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Firma in Wolfshagen hofft auf Flüchtlinge

Arbeit Firma in Wolfshagen hofft auf Flüchtlinge

Viele Prignitzer Unternehmen hoffen darauf, bald Flüchtlinge einstellen zu können. In der Praxis ist das aber bislang noch nicht so einfach, wie zum Beispiel der Ernst Hüffmeier von der Firma WDM in Wolfshagen zu berichten weiß. Er wünscht sich mehr Koordination bei der Vermittlung.

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Der Drahtverarbeitung und der Produktion von Drahtgittern hat sich die Firma WDM in Wolfshagen verschrieben.
 

Quelle: Bernd Atzenroth

Wolfshagen.  Soll Integration von Flüchtlingen gelingen, so sollten sie im Idealfall Beschäftigung haben, sobald sie dies dürfen. Die Bereitschaft von Unternehmen, aus der Schar der Neuangekommenen jemanden einzustellen, ist da. Allein: Es scheint noch nicht so zu klappen, wie sie sich das vorstellen.

Davon weiß Ernst Hüffmeier zu berichten. Er ist Geschäftsführer der Firma WDM in Wolfshagen, die sich der Drahtverarbeitung und der Produktion von Drahtgittern verschrieben hat. Hüffmeier und sein Produktionsleiter Christian Satow hatten sich schon frühzeitig mit der Arbeitsagentur in Verbindung gesetzt, weil sie dazu bereit sind, Flüchtlinge einzustellen. „Passiert ist erst einmal gar nichts“, zeigte sich Hüffmeier enttäuscht, obwohl er auch betont, wie gut sein Kontakt zum zuständigen Mitarbeiter bei der Arbeitsagentur eigentlich ist. Hüffmeier steht mit dieser Erfahrung nicht allein da, wie er aus Gesprächen mit anderen Unternehmern weiß.

„Wir haben wirtschaftliche Gründe“, sagt Hüffmeier, der die Beschäftigung von Flüchtlingen als Chance ansieht, auch für die Gesellschaft. Seinem Unternehmen geht es gut, er könnte immer weitere Arbeitskräfte gebrauchen. Und: „Vielleicht haben die ja auch Bock zu arbeiten.“ Das sei im Übrigen die Meinung vieler Unternehmer, „aber keiner weiß so richtig, wo es langgeht“. Vor allem wissen die Unternehmer offenbar nicht, wie sie an die interessierten und geeigneten Flüchtlinge herankommen. „Ein Deutscher kommt einfach und schreibt seine Bewerbung“, sagt Hüffmeier. „Das geht aber bei den Flüchtlingen so nicht.“ Ihm fehlt so etwas wie ein Koordinator, der Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammenbringt, zumal dies die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer überfordern würde. Vorstellen könnte er sich, dass ähnlich Schulklassen eine Gruppe von Asylbewerbern, etwa aus dem nahen Groß Langerwisch, gemeinsam kommt und sich den Betrieb anschaut und dass er so in Kontakt mit den Interessierten und Geeigneten unter ihnen kommt.

In der Tat ist die Beschäftigung von Flüchtlingen „aktuell eher die Ausnahme“, wie es Nadja Heidrich von der Agentur für Arbeit formuliert. Soll heißen: Die Flüchtlinge beginnen erst nach und nach im deutschen Arbeitsmarkt anzukommen. Und sie kann durchaus verstehen, dass dies manche Arbeitgeber überrascht.

Das Jobcenter betreut in der Region eine zweistellige Anzahl von Syrern, was passiert, wenn ihr Asylantrag positiv beschieden worden ist, und die Arbeitsagentur eine „deutlich niedrigere Zahl.“

Dabei unternimmt laut Heidrich die Agentur einiges, um die Menschen anzusprechen und zu erfassen. Den Fokus legt die Behörde dabei auf die Menschen mit hoher Bleibeperspektive, also Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea. „Wir gehen aktiv auf die Menschen zu , sprechen Teilnehmer in den Einstiegssprachkursen an.“ Die Agentur will auch Aufschluss haben über die Altersstruktur. Und die Menschen zeigen viel Interesse an einer Arbeitsaufnahme, selbst wenn ihr Asylantrag noch nicht bewilligt ist. In der Arbeitsagentur nehmen deshalb die zuständigen Kollegen die Kurzprofile von immer mehr Flüchtlingen auf und erfassen dabei ihre Kompetenzen, zwischenzeitlich für rund 100 Personen aus diesen Ländern.“

Problem: Formal dürfen Flüchtlinge zwar ab dem vierten Aufenthaltsmonat mit Zustimmung der Ausländerbehörde eine Beschäftigung aufnehmen. „Aber das ist nicht immer so einfach umzusetzen“, weiß Nadja Heidrich. Wir erhalten von den Unternehmen die Rückmeldung, dass die bürokratischen Hürden hoch sind. Da ist viel Geduld, Ausdauer und eine gute Abstimmung erforderlich. Betriebliche Erprobungen sind in vielen Fällen unkompliziert. Da bedarf es keines besonderen Aufwands und profitieren können beide Seiten. Der Arbeitgeber macht sich ein Bild von den Talenten und der „Geflüchtete“ kann seine Stärken testen und ob er in den Betrieb passt. Für die laufenden Verfahren ist bei einer geplanten Arbeitsaufnahme die Ausländerbehörde wichtiger Partner.“

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge versucht übrigens seinen Antragsstau dergestalt zu verringern, dass zunächst der große Stapel mit Anträgen von Menschen mit geringer Bleibeperspektive abgearbeitet wird. Kann sein, dass sich das ab April etwas ändert – dann dürfte das Arbeitskräfteangebot aus dem Spektrum der Flüchtlinge auch wachsen.

Hüffmeiers Initiative findet sie grundsätzlich gut. Viele Asylbewerber können individuelle Fahrkostenerstattungen erhalten. Und sie hat noch eine andere Idee: eine Art Flüchtlingsbörse, bei der die Agentur in ihren Räumen potenzielle Arbeitnehmer und Arbeitgeber an einem Tisch zusammenbringt. Auf jeden Fall seien Arbeitsagentur und Jobcenter gesprächsbereit.

Gespräche wird auch Ernst Hüffmeier weiter führen. Am kommenden Mittwoch wird er mit Ministerpräsident Dietmar Woidke höchstselbst darüber sprechen, der die Firma besucht.

 

Von Bernd Atzenroth

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