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Festnahme von Straftäter beinahe eskaliert

Karstädt (Prignitz) Festnahme von Straftäter beinahe eskaliert

Ein 36-Jähriger aus Grabow (Prignitz) versucht, seiner Festnahme zu entgehen, indem er auf einen Polizisten zufährt. Ein Beamter schießt in Karstädt auf die Reifen, um den Fluchtwagen zu stoppen. Eine Tankstellenmitarbeiterin hört die Schüsse – und denkt, sie sei im falschen Film.

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Polizisten untersuchten am Dienstag das Gelände an der Tankstelle.

Quelle: Andreas König

Karstädt. Zunächst dachte Frau Schmidt, ein Fahrradschlauch sei geplatzt. Doch dem ersten Knall, der die Luft an der Raiffeisen-Tankstelle in Karstädt zerriss, folgten kurz nacheinander zwei weitere. „Da dachte ich mir schon, dass geschossen wurde“, sagt Frau Schmidt, die ihren Vornamen nicht in der Zeitung lesen will.

Ein 36-jähriger gesuchter Straftäter aus dem nahe liegenden Grabow in Mecklenburg Vorpommern wurde am Montagnachmittag in Karstädt festgenommen. „Wir haben den Mann schon seit längerem gesucht“, sagt der Pressesprecher der Polizeidirektion Ludwigslust, Klaus Wiechmann. Acht speziell für Festnahmen ausgebildete Beamte folgten dem Tatverdächtigen unbemerkt von dessen Heimatort bis nach Karstädt. An der dortigen Tankstelle sollte der Zugriff erfolgen. „Der Mann war langsam auf das Tankstellengelände gefahren und hatte sich an der Ausfahrt gleich so hingestellt, dass er weiterfahren konnte“, erinnert sich Frau Schmidt.

Spezialkräfte der Polizei blockierten den Fluchtweg

Die Spezialkräfte aus Mecklenburg-Vorpommern blockierten den Fluchtweg des Mannes, doch der fuhr mit seinem silberfarbenen Kombi auf einen der Beamten zu. „Der Beamte rettete sich mit einem Sprung zur Seite und gab nach bisherigen Erkenntnissen drei Schüsse auf das Fahrzeug des Tatverdächtigen ab, speziell auf die Reifen, erklärte Klaus Wiechmann. Trotz des dreifachen „Platten“ gelang es dem Mann, über die Bordsteinkante zu fahren. Erst nach etwa 1000 Metern endete seine Fahrt an einer Milchviehanlage. Der 36-jährige verurteilet Straftäter wollte zu Fuß weiter fliehen, doch die Beamten stellten ihn.

Die Fahrspur zeigt, wo der Mann auf den Polizisten zufuhr

Die Fahrspur zeigt, wo der Mann auf den Polizisten zufuhr. An den rot gekennzeichneten Stellen lagen die Patronenhülsen.

Quelle: Andreas König

In Brandenburg sind sowohl Polizisten als auch normale Bürger in diesen Tage besonders sensibilisiert, wenn jemand sein Auto als Waffe missbraucht. Der Schock von Beeskow, wo ein 24-Jähriger zwei Beamte mit seinem Auto umfuhr und dabei tödlich verletzte, sitzt tief. „Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert“, sagt Frau Schmidt. Dabei seien Schüsse auf einem Tankstellengelände eine doppelt beunruhigende Vorstellung. „Es hätte ja auch ein Querschläger umherfliegen können“, sagt die Mitarbeiterin. Sie selbst habe jedoch von all dem wenig mitbekommen. „Es dauerte höchstes eine Minute, dann waren der Mann in dem Auto und die anderen Herren schon wieder weg“, sagt Frau Schmidt. „Ich dachte wirklich, ich bin im falschen Film.“ Mitarbeiter eines Vermessungsbüros, die an der Postliner Straße zu tun haben, waren zum Zeitpunkt des Einsatzes der Gefahr wohl am nächsten, sagt die Tankwartin.

Die Fahndung lief über mehrere Monate

Die Beamten aus dem Nachbarland wussten, dass sie es mit einem gefährlichen Mann zu tun haben. „Wir haben nach dem Täter schon seit Monaten gefahndet“, sagte Klaus Wiechmann, Pressesprecher der Polizeidirektion Ludwigslust. Während der Fahrt von Grabow nach Karstädt seien Beamte in Zivilfahrzeugen dem Mann gefolgt.

Der gefährliche Täter wurde am Dienstag aus dem Polizei-Arrest in Perleberg nach Schwerin in eine Justizvollzugsanstalt überstellt, informierte Staatsanwalt Jürgen Schiermeyer. Dort muss der Mann eine Haftstrafe wegen Diebstahls verbüßen. In Brandenburg wird gegen ihn weiter ermittelt.

Von Andreas König

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