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Die Freimaurerloge will zurück in die Region

Perleberg Die Freimaurerloge will zurück in die Region

Nach über 80 Jahren soll es nun wieder eine Loge in Perleberg geben. Zumindest sei Interesse bei der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ da. In einem ersten Vortrag der Reihe „Gespräche im Logenhaus“ ist Interesse geweckt worden. In Neuruppin sind die Freimaurer da schon etwas weiter.

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Nach der Einweihung 1909 diente das heutige Freizeitzentrum „Effi“ bis zum Verbot der Freimaurer als Logenhaus.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Perleberg. Die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ ist die älteste Freimaurer-Großloge in Deutschland. Gegründet im Jahr 1740 existiert sie mit einer Unterbrechung zwischen 1935 und 1946 bis heute.

Sie war es, die mit einem Vortrag in der vergangenen Woche, die Reihe des Stadt- und Regionalmuseums in Perleberg im Freizeitzentrum „Effi“, dem ehemaligen Logenhaus, eröffnete. Dabei ging es um die Geschichte der Freimaurerei unter besonderer Berücksichtigung der Perleberger Loge „Zur Perle am Berge“, die sich vor über 190 Jahren gründete und bis zum Verbot im Jahr 1935 existierte und nun wieder aufleben soll.

Kein geheimer Bund

Die Freimaurer sind nach eigenen Angaben weder eine Sekte noch eine Religion. Vielmehr streben sie die fünf Grundideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität an. „Wir sind als ein ganz normaler Verein eingetragen“, so Thomas Engel, Nationalgroßmeister der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“.

Viele interessierte Bürger kamen zum Auftakt der Vortragsreihe in das ehemalige Logenhaus nach Perleberg

Viele interessierte Bürger kamen zum Auftakt der Vortragsreihe in das ehemalige Logenhaus nach Perleberg.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Jeder deutsche Mann kann Freimaurerei werden, Frauen werden nicht aufgenommen, mittlerweile gibt es aber schon eigene Frauenlogen in Deutschland. „Wir sind kein geheimer Bund. Allerdings muss man sich nicht als Freimaurer zu erkennen geben“, führt der Großmeister fort. Die Loge bietet Privatsphäre, hält sich aber an alle Gesetze des Landes. Die Loge gab ihm selbst nach seinem Eintritt kurz nach der Wende einen Ausgleich zum stressigen Jobs. Entspannung, Sammlung und Ordnung erfuhr er dort. „Obwohl es nicht immer einhundertprozentig klappt, wollen wir bessere Menschen werden“, sagt Thomas Engel.

Logenarbeit wächst langsam wieder

Derzeit sind fünf Großlogen in Deutschland mit etwa 15 000 Freimaurern in Vereinigungen zusammengeschlossen. „Der Schwerpunkt lag damals in Preußen. Nach der Vertreibung sind die Mitgliederzahlen erheblich gesunken. Trotzdem hat die Loge die Zeiten überdauert und wird auch weiterhin bestehen bleiben“, weiß Ulrich Neuendorff, Alt- und Ehrenstuhlmeister der Johannesloge „Phoebus Apollo“ in Grüstrow. Er selbst habe während seiner Mitgliedschaft Wesentliches gelernt und schätze das sehr. „Die Logenarbeit wächst nun wieder langsam, aber stetig“, sagt Johannes Münch, Vorstandsvorsitzender der Weltkugel-Stiftung.

Das Logenhaus in der Neuruppiner Rudolf-Breitscheid-Straße trägt seit 2009 die Tafel mit Hinweisen zur Geschichte der Neuruppiner Freimaurer

Das Logenhaus in der Neuruppiner Rudolf-Breitscheid-Straße trägt seit 2009 die Tafel mit Hinweisen zur Geschichte der Neuruppiner Freimaurer.

Quelle: Dagmar Simons

Nach der Wende stellte die Großloge den Antrag, die 62 Logenhäuser, die es auf dem Gebiet der damaligen DDR gab, wieder zurück zu übertragen. In vielen der Häuser haben sich die Logen bereits wieder gegründet. Das strebe man nun auch in Perleberg an. Bereits 1993 gab es solch einen Versuch, der im Sande verlief. Mit einem neuen Anlauf will sich die Loge nun allen Bürgern vorstellen und bei ihnen Interesse wecken. Damals habe man ein Erbbaurechtvertrag über 30 Jahre für das Logenhaus abgeschlossen. Dieser läuft in Perleberg noch bis zum Jahr 2028. Was danach mit dem Gebäude passiert, ist noch offen. Doch beide Seiten stehen sich positiv gegenüber und wollen gemeinsam eine Lösung finden.

Erste Loge in Perleberg 1828 gegründet

Anlässlich des 306. Geburtstages von Friedrich II. fand dieser erste Vortrag der Reihe statt. Im August 1738 wurde der Monarch in den Bund der Freimaurerei aufgenommen und gründete im Schloss Rheinsberg „Die erste Loge – Die Loge des Königs unseres großen Lehrers“. Da die Loge den Mitgliedern des Königshofes und dem Adel vorgehalten war, erteilte der Monarch die Genehmigung zur Gründung einer auch für Bürgerliche offenen Loge. Die Großloge war entstanden. Wenig später traten alle Mitglieder der neuen Großloge bei.

