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Prignitz Forscherteam untersucht Wölbäcker
Lokales Prignitz Forscherteam untersucht Wölbäcker
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00:17 11.11.2016
Ernst van der Maaten nimmt eine Probe aus dem Buchenstamm. Quelle: Beate Vogel
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Penzlin-Süd

Ein lautes Knarzen tönt durch den Meyenburger Stadtwald bei Penzlin-Süd. Ein Vogel? Sich aneinander reibende Äste? Es ist ein dünner Bohrer, den Ernst van der Maaten Drehung für Drehung in einen Stamm treibt. Er entnimmt Bohrkerne für die Untersuchung der Jahresringe der Buchen. Sie stehen in einem Gelände, in dem sich der Waldboden in sanften Wellen hebt und senkt. Bis zu 40 Zentimeter beträgt hier der Höhenunterschied. Die Formation ist mehrere hundert Jahre alt. Und sie ist der Beleg dafür, dass sich dort, wo heute hochwertige Laub- und Mischwälder stehen, einst weite Felder erstreckten: so genannte Wölbäcker.

Marieke van der Maaten-Theunissen, Doktorin in Waldökologie und Jahrringsforschung an der Universität Greifswald, untersucht gemeinsam mit ihrem Mann und weiteren Projektteilnehmern den Bewuchs auf den ehemaligen Ackerflächen: „Ich interessiere mich für historische Landnutzungsformen“, sagt die junge Frau. Weil sie in Mecklenburg fast keine Reste solcher Flächen gefunden hat, ist sie auf das Gebiet im Amtsbereich Meyenburg gestoßen. Geholfen hat ihr dabei eine Liste aus der Habilitation von Monika Wulf vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg.

In der Prignitz sehr gut erhalten

In Mecklenburg seien die Wölbäcker durch die großflächige, technisierte Bewirtschaftung weitgehend verschwunden. In der Prignitz sind sie dagegen sogar sehr gut erhalten. „Ich wollte wissen, ob es Unterschiede zwischen den Bäumen in herkömmlichem Waldflächen gibt und denen, die auf ehemaligen Ackerflächen stehen.“

Durch die Pflügetechnik sei die Schicht an humusreichem Boden auf der Kuppe mächtiger als in der Furche. Untersucht werden sollen nun Unterschiede in der Nährstoffversorgung und ob der Abstand der Baumwurzeln zum Grundwasser in Senken und auf Kuppen einen Einfluss auf das Wachstum und die Klimasensitivität der Bäume haben.

Proben vom Bodenprofil

Marieke van der Maaten und ihre Mitstreiter entnehmen aus jeweils zehn Bäumen in Furchen und zehn Bäumen auf Satteln Bohrkerne aus den Buchenstämmen. „Die werden im Labor in Scheiben geschnitten und genau untersucht“, erklärt ihr Mann Ernst van der Maaten. Florian Hirsch von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg untersucht mit einem Kollegen den Boden. Er hebt das Erdreich auf einer Fläche von einem mal einem Meter bis in einen Meter Tiefe aus – einmal in der Senke, einmal auf dem Sattel. So kann er das Bodenprofil unter die Lupe nehmen. „Wir gucken uns den Oberbau an, untersuchen den Kohlenstoffgehalt und nehmen Proben.“ Hirsch glaubt, dass die Wölbäcker eine Folge der technischen Gegebenheiten im mittelalterlichen Ackerbau sind: „Der Pflugschar konnte ja nicht gewendet werden.“

Um den Boden untersuchen zu können, hebt Florian Hirsch ein Geviert aus. Quelle: Beate Vogel

Der Rotbuchenbestand, in dem die Forscher ihre Proben nehmen, ist genau 74 Jahre alt, konnte der Revierförster Olaf Bergmann den Forschern mitteilen: „Es ist ein mineralischer Nass­standort mit mittlerem Feuchtegrad – ein sehr guter Standort für brandenburgische Verhältnisse.“ Bergmann ist gerade dabei, für den Landesbetrieb Forst Brandenburg die Waldkartierung in seinem Revier zu überarbeiten. Dazu gehören neben Waldfunktionen wie Lärmschutz, Sichtschutz, Erholungsgebiet und Emissionsschutz auch geologisch bedeutsame Bestände – wie Wölbäcker. Diese lassen sich zum Beispiel über den Brandenburg-Viewer hervorragend erkennen.

Besondere Pflugtechnik

Wölbäcker sind zur Mitte hin aufgewölbte und längsseits durch Furchen begrenzte Ackerflächen. Sie stellen Zeugnisse historischer ackerbaulicher Bearbeitungsmethoden dar und können bis heute in mehr oder weniger gutem Zustand unter Wald oder Dünen konserviert sein, heißt es im „Steckbrief Brandenburger Böden“.

Sie entstanden durch eine besondere Pflugtechnik unter Anwendung des Beetpfluges, welcher durch sein feststehendes Streichbrett den Boden nur in eine Richtung ablegen konnte. Daher wurde in Kreisen um das mittlere Schollenpaar herumgefahren und dabei der Boden stets in Richtung Mitte geworfen. Im Laufe der jahrhundertelangen Nutzung akkumulierte sich am Scheitel (auch als Kuppe oder Rücken bezeichnet) humoses Bodenmaterial und nahm im Tal (Furche, Senke) ab. In Ostdeutschland ist die Verwendung des Beetpfluges seit dem 12. Jahrhundert (frühes Mittelalter) bekannt.

Vieles kann man aus vorhandenen Karten entnehmen, sagt Bergmann. „Aber man muss immer wieder vor Ort gucken, ob die Situation noch die gleiche ist wie bei der vorhergehenden Erfassung vor etwa zehn Jahren.“ Das Projekt diene perspektivisch als Grundlage für die Planung von Windeignungsgebieten. Ein Jahr lang tragen dabei alle Revierförster für ihr Gebiet die aktuellen Daten zusammen. „Die einzelnen Waldfunktionen werden über ein Programm nach und nach freigeschaltet“, erklärt Bergmann. Wölbäcker gibt es unter anderem im Wald bei Brügge, in den Schmolder Tannen, im Bereich Groß Pankow und in der Lenzer Wische. „Das ist in der Prignitz sehr verbreitet“, weiß der Revierförster.

Von Beate Vogel

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