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Fotokurs für psychisch Beeinträchtigte

Pritzwalk Fotokurs für psychisch Beeinträchtigte

Aus einer Idee ist jetzt eine Ausstellung in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt in Pritzwalk geworden. Per Fotoapparat haben Menschen mit psychischen Problemen ihre Stadt erkundet und wurden dabei vom Fotografen Jens Wegner begleitet.

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Fotograf Jens Wegner (l., Projektbetreuer) und Uwe Heinke erläutern die fotografischen Werke.

Quelle: Fariba Nilchian

Pritzwalk. Eigentlich brauchte die Pritzwalker Tagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nur einen neuen Fotoapparat. Doch durch ein Förderprogramm der Aktion Mensch, ist aus diesem kleinen Notstand die Idee zu einem lang angelegten Projekt geworden. Angeleitet von einem professionellen Fotografen sollten die Besucher der AWO Erfahrungen in der Fotografie sammeln. Digitalkameras und Honorar für den Fotografen sind durch die Förderung finanziert worden.

Sieben Besucher der Tagesstätte sind von April bis August mit zwei Betreuerinnen und dem Fotografen Jens Wegner auf Motivsuche gezogen. „Am Anfang sind wir einfach nur rausgegangen und haben Gebäude und Natur fotografiert“, erinnert sich Wegner, „nach einer Weile ging es dann an die Details“. So beschränken sich die entstandenen Fotografien auch nicht auf die bloße Abbildung der Motive, sie wagen ganz individuelle Interpretationen. Bei einem Bild mit dem Titel „Bahnhof“ liegt der Fokus auf einigen Butterblumen im Bildvordergrund, im Hintergrund sieht man einen unscharfen Zug. Der Bahnhof ist nicht im Bild – künstlerische Freiheit.

Streifzüge durch Stadt und Natur

Nach ersten Experimenten haben die Hobbyfotografen ihren Schwerpunkt auf Pritzwalker Sehenswürdigkeiten gelegt. Vom Zahnradwerk zum Marktplatz, vom Rathaus bis hin zum Hainholzbad und dem Forsthaus – sie haben all diese Orte besucht. Am Ende der fotografischen Streifzüge wurden zehn Bilder für die Ausstellung im Treppenhaus der AWO ausgewählt und auf dem Laptop des Fotografen nachbearbeitet. Darüber hinaus wurden eine Reihe Naturaufnahmen bestimmt, die bei der Ausstellung „Pritzwalker Einblicke“ in einem separaten Raum gezeigt werden.

Bei der feierlichen Vernissage stehen die Besucher im Treppenhaus der AWO dicht gedrängt. Jedes der zehn Bilder wird einzeln enthüllt und die Fotografen verlesen einen kurzen geschichtlichen Abriss zum jeweiligen Fotomotiv. Zu sehen sind die Aussteller allerdings nirgends, denn sie haben sich im obersten Stockwerk zusammengefunden, um die Texte unbeobachtet vortragen zu können.

Auf eigene Faust losgezogen

Der Schritt in die Öffentlichkeit ist eine enorme Leistung für Menschen, die unter psychischen Beeinträchtigungen leiden. So endet die Enthüllung der Werke auch mit einem gebührend langen Applaus der zahlreichen Besucher. „Das ist eine gute Möglichkeit der Integration“, sagt AWO Mitarbeiterin Beate Mundt. „Die Teilnehmer haben aus diesem Projekt so viel mitgenommen, einige machen mit dem Fotografieren auch jetzt noch in ihrer Freizeit weiter.“

Uwe Heinke hatte bis zu dem Projekt keinerlei Beziehung zum Medium Fotografie, aber „die Begeisterung ist dann mit der Zeit gekommen“, sagt der AWO Besucher. „Ich bin bei gutem Wetter einfach losgegangen und hab geguckt, was sich in Pritzwalk alles so verändert hat.“ Und er hat Einiges entdeckt. Ein anderer Blick auf die Stadt – zu sehen bis Ende Jahres im Gebäude der AWO, Hagenstrasse 21a, in Pritz­walk.

Von Fariba Nilchian

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