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Prignitz Freude unter freiem Himmel
Lokales Prignitz Freude unter freiem Himmel
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18:10 21.03.2017
Hans-Werner Kirchner musste aus Platznot im Stall 16 seiner 52 Hühner schlachten. Geblieben sind ihm 36 Tiere. Bald will er aber wieder zukaufen. Quelle: Matthias Anke
Vehlow

Die Stallpflicht für Geflügel ist in weiten Teilen des Landes Brandenburg gelockert worden. Das gilt aber nicht für die gesamte Prignitz: Dort müssen Geflügelhalter in einigen Gebieten nach wie vor ihre Hühner und Enten im Stall behalten – vor allem im Westen. Über die schrittweise Lockerung hat am Dienstag das Ministerium für Verbraucherschutz informiert. Grund ist, dass sich die Seuchenlage zunehmend beruhigt habe. „Die Stabilisierung der Lage im Hausgeflügelbereich sowie die rückläufigen Virusnachweise bei Wildvögeln ermöglichen uns, von der generellen Stallpflicht für Geflügel abzusehen“, sagte Verbraucherschutzminister Ludwig in Potsdam. Das bedeutet jedoch lediglich, dass nun die Landkreise wieder selbst bestimmen können, in welchen Regionen die Vögel raus dürfen und in welchen sie vorerst weiterhin im Stall bleiben müssen.

Hobbyhühnerhalter vergleicht Stallpflicht mit Tierquälerei

Hans-Werner Kirchner, der im Gumtower Dorf Vehlow lebt und Hobbyhühnerhalter ist, kann jetzt aufatmen. Mehr noch: Kirchner jubelt geradezu. „Endlich können sie wieder unter freiem Himmel sein“, freut sich der 61-Jährige. Kirchner hatte die landesweite Stallpflicht heftig kritisiert, da die Hühner dann auf lange Sicht leiden. „Diese ganze Zeit, die war nur unter großen Schwierigkeiten zu überstehen“, sagt der Vehlower. Er hat gut zu tun gehabt, den engen Raum für die Tiere so sauber wie möglich zu halten, damit sie nicht erkranken. Einige wurden notgeschlachtet. „Das mit der Stallpflicht ist doch Tierquälerei per Gesetz. Und dabei hatten wir vorher ja so lange gegen die Käfighaltung gekämpft.“

Kirchner ist vor allem wütend, weil „der einzelne Tierhalter damit drangsaliert wurde“. „Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, in dem bei einem privaten Hühnerbesitzer diese Grippe ausbrach. Das passierte seltsamerweise nur in den großen und auch noch geschlossenen Anlagen. Diese Maßnahme hat daher doch keiner verstanden.“ Kirchner verweist zudem darauf, dass es die Vogelgrippe als solche „schon seit Menschengedenken“ gibt.

Dass die im November erlassene Anordnung der Aufstallung von Geflügel nun für den größten Teil des Landkreises aufgehoben wird, ist das Ergebnis einer neuen Risikobewertung. Diese hatte die Prignitzer Amtstierärztin Sabine Kramer für das Kreisgebiet vornehmen lassen. Ausgenommen davon sind jetzt lediglich Risikogebiete an der Elbe, an der Löcknitz, am Rudower See und am Rambower Moor. „In diesen gewässernahen Gebieten befinden sich nach aktueller Einschätzung der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt Brandenburg umfangreiche Rast- und Schlafplätze von Wasservögeln, insbesondere von Wildgänsen“, heißt es in einer Mitteilung der Amtstierärztin.

Einzelne Ortschaften finden sich in einer aktuellen Verfügung

In mehreren Orten verschiedener Kommunen müssen Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten oder Gänse damit weiterhin im Stall bleiben: im Amt Bad Wilsnack/Weisen, in der Stadt Wittenberge, im Amt Lenzen-Elbtalaue und in der Gemeinde Karstädt. Die einzelnen Ortschaften finden sich in einer aktuellen Verfügung des Kreises, die dieser jetzt veröffentlicht hat. Die Vögel müssen dort nach wie vor in von oben und von der Seite gesicherten Vorrichtungen beziehungsweise in geschlossenen Ställen gehalten werden.

Für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist Simone Heiland die zuständige Amtstierärztin. „Wir empfehlen zwar weiterhin, die Tiere im Stall zu lassen“, sagt sie. Aber vorgeschrieben ist das in Ostprignitz-Ruppin jetzt lediglich noch in den Bereichen der Gemeinde Fehrbellin, die zum Naturschutzgebiet Oberes Rhinluch gehören. Dieses gilt als ein sogenanntes „Wildvogel­einstandsgebiet“, weil dort auf den Feldern in jedem Frühjahr Tausende Enten, Gänse und Kraniche rasten. Die Kreistierärztin hat sich mit dem Umweltamt der Kreisverwaltung in Neuruppin beraten. Im Ergebnis wurden die Bereiche bei Hakenberg, Linum und Zietenhorst als „Risikogebiet“ eingestuft. In diesem gilt weiterhin die Stallpflicht.

In der Region hatte es mehrere Fälle gegeben

Den Vogelpest-Höhepunkt hatte Nordwestbrandenburg am 8. Januar erlebt: In einem Putenstall in dem zur Stadt Kyritz gehörenden Dorf Ganz war der Erreger nachgewiesen worden. Daraufhin wurden die 11 000 Puten in der Anlage, die dem Moorgut Kartzfehn gehört, getötet. Ende Januar mussten zudem im Tierpark Kunsterspring 90 Vögel sterben, nachdem bei zwei Hähnen Geflügelpestviren des Stamms H 5N 8 nachgewiesen worden waren. Das Töten der Tiere in der infizierten Anlage wird stets damit begründet, dass damit das Ausbreiten der Krankheit verhindert werden soll.

Einen weiteren Fall von Vogelgrippe im selben Landkreis hatte es in einem Stall bei Heiligengrabe gegeben. Dort waren daraufhin 4200 Puten getötet worden. Zudem waren in der zweiten Februarhälfte mitten in der Stadt Neuruppin eine tote Möwe und eine tote Wildgans gefunden worden. Auch sie waren mit Geflügelpest infiziert. Anders als bei den Funden in Kunsterspring, Heiligengrabe und bei Kyritz hat das Veterinäramt in diesem Fall keinen Sperrkreis um den Fundort der toten Vögel eingerichtet. Davon habe man abgesehen, weil der Fundort zum einen mitten in der Stadt lag, und es sich zum anderen um infizierte Wildvögel handelte, die bereits an sehr vielen Orten in Deutschland entdeckt wurden, hieß es.

Von Matthias Anke

Nach der Lockerung der Stallpflicht durch das Verbraucherschutzministerium des Landes Brandenburg reagierte auch der Landkreis. Fast überall dürfen die Hühner, Enten und Gänse wieder raus. Wegen der Nähe zu den Wildvögelrastplätzen bleiben einige Gebiete im Westen aber davon ausgenommen.

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