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Prignitz Frühe KZs in der Prignitz
Lokales Prignitz Frühe KZs in der Prignitz
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00:17 06.02.2016
Die Ausstellung in Perleberg gibt Aufschluss über die frühen KZs in Brandenburg und in der Prignitz
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Perleberg

Die Machtergreifung Hitlers wird meist auf dem 30. Januar 1933 datiert. Frank Riedel hält dies für nicht korrekt. „Die Machtergreifung war vielmehr ein Prozess“, erklärt der Leiter des Perleberger Stadt- und Regionalmuseums. In seinem Haus am Mönchort ist gerade die Sonderausstellung über frühe KZs in Brandenburg und auch in der Prignitz zu sehen. „Ich denke, das ist vor allem eine Ausstellung für Jugendliche, weil der Weg Hitlers an die Macht deutlich wird.“

Zur Ausstellung

Die frühen KZs sind weithin in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung zeigt, welche wichtige Rolle sie bei der Machtergreifung der Nazis hatten.

In Perleberg befand sich das KZ in den Räumen des heutigen DDR-Geschichtsmuseum. Erst dessen Leiter Hans-Peter Freimark brachte eine Erinnerungstafel an die KZ-Zeit an.

„Hitler gelangte aus einem eigentlich demokratischen Prozess heraus an die Macht“, sagt Riedel. Als Führer der stärksten Partei im Reichstag wurde er am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt und mit der Regierungsbildung beauftragt. Nach dem Tod von Paul von Hindenburg am 2. August 1934 wurde Hitler auch Reichspräsident. Von nun an nannte er sich „Führer“.

„Sehr informativ“, sagen die Besucher. Quelle: Beeskow

Als eine wichtige Station auf dem Weg zum uneingeschränkten Diktator versteht Frank Riedel den Reichstagsbrand am 27. Februar 1933. „Damit wurde eine Pogromstimmung geschaffen.“ Bis zum Sommer 1933 schuf allen voran Hitlers SA Konzentrationslager, in denen Zehntausende seiner politischen Gegner interniert wurden.

Diese frühen KZs sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Erinnerung wird heute von den Vernichtungslagern wie dem in Auschwitz bestimmt, in denen es um die massenhafte technisierte Ermordung von Menschen ging. Die frühen KZs hatten eine andere Aufgabe. Auch wenn Häftlinge geschlagen und gefoltert wurden, überlebten doch die meisten diese Stätten der Gewalt. Nicht selten starben sie jedoch später an den Folgen der Inhaftierung.

In Brandenburg wurden neun solcher KZs eingerichtet, davon drei in der Prignitz: in Perleberg, in Alt Daber bei Wittstock und in Havelberg. Eine Erklärung für diese hohe Zahl gibt es bislang nicht, wie Frank Riedel einräumt.

Das Lager in Alt Daber wurde in den Kellerräumen der Lungenheilstätte „Devo“ eingerichtet. Der Landrat der Ostprignitz hatte es zusammen mit der SA initiiert. Die ersten zwölf Häftlinge kamen am 28. April, einen Monat später waren es 38. Als das KZ Ende Juni wieder aufgelöst werden sollte, stieß dies beim Wittstocker Magistrat auf Widerstand. Die politischen Gefangenen sollten erst einen Weg im Stadtforst pflastern, die Badeanstalt und ein SA-Lager ausbauen. Im Juli wurden dann 14 Häftlinge entlassen und 26 ins KZ Oranienburg überführt.

„Wir waren vogelfrei“, SPD-Mann Wilhelm Lehwenich war in Perleberg inhaftiert. Quelle: Beeskow

Auf Anordnung des Preußischen Justizministeriums verhaftete die Polizei in Havelberg SPD- und Gewerkschaftsmitglieder sowie Kommunisten. Zunächst diente die Jugendherberge, später die alte Realschule am Domplatz als KZ. In Perleberg richtete die SA im ehemaligen Artilleriedepot an der Feldstraße ein Lager ein.

Diese KZs bestanden nicht im Verborgenen, sie waren für jedermann sichtbar, etwa wenn die Kolonne der Gefangenen zu Arbeiten in den Perleberger Forst auszog. Zeitungen berichteten ausführlich, wobei anklang, wer sich nichts zu schulden kommen lasse, habe nichts zu befürchten. „Menschen wurden misshandelt, gedemütigt, um ihren Widerstand zu brechen“, erklärt Riedel. Und das in aller Öffentlichkeit. Der Wittenberger Sozialdemokrat Wilhelm Lehwenich formulierte später: „Wir waren allein aus der Tatsache heraus, eine andere politische Auffassung zu haben, vogelfrei.“

Die Lungenheilstätte „Devo“ in Alt Daber. Quelle: Beeskow

Bei einem Besuch der Ausstellung räumte Jana Preuß aus Perleberg ein, bislang nicht gewusst zu haben, dass es in ihrer Stadt ein solches KZ gegeben hat. Ihre Kinder hatten dies jedoch gewusst. Tarik (12) meinte angesichts der gequälten Häftlinge: „Das waren doch alles Menschen. Wie viel die Leute durchgemacht haben.“ Seine Schwester Maja (10) fand es gut, dass sie ins Museum gehen und sich alles ansehen kann.

Hinweis: Die Wanderausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ist bis zum 10. April im Stadtmuseum zu sehen. Zu der Ausstellung liegt der Katalog „Terror in der Provinz Brandenburg“ vor.

Von Michael Beeskow

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