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Prignitz Film über Deutsche in sowjetischen Gulags
Lokales Prignitz Film über Deutsche in sowjetischen Gulags
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00:17 23.10.2016
Der Historiker Wladislaw Hedeler führte ins Thema der Deportation in die Straflager ein. Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

Nur wenige kamen zurück. 8000 deutsche Exilanten hielten sich zwischen 1933 und 1945 in der Sowjetunion auf. Sie wollten beim Aufbau des Sozialismus helfen, kamen im Auftrag der KPD oder waren vor Hitler geflohen. Registriert wurden nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch nur 1500 Rückkehrer.

„Über das Schicksal all der anderen gibt es keinen Nachweis“, sagte Wladislaw Hedeler am Mittwochabend im DDR-Geschichtsmuseum. Der promovierte Historiker gab eine Einführung in den Film „Im Schatten des Gulag“ von Loretta Walz, der an diesem Abend auch in voller Länge gezeigt wurde. Acht Frauen und Männer, die als Kinder von deutschen Exilanten in der Sowjetunion geboren wurden, berichten von ihrem Leben. „Hier werden Familiengeschichten erzählt“, erklärte Wladislaw Hedeler, der selbst 1953 in Tomsk geboren wurde.

Es herrschte tiefes Schweigen über die Schicksale

In die Freude, im Land des Sozialismus angekommen zu sein, die Exilanten kamen fast immer nach Moskau, mischte sich bald Angst. Im Hotel Lux horchten sie nachts auf die Stiefelschritte von Uniformierten, die durch die Flure gingen. Wen haben sie diesmal geholt? Doch, wie die Kinder der Exilanten berichteten, wurde nie darüber gesprochen, ob jemand oder wer abgeholt wurde. Die Angst lähmte alle.

Die Berichtete ähnelten einander. Der Vater war plötzlich weg. Er stand vor der Wahl, das Geständnis, ein Spion, Konterrevolutionär oder Volksfeind zu sein, zu unterschreiben oder er wurde gleich erschossen. Die meisten unterschrieben und gingen für zehn und mehr Jahre ins Arbeitslager. Die Frauen mit ihren Kleinkindern wurden des Hauses verwiesen – ohne Unterkunft und ohne Arbeit standen sie im Ungewissen. Denn wer wollte schon die Frau eines Volksfeindes beschäftigen. Ein kritisches Hinterfragen oder auch nur Hinterdenken der Verhaftungen, der Gefängnisse und der Lager gab es allerdings nicht. Die Exilanten akzeptierten sogar, dass die Feinde des Sozialismus bekämpft werden müssen. Man wusste zwar, dass der Ehemann oder Vater unschuldig war. Aber das konnte nur ein Missverständnis sein, das sich bald aufklären würde.

Chruschtschow wollte die deutschen Kommunisten los werden

Mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion verschärfte sich die Situation. Alle Deutschen waren jetzt Faschisten. Auch die Frauen kamen ins Arbeitslager, die Kinder in Waisenheime, wo sie Lieder über die Schönheit des Lebens im Sozialismus sangen. In den Lagern wurde bis zum Umfallen geschuftet, es ging ums nackte Überleben. Gras wurde gekocht, Igel und Schildkröten gefangen. In dem Film erinnerte sich ein Mann, wie er in die Gulag-Stadt Karaganda kam. Eine Stadt ohne einen Quadratmeter gepflasterte Straße, ohne Kanalisation, die 350 000 Einwohner hausten in Erdhöhlen, die sie selbst gegraben hatten.

Und dennoch: Als Stalin 1953 starb, weinten auch die Exilanten-Kinder. Die Aussicht in das völlig unbekannte, faschistische Deutschland überzusiedeln zu müssen, schreckte sie. Aber der neue sowjetische Führer Chruschtschow wollte die deutschen Kommunisten und deren Kinder loswerden.

Opferrente für Rückkehrer, aber nicht als Opfer des Sowjetsystems

Mitte der 1950er Jahre trafen sie nach und nach im Berliner Ostbahnhof ein. Die Kinder sprachen oft kein Wort Deutsch. Einer der Ankömmlinge berichtete, er wähnte sich im Paradies. Da sah er einen Bäckerladen, vor dem man nicht zwei Tage anstand und dabei nicht wusste, ob Brot kam oder eben nicht. Hier konnte man in den Laden gehen und Brot kaufen und sogar Kuchen.

Fast alle Rückkehrer blieben in der DDR, um den Sozialismus aufzubauen. Sie wurden Mitglied der SED und hielten sich daran, über ihre Erlebnisse im Heimatland des Sozialismus zu schweigen. Wem sollte es nützen, über die Verbrechen zu sprechen, die Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen? Doch nur den Feinden des Sozialismus. Die Rückkehrer erhielten eine Opferrente, jedoch nicht als Opfer des sowjetischen Systems, sondern als Verfolgte des Naziregimes. Wie Wladislaw Hedeler erklärte, verweigerte die Sowjetunion und auch später Russland jede Form der Entschädigung. Anträge zur Rehabilitation werden erst dann bearbeitet, wenn man eine Verzichtserklärung auf Entschädigung unterschrieben hat.

Von Michael Beeskow

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