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Prignitz Flüchtlinge wollen Beruf erlernen
Lokales Prignitz Flüchtlinge wollen Beruf erlernen
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00:17 26.11.2016
Staatssekretär Thomas Drescher besuchte die Versorgungseinrichtung in Pritzwalk und brachte den jungen Asylbewerbern einen Fußball als Gastgeschenk mit. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Nein, Fragen im eigentlichen Sinn hat keiner der junge Flüchtlinge an Thomas Drescher. Bei seiner Kreisreise durch die Prignitz besucht der Staatssekretär aus dem brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport auch die Versorgungseinrichtung für unbegleitete minderjährige Asylbewerber in Pritzwalk.

22 junge Männer sind dort gegenwärtig untergebracht, berichtet Jugendamtsmitarbeiter Rico Weißer, der die Einrichtung leitet. Sie alle „werden beschult“, wie es Amtsdeutsch heißt. Das bedeutet, sie lernen an fünf Tagen in der Woche am Oberstufenzentrum in Pritz­walk. Die Altersgefährten, die bereits bei sozialen Trägern in der Prignitz untergebracht worden sind, lernen teilweise auch in Wittenberge, je nachdem, was näherliegt“, erklärt Rico Weißer.

Kaum Streit zwischen Landsleuten

Auf dem Lehrplan steht ein angepasstes Programm. Etwas Mathe, Sport, Wirtschaft und Soziales und ganz viel Deutsch. Der Erfolg ist unüberhörbar. Mit den Vertretern aus der Landes- und Kommunalpolitik können sich die jungen Männer schon ganz gut verständigen. „Ich möchte Fitnesstrainer werden“, sagt Sadeq Naerzai. Der junge Mann aus Afghanistan möchte, wie die meisten seiner Alters- und Schicksalsgefährten hierbleiben. Klar, dass damit Deutschland gemeint ist. Ob der Wunsch die Prignitz als Zuhause einschließt, lässt sich nicht so genau sagen.

Rico Weißer berichtet von den Integrationskursen, die anfänglich alle unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber absolvieren mussten. „Das hat nicht jedem gefallen, ist aber notwendig“, berichtete der Sozialarbeiter. Streit zwischen den verschiedenen Landsleuten gebe es so gut wie gar nicht. „der kleinste gemeinsame Nenner ist deutsch“, fasst Rico Weißer zusammen.

Praxistag oder Sprachunterricht

Das Land und der Landkreis möchten den Zustrom nutzen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Daher soll der Unterricht verstärkt auf die Berufsvorbereitung orientieren. „Was haltet ihr davon“, fragte Thomas Drescher, „wenn ihr statt fünf Tagen Unterricht vier Tage habt und einen Tag in einen Betrieb geht, um den kennenzulernen?“ Ganz angekommen ist die Frage nicht, denn die erste Antwortet der jungen Männer lautet wie aus einem Mund „Alles gut.“

Als Dolmetscher und Koch Ahmad Wafai die Frage übersetzt, ist etwa die Hälfte für den Praxistag, während die andere Hälfte eher eine Fünf-Tage-Unterrichtswoche befürwortet. „Dass die jungen Flüchtlinge deutsch lernen und eine Berufsausbildung machen, ist uns sehr wichtig“, erklärt der Staatssekretär. Alle sollen diesen Zyklus durchlaufen, unabhängig davon, wie ihr Chancen stehen, ein Bleiberecht zu bekommen.

Psychosomatische Schmerzen

„Es ist vorgesehen, dass Asylbewerber in Ausbildung während dieser Zeit nicht abgeschoben werden dürfen“, sagt Christian Müller, Erster Beigeordneter des Landrates. Das würde für einige der langsam aber sicher auf die Volljährigkeit zusteuernden jungen Männer etwas mehr Sicherheit bringen. Wie es mit dem Asylverfahren weitergeht, wissen die meisten nicht.

Wohl aber ist ihnen bewusst, dass ihre Tage in der Versorgungseinrichtung gezählt sind. Die kreisliche Institution soll zum Jahresende aufgelöst, die Immobilie der Bildungsgesellschaft Pritzwalk übertragen werden. Ein entsprechender Beschlussentwurf liegt dem Kreisausschuss bereits vor.

„Bei Bedarf werden wir die Jungs auch drüber hinaus betreuen“, verspricht Geschäftsbereichsleiterin Danuta Schönhardt. Nötig sei das beispielsweise psychologisch oder auch medizinisch. Bei einigen jungen Männern haben sich häufiger Zahnschmerzen eingestellt. „Wir führen das auf die psychosomatische Schiene zurück“, erklärt Rico Weißer. Was der hochgewachsene Besuch aus Potsdam bei ihnen wollte, ist den Jungs wohl nicht ganz klar. Aber er hat einen Fußball mitgebracht und dagelassen.

Von Andreas König

Katharina Kosak stammt aus Berlin Mitte und fand 1987 in Langnow (Gemeinde Groß Pankow) ein neues Zuhause. Die Grafikerin durchlebte in den 1980er Jahren die Tiefen der Politik und verlor deshalb ihren Studienplatz an der Kunsthochschule. In der Prignitz brachte sie bisher viele Ideen zum Laufen und scheut kaum eine Herausforderung.

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