromkosten ausmachen. Die fallen auch für die Falkenhagener Anlage an, ebenso wie für andere Speichertechnologien. Etwa für die großen Pumpspeicherseen, in denen bis heute überschüssiger Strom verwendet wird, um Wasser hoch zu pumpen, dass dann bei Bedarf Turbinen antreibt, mit denen erneut Strom generiert wird. "Die Politik hat in Sachen Speichertechnik viel zu spät reagiert", stellten deshalb gestern auch diverse Fachleute bei der Inbetriebnahme fest.

Nicht von ungefähr kam dazu auch die Forderung von Mike Blechschmidt, für regionale Netze diese Umlagen abzuschaffen: "Die Unternehmen im Gewerbegebiet Falkenhagen wollen sich auf eine flexible Energienachfrage einlassen und sich an Entwicklungsprojekten für die direkte Nutzung von Wasserstoff beteiligen. Sie können auch Prozesswärme zur Verfügung stellen, damit aus dem Wasserstoff dann in einem zweiten Schritt, der Methanisierung, synthetisches Erdgas hergestellt werden kann."

Unterstützung für die "Europäische Pilotregion Energie und Wasserstoff Falkenhagen" stellte EU-Parlamentarier Christian Ehler gestern in Aussicht . Dass sich nun auch die Schweizer Swissgas AG am Falkenhagener Projekt mit einer Einlage von 20 Prozent beteiligt, unterstreicht die europäische Dimension des Projekts. Und auch das Land Brandenburg will nun die Lücke bei den Speichermöglichkeiten für Strom aus regenerativen Quellen schließen helfen. Carsten Ennepper, Abteilungsleiter Energie im Wirtschaftsministerium, kündigte an, dass Minister Ralf Christoffers ab dem kommenden Jahr eine Speicherinitiative fördern wolle. Wie dringend eine solche nötig ist, wurde gestern am Beispiel Falkenhagen deutlich. Am dortigen Umspannwerk sind Windräder mit einer Leistung von rund 400 Megawatt angeschlossen, das entspricht der Leistung eines halben Atomreaktors. Tatsächlich kann das Falkenhagener Umspannwerk jedoch nur die Hälfte, nämlich rund 200 Megawatt ins Mittelspannungsnetz ableiten: Übersteigt die Leistung der Windräder diese Strommenge, werden sie nach wie vor abgeschaltet. Um die Energie vor Ort nutzen zu können, wird bei Eon auch über den nächsten Schritt der Wasserstofftechnologie, über die Methanisierung, nachgedacht. Voraussetzung dafür ist, dass sich diese auch wirtschaftlich gestalten lässt, etwa mit den Unternehmen des Industriegebiets.

 

Von Claudia Bihler

Prignitz AOK Nordost legt Gesundheitsbericht vor - Menschen in der Prignitz häufiger krank

Der Krankenstand der bei der AOK Nordost versicherten Arbeitnehmer im Landkreis Prignitz ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr angestiegen und lag bei 6 Prozent. 2011 waren es noch 5,7 Prozent. Damit war dieser höher als der durchschnittliche Landeswert von 5,7 Prozent für Brandenburg. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsbericht der AOK Nordost.

28.08.2013
Prignitz BUND erarbeitete Konzept - Alternative zur A 14 vorgestellt

Am Dienstag wurde in Wittenberge eine Konzeptentwurf des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Ausbau der Bundesstraßen als Alternative zur Autobahn14 vorgestellt, den Wilfried Treutler und Jürgen Randau vom BUND-Kreisverband Prignitz erarbeitet hatten.

28.08.2013
Prignitz Ab Montag wird der Anschluss Meyenburg in Richtung Hamburg saniert - Ausfahrt wird komplett gesperrt

Autofahrer, die auf der A24 in Richtung Hamburg fahren, müssen sich ab Montag auf Staus und Behinderungen einstellen. Ab dem 2. September wird die Ausfahrt Meyenburg für zwei Wochen gesperrt. Auf der Gegenseite bleibt die Ausfahrt offen.

28.08.2013