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Flüchtlinge verlassen Prignitzer Dörfer

Schönhagen Flüchtlinge verlassen Prignitzer Dörfer

Immer mehr Flüchtlinge und Asylbewerber kehren den Prignitzer Dörfern den Rücken. Als Hauptgrund nennt der Landkreis den stagnierenden Zuzug.Mit 615 neuen Flüchtlingen hat die Prignitz ihr Soll bereits übererfüllt. Daher werde Wohnraum in den Städten frei. Betroffene, wie die syrische Familie Kweder, nennen auch verschlechterte Busverbindungen als Grund.

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Bahera Halak und Abdulrazzak Kweder aus Syrien wohnen mit ihren Kindern in Schönhagen bei Pritzwalk – noch.

Quelle: Andreas König

Schönhagen/Groß Pankow. Kein Telefon, kein Internet und jetzt auch kein Bus. Wenn die syrische Familie Kweder nicht ohnehin aus ihrer Wohnung in Schönhagen müsste, würde sie den Umzug beantragen. Die siebenköpfige Familie aus dem vom Krieg stark betroffenen Homs ist seit neun Monaten in Schönhagen. „No Deutschkurs“, sagt Abdulrazzak Kweder. Es sind die wenigen Vokabeln, die die Flüchtlinge ständig brauchen, um zurecht zu kommen. Bahera Halak Kweder spricht englisch.

Einkäufe, Behördengänge Arztbesuche werden schwieriger

Vor kurzem erhielt die Familie den Aufenthaltstitel. Das heißt, sie muss erst einmal keine Angst vor Abschiebung haben. Aber das tägliche Leben ist nicht einfach zu organisieren. Vor allem, seit dem 1. August, als der neue Busfahrplan in Kraft trat, fällt es den Kweders noch schwerer, die Einkäufe zu erledigen, zu Ämtern und Behörden zu kommen oder zum Arzt. „Now we have Rufbus“, sagt Bahera Halak Kweder. Doch der Mann in der Rufzentrale des Busunternehmen konnte ihr nur eine Fahrt in frühestens drei Stunden zusagen. Für die Kweders hat der Aufenthalt in Schönhagen ohnehin bald ein Ende. Im September wahrscheinlich soll die Familie eine neue Wohnung beziehen.

Tendenz zur Landflucht ist Verantwortlichen beim Kreis bekannt

Manuela Krutzky, als stellvertretend Sachbereichsleiterin beim Landkreis Prignitz für Asylfragen zuständig, kennt die Tendenz, dass Flüchtlinge und Asylbewerber vermehrt die Dörfer verlassen, um in die Städte zu ziehen. „Es liegt vor allem daran, dass voraussichtlich in absehbarer Zeit wohl keine weiteren Flüchtlinge in die Prignitz kommen“, erklärt Manuela Krutzky. Der Landkreis sollte für dieses Jahr 606 Asylbewerber aufnehmen, 615 wurden zugewiesen. „Zusammen mit einem Überhang aus dem Vorjahr haben wir 27 Personen über dem Soll“, sagt die stellvertretende Sachbereichsleiterin. Das sind dennoch viel weniger Menschen als noch im vergangenen Jahr angenommen.

Flüchtlinge haben unterschiedliche Gründe, die Dörfer zu verlassen

Weil seinerzeit die Quartiere in den Städten knapp wurden, wich der Landkreis auf die Dörfer aus. Doch dieser Prozess kehrt sich um. „Dafür gibt es unterschiedliche Gründe“, sagt Manuela Krutzky. Die Einkaufsmöglichkeiten sind in den Städten besser, die Flüchtlinge treffen schneller Landsleute und auch die ärztliche Versorgung sei besser wahrzunehmen. „Dass nun wegen des neuen Fahrplans eine Art Landflucht einsetzt, kann ich so nicht bestätigen“, sagt Manuela Krutzky.

Zu wenig Flüchtlingskinder für Integrationscamp

In der Gemeinde Groß Pankow sieht man das anders. Sowohl aus Lindenberg als auch Rohlsdorf und Retzin ziehen die Flüchtlinge weg. „Für unser Integrationscamp, das am Wochenende in Groß Woltersdorf stattfindet, mussten wir bereist in anderen Orten nach teilnehmenden Kindern nachfragen“, sagte der Groß Pankower Ordnungsamtsleiter Karsten Lehmann.

Alle Bürger brauchen eine gute Verkehrsanbindung

Awo-Sozialarbeiterin Ines Franke sieht die Sache pragmatisch. „An sich ist das Leben auf dem Dorf ganz gut. Der Kontakt zu den Einheimischen ist doch schneller aufgebaut als in der Stadt. Aber wenn der Landkreis jetzt wieder mehr Wohnungen in den Städten hat, ist es auch gut. Den neuen Busfahrplan findet aber auch Ines Franz nicht gut. „Kleiner Dörfer werden in der Ferienzeit völlig abgehängt. Und eine gute Verkehrsanbindung brauchen alle Bürger, egal ob Flüchtlinge oder Deutsche.“ Immerhin bekommen die Kweders im September den erhofften Deutschkurs. Er ist Tierarzt, sie Lehrerin. Für diese Kenntnisse sollte es in der Prignitz doch Bedarf geben.

Von Andreas König

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