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Prignitz Familiäre Pflege auf dem Martinshof
Lokales Prignitz Familiäre Pflege auf dem Martinshof
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00:17 01.03.2017
Heinz Trusewitz erledigt auch selbst mal kleinere Küchenarbeiten und hilft damit Schwester Svetlana Burchart. Quelle: Claudia Bihler
Grabow

Der Tisch im Esszimmer mit Blick auf den Garten ist bereits mit Kaffeetassen und Milchbrötchen gedeckt, als Siegfried Niebius seine Einladung über die Lautsprecher schickt: „Sie können jetzt alle zum Kaffeetrinken kommen.” Im Hintergrund spielt Musik, dann öffnet sich eine Tür nach der anderen, die Bewohner der Grabower Altenpflegefamilie „Martinshof” erscheinen und setzen sich. Peter Gatz (70), macht sich zwar Sorgen, ob die Brötchen weich genug sind, doch als ihn Siegfried Niebius, Gründer der Einrichtung, beruhigt, greift er zu wie alle anderen.

„Die gemeinsamen Mahlzeiten sind ein ganz wesentlicher Aspekt unseres Zusammenlebens hier”, sagt Niebius. Der Begriff „Altenpflegefamilie” wird hier ernst genommen: Neben den Mahlzeiten gehen die Mitglieder der Familie zweimal täglich gemeinsam spazieren, im Sommer führen Ausflüge zweimal pro Woche nach Plau am See, wer im Krankenhaus liegt, bekommt Besuch der übrigen Bewohner. Abends kann zusammen musiziert werden. Nur Brettspiele sind unter den Bewohnern nicht so gefragt – dafür sind sie alle zu sehr Individualisten. Ilse Rössel-Baptist hat früher einmal die Vertretung von Tupperware in Südafrika geleitet, heute liest sie ihren Mitbewohnern gerne mal aus der Bibel vor. Das Ehepaar Niebius reiht sich ins Familienleben auch selbst ein – einer der beiden ist ständig vor Ort. Siegfried Niebius: „Aber wir können uns auch zurücknehmen, wenn das für jemanden besser ist. Das ist unser Geheimnis.”

Lediglich fünf Bewohner hat die Einrichtung in Grabow

Für „Leben in der Bude” sorgen die Yorkshire-Terrier, die durchs Haus toben und von den Bewohnern umsorgt werden – wie etwa von Heinz Trusewitz, der den Tieren auch mal hoch in den ersten Stock hilft, wenn es ihre kurzen Beine am Abend nicht mehr nach oben schaffen.

Lediglich fünf Bewohner hat die Einrichtung in Grabow (Gemeinde Kümmernitztal). Die älteste Dame, Erika Wosmann, ist bereits über 80 Jahre alt, der jüngste Bewohner Wolfgang Preiss 57 Jahre. Als Wolfgang Preiss nach Grabow kam, wollte er in dem kleinen Dorf in der Prignitz zunächst nur Urlaub machen. Nach einem Unfall beschloss er dann, dort zu bleiben. Acht Jahre sind es inzwischen, doch damit ist er einer derjenigen mit der kürzesten Verweildauer. Andere leben bereits zwölf oder gar 16 Jahre hier.

Wie in anderen Einrichtungen werden auch Pflegebedürftige mit Demenz oder psychischen Erkrankungen aufgenommen – dennoch: „Die lange Verweildauer ist die Regel bei uns”, sagt Siegfried Niebius. Und so gibt es in der Grabower Pflegefamilie erst gar keine Warteliste.

Wie in einer Familie treffen sich alle zu den Mahlzeiten am Esstisch. Quelle: Claudia Bihler

Wenn doch einmal neue Mitglieder aufgenommen werden sollen, dann haben die Bewohner ein Mitspracherecht. „Neue Mitglieder müssen zu uns passen”, bestätigt Wolfgang Preiss.

Bisher ist das Auswahlverfahren erfolgreich gewesen. Nur ein einziges Mal musste ein Neuankömmling am nächsten Tag wieder gehen. Dem haben die Bewohner den Beinamen „Der Wilde“ gegeben, denn er hatte für einige Turbulenzen in der Einrichtung gesorgt. „Aber das ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her”, erinnert sich Siegfried Niebius. Einzige Ausnahme sind die Gäste, die zur Kurzzeitpflege für ein paar Tage oder Wochen ins Haus kommen, etwa, wenn ihre Verwandten Urlaub haben. Diese müssen sich nicht dem Aufnahmeverfahren stellen.

Fast wie in einer ganz normalen Wohngemeinschaft funktioniert das Zusammenleben. Das Haus ist umgeben von einem riesigen schön gestalteten Garten. Jeder Bewohner hat ein großzügiges Zimmer mit Bad und Terrasse. Wer raus möchte, hat jederzeit die Möglichkeit dazu.

Die weitläufige Gartenanlage des Martinshofes ist auch für Außenstehende zugänglich. Quelle: Siegfried Niebius

Wer von den Bewohnern im weitläufigen Garten ein wenig Hand anlegen möchte, ist willkommen, obwohl es natürlich auch einen Gärtner gibt. Auch um ihre Zimmer können sich die Martinshofler selbst kümmern, wenn sie das möchten und in der Lage dazu sind. Erika Wosmann etwa sorgt mit ihren 83 Jahren selbst für Ordnung in ihrem Reich.

Gekocht wird in der Einrichtung regelmäßig selbst. Siegfried Niebius, der selbst einmal Koch gelernt hat: „Bei uns arbeiten insgesamt acht Leute von der Pflegefachkraft über Pflegehelfer bis zur Hauswirtschafterin und teilen sich vier Stellen – kochen muss im Prinzip jeder können.” Derzeit sucht Familie Niebius weiteres Pflegepersonal – Fachkräfte, oder auch Helfer mit Erfahrung. Mit ihren fünf Bewohnern ist die Einrichtung voll belegt, zuvor hatte es sechs Plätze gegeben. Trotz ihres kleinen Umfangs ist das Haus in Grabow an alle gesetzlichen Vorgaben gebunden.

„Häufig denken die Leute, dass hier nur sehr Wohlhabende sich eine Pflege leisten können“, meint Siegfried Niebius, „aber wir haben hier auch Leute, deren Pflege hier teilweise vom Sozialamt finanziert wird.“ Da die gesetzlichen Regelungen in Brandenburg künftig keine Doppelzimmer mehr zulassen, gibt es inzwischen nur noch Einzelzimmer. Zudem plant Niebius eine Erweiterung der Einrichtung auf insgesamt zwölf Plätze. „Der familiäre Charakter soll aber erhalten bleiben.”

Von Claudia Bihler

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