Eingerichteter Raum vor der Tempelarbeit der Perleberger Loge „Zur Perle am Berge“

Eingerichteter Raum vor der Tempelarbeit der Perleberger Loge „Zur Perle am Berge“.

Quelle: Stadt- und Regionalmuseum Perleberg

1828 entstand auch in Perleberg der Wunsch, eine Loge zu gründen. „18 Brüder waren dazu bereit. Alle anderen Logen waren zu weit entfernt“, berichtet Johannes Münch. Die nächste Loge befand sich in Havelberg. Zu weit weg für regelmäßige Treffen. „Entweder sollte es zu einer Neugründung kommen oder einer gemeinsamen Verlegung“, heißt es weiter. Man entschied sich in Absprache mit der Loge von Havelberg für die Neugründung. Neun Brüder wurden Mitglieder der Loge „Zur Perle am Berge“. Die Informationen dazu sind in einer Festschrift festgehalten, die anlässlich der Gründung herausgegeben wurde.

Loge kauft erst später den Wolf’schen Garten

Die Geschichte der Freimaurerloge „Zur Perle am Berge“ verlief wechselvoll, so dass man 1844 beschloss, die Loge wieder aufzulösen. 22 Jahre später fand die Wiedergründung statt. 1885 hatte die Loge schon 54 Mitglieder, die sich in den Räumen des Hotels „Stadt Berlin“ zusammenfanden. Erst später kaufte die Perleberger Loge den sogenannten „Wolf’schen Garten“ an der Wittenberger Torbrücke, um dort ein Logenhaus nach Entwürfen des Perleberger Bauzeichners Max Viereck zu errichten. Im Jahr 1909 wurde das neue Logenhaus eingeweiht.

Bis 1933 hatte die Perleberger Loge 120 Mitglieder aus allen Bereichen des Lebens. Zwei Jahre später haben die Nazis die Freimaurerei verboten, zu DDR-Zeiten war sie nicht erwünscht. Das Logenhaus war über die Jahre ein Offizierskasino ein Kindergarten, „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ und später Jugendclubhaus. Nach der Wende wurde es zum Vereinshaus umfunktioniert. Seit 1997 ist dort das Freizeitzentrum „Effi“ untergebracht.

Neue Logenarbeit in Neuruppin

Auch im Nachbarlandkreis sind die Freimaurer aktiv. In Neuruppin beantragte schon Im Jahr 1811 Hans Valentin Ferdinand Graf von Königsmark zu Netzeband die Genehmigung eine Freimaurerloge zu gründen. Ein Jahr später wurden die ersten Mitglieder in die Johannisloge „Ferdinand zum roten Adler“aufgenommen. Logenbrüder waren viele bekannte Persönlichkeiten. Sechs Jahre nach der Gründung zählte die Loge bereits 100 Mitglieder. Alles, was Rang und Namen hatte, fühlte sich den Grundsätzen der Freimaurerei verpflichtet. Auch die Neuruppiner Loge war ab 1935 verboten. Erst 2001 wurde sie neu gegründet. Seitdem ist Rolf Dossmann der Vorsitzende. Derzeit hat die Neuruppiner Loge zehn Mitglieder. Dass sie mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, ist laut Dossmann eine „eigenartige Entwicklung in Deutschland“. In Wien gäbe es eine Wartezeit von bis zu zwei Jahren für die Aufnahme.

Die Johannisloge trifft sich in ihrem Haus an der Rudolf-Breitscheid-Straße, das ihr seit 1815 gehört und das sie nach der Wende zurück bekam. Das Haus ist verpachtet. Die Freimaurer laden jeden dritten Donnerstag im Monat um 19 Uhr zu einem Gästeabend ein, der ein bestimmtes Thema hat.

Lange Tradition der Freimaurerei

Eine Logenvereinigung grenzt sich gegenüber der Öffentlichkeit ab. Die Mitglieder werden in der Regel erst nach einer Phase gegenseitiger Prüfung aufgenommen. Sie haben über bestimmte Interna nach außen hin Stillschweigen zu bewahren.

Die Freimaurerei versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt.

Die Anfänge der Geschichte sowie das Brauchtum, Ritual und die verwendeten Symbole der Freimaurerei gehen auf die Steinmetzbruderschaft und deren Bauhütten zurück.

Weitere Termine der Vortragsreihe „Gespräche im Logenhaus“ im Freizeitzentrum „Effi“ in Perleberg:

22. März, 19 Uhr: „Grundlagen, Wesen und Aufgaben der Freimaurer“;

19. April, 19 Uhr: „Ethik – das Handeln mit guten und schlechten Informationen“;

24. Mai, 19 Uhr: „Freimaurerinnen heute – Die Arbeit der Frauengroßloge von Deutschland“.

Von Marcus J. Pfeiffer und Dagmar Simons

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