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Fichten im Hainholz vom Käfer befallen

Pritzwalk Fichten im Hainholz vom Käfer befallen

Traditionell zum Frühlingsanfang steht im Pritzwalker Hainholz der Tag des Waldes an. Dabei zeigte Revierförster Olaf Bergmann vielen interessierten Bürgern die Fichtenbestände, denen es nicht gut geht: Ein Drittel ist von einem Schädling befallen. Derweil verkündete Vizebürgermeister Ronald Thiel, an einer Gesamtstrategie für das Hainholz zu arbeiten.

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Ein Drittel des Fichtenbestands im Hainholz ist befallen, wie Olaf Bergmann (M.) an Ort und Stelle zeigt.

Quelle: Bernd Atzenroth

Pritzwalk. Das Hainholz bewegt die Pritzwalker, das haben nicht erst die jüngsten aktuellen Diskussionen um den beschlossenen Verkauf der Hainholz-Baumschule gezeigt. Und so war das Interesse an der Wanderung im Hainholz zum Tag des Waldes auch eingedenk des Regenwetters zum Frühlingsanfang diesmal sehr groß. Unter den zahlreichen Teilnehmern war als Vertreter der Stadt auch der Vizebürgermeister Ronald Thiel.

Doch es gibt genug weitere Themen rund um das Waldgebiet, die Revierförster Olaf Bergmann bei der gut eineinhalbstündigen Wanderung ansprach, vom natürlichen Zusammenspiel der Bäume wie Buche und Eiche, aber auch Buche und Kiefer und von der schonenden wirtschaftlichen Nutzung des Baumbestandes.

Im Mittelpunkt stand aber am Montag der Baum des Jahres, wofür diesmal die Fichte auserkoren worden ist. Einem Drittel des gesamten Fichtenbestandes im Hainholz geht es im Moment nicht gut, treibt doch der achtzähnige Fichtenborkenkäfer, auch kurz Ips genannt, derzeit sein Unwesen. „Er steckt noch voll in der Fläche drin“, erklärte Bergmann seiner zahlreichen Zuhörerschaft. Die Folge: In den kommenden zwei bis drei Wochen muss die betroffene Fläche durchgeschlagen werden.

Hier wird wohl nicht mehr viel zu retten sein, denn die Rinde fällt bereits vom Baum ab

Hier wird wohl nicht mehr viel zu retten sein, denn die Rinde fällt bereits vom Baum ab.

Quelle: Bernd Atzenroth

Diese radikal klingende Maßnahme ist nicht zu vermeiden, alleine um ein Überspringen auf die noch gesunden Bestände zu verhindern. Olaf Bergmann: „Wir kämpfen, um die Sache zum Halten zu bringen. Es besteht unmittelbarer Handlungsbedarf.“ Denn der Schädling sitzt im Holz und frisst sich quasi nach außen. Fällt erst einmal die Rinde vom Baum ab, dann ist der klinisch tot. Olaf Bergmann deutete auf ein paar Bäume, deren Nadeln nicht mehr grün waren: „Die gelben Bäume sind vom Käfer befallen.“ Anderen Fichten fehlen die Nadeln, und auch solche, bei denen die Rinde bereits abbröckelt, lassen sich schnell ausmachen. Olaf Bergmann leicht ironisch: „Eigentlich sollten die Fichten 100 Jahre alt werden – das wird knapp.“ Die Bestände im Hainholz sind etwa 45 Jahre alt.

Thiel arbeitet an Strategie fürs Hainholz

Ronald Thiel hatte einen Grund, um diesmal an der Waldwanderung teilzunehmen. Der Vizebürgermeister, der im Herbst für das Bürgermeisteramt kandidiert, bekundete gegenüber der MAZ, an einer Gesamtstrategie für das Hainholz zu arbeiten. „Dies ist notwendig für die Zukunft“, sagte er. Dabei sei entscheidend, ob wirtschaftliche Erwägungen oder der Naherholungswert nach vorne gestellt würde. Thiel: „Es muss festgeschrieben werden, an welchen Stellen wir was wollen.“ Schließlich „haben wir in Pritzwalk nicht so viel Forst“. Zu den jüngsten Diskussionen um den Verkauf der alten Baumschule nahm er keine Stellung.

 

Mit modernen Gerätschaften können die Brutnester immerhin auf ein Minimum reduziert werden. Ist der Harvester aber erst einmal im Fichtenwald unterwegs gewesen, muss auch möglichst sofort das befallene Holz aus dem Wald gefahren werden – die Käfer würden sich ansonsten sofort neue Bäume aussuchen. Hierfür sollen potenzielle Abnehmer wie die Firma Swiss Krono in Heiligengrabe angesprochen werden. „Der Käfer frisst weiter“, so Bergmann. Auf die Frage eines Bürgers erklärte er übrigens, dass die „chemische Keule“ in diesem Falle gar nichts nutzen würde und nur das gewählte Verfahren in Frage komme.

Der Regen schreckte keinen Teilnehmer von der Wanderung ab

Der Regen schreckte keinen Teilnehmer von der Wanderung ab.

Quelle: Bernd Atzenroth

Ohnehin ist die Fichte ein Baum, der eigentlich nicht nach Brandenburg gehört. Sie ist ein klassisches Gebirgsgewächs und braucht viel Wasser, wie Bergmann seiner Zuhörerschaft weiter erläuterte. So war am verregneten Montag ein Tag, der den Fichten zwar gut getan hat, der aber nicht der Regelfall ist. Olaf Bergmann: „Wir haben deswegen leider Probleme mit der Fichte in Brandenburg, denn sie ist hier nicht standortgerecht.“

Im Gegensatz zu anderen Bäumen sorgt die Fichte auch nicht für eine Flora und Fauna am Waldboden, die auch anderen Lebewesen zugutekommt, wie Bergmann weiter erklärte: „Der Boden versauert durch die Nadeln – hier verzweifelt der Regenwurm.“ Gleichwohl sollen die noch vorhandenen Bestände im Hainholz nun gerettet und erhalten werden.

Von Bernd Atzenroth

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