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Prignitz Frust oder Mitsprache – im Gespräch mit Landtagsabgeordneten
Lokales Prignitz Frust oder Mitsprache – im Gespräch mit Landtagsabgeordneten
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01:15 14.01.2019
In Boberow gab es eine Dia-Show. Der ehemalige Bürgermeister Helfried Schreiber zeigte, welches ehrenamtliche Engagement es bis vor der Eingemeindung nach Karstädt gab. Quelle: Kerstin Beck (2)/Privat
Lenzen/Boberow

Eigentlich war alles so schön geplant: Die 36. und öffentliche Sitzung der Enquete-Kommission des Brandenburger Landtages sollte am späten Freitagvormittag auf der Burg Lenzen beginnen.

„Aber wir haben eine derart freundliche Einladung bekommen, vorher nach Boberow zu fahren, so dass wir uns entschlossen haben, erst einmal hierher zu kommen“, war von einem Abgeordneten gegen 9.30 Uhr im dortigen Dorfgemeinschaftshaus zu erfahren. „Keine Ahnung, wer uns da eingeladen hat!“

Eingemeindung bereitet immer noch Bauchschmerzen

Zum Thema „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“ der Kommission hatte sich Karstädts Bürgermeister Udo Staeck als erster Redner vorbereitet: Es gab Info-Mappen für die Gäste, die mit dem Titel „Die Prignitz. Beste Lage.“ schon einmal für die Region warben und dazu die Beteuerung: „Boberow ist ein aktiver Ort, hier gibt es den Schützenverein und die Feuerwehr und dazu das schönste Moor Deutschlands. Dazu kommt noch, dass es viele Heimkehrer aus Hamburg gibt, die dort die Mieten nicht mehr bezahlen können und sich auf ihr eigenes Haus, welches sie hier haben, besinnen. Inzwischen sieht es hier so aus, dass wir in unserem Bereich drei volle Kindergärten haben.“

Alles gut und schön? Für das 2003 nach Karstädt eingemeindete Boberow gilt dieser Zweckoptimismus nicht, und gerade in der „Zwangseingemeindung“ sieht der Boberower Helfried Schreiber den Grund dazu. Denn: Seither hat der Ort nichts mehr zu sagen, und einen Ortsvorsteher gibt es hier nicht. „Und die Leute sind frustriert!“

Dem Straßenbau zum Opfer gefallen

Was alles in einem selbstständigen Ort möglich ist beziehungsweise war, zeigte der ehemalige Bürgermeister in einer Dia-Show mit insgesamt 161 Bildern auf: Arbeitsgruppen für die Dorferneuerung, die auch in der Umgebung aktiv waren, um den Spring mit Brücke, Sitzgelegenheiten und Teich sowie Bushäuschen und „Modellmühle“, zu gestalten, wobei Letztere es sogar als Motiv auf Ansichtskarten schaffte, bis hin zu dem Dorfgemeinschaftshaus, „wo alle mit anpackten, sogar beim Dachdecken mit alten Biberschwänzen, die wir aus der Umgebung herangeschafft hatten“.

Die Krönung des Gemeinschaftshaus-Ambientes war dabei ein kleiner Park mit dem „Gedike-Stein“, „und der Außenbereich sowie dieser Stein sind dann dem Straßenbau zum Opfer gefallen“, klagte Schreiber. Doch es gab auch Investitionen der neuen Großgemeinde: „Wie etwa ein Sandkasten für Kinder, den sich inzwischen die Natur wiedergeholt hat“. Besonders traurig: das Storchennest des Ortes. „Seit der Eingemeindung hat sich niemand darum gekümmert, bis das Nest 2018 abgestürzt ist!“

Immer am letzten Zipfel

Einen schwachen Trost gab es dann zuletzt von Udo Staeck dennoch: „In Boberow wird es wieder einen Ortsvorsteher geben, denn wir haben jemanden, der zugesagt hat, in der kommenden Kommunalwahl dafür zu kandidieren.“

Bei der anschließenden Tagung auf Burg Lenzen gab es dann eine regelrechte Fortsetzung zur Boberower Ouvertüre. Amtsdirektor Harald Ziegeler hatte sich entschuldigen lassen, und so ergriff Bürgermeister Christian Steinkopf das Wort: „Das Volk wird oft vergessen, aber gerade die Leute sind es, die den ländlichen Raum mit Leben erfüllen.“ Es gebe seit Jahren Bemühungen, das Leben in der Stadt zu gestalten und Lenzen attraktiv für andere Menschen zu machen. „Es existierten aber inzwischen etliche Leute, die der Meinung sind, dass es besser gewesen wäre, wenn wir in Meck-Pomm geblieben wären, aber das wäre genau dasselbe“, sagt Steinkopf. „Ob wir nun dorthin oder zu Brandenburg gehören, wir sind immer am letzten Zipfel!“

Boberow ist kein Einzelfall

Doch etwas Positives konnte Christian Steinkopf auch beisteuern: „Wir versuchen hier in Lenzen, alte Häuser zu sanieren und damit eine Anregung zu geben, dass interessierte Bürger hierher kommen.“ Vielleicht spricht sich das ja bis nach Hamburg herum.

„Wir kennen diese hier geschilderten Probleme“, erzählte am Rande der Tagung Benjamin Raschke (Bündnis 90/ Die Grünen), der als Mitglied des Landtages als Sprecher seiner Fraktion für ländliche Entwicklung, Umwelt- und Landwirtschaftspolitik tätig ist. „Boberow ist kein Einzelfall. Es gibt inzwischen die „Dorfbewegung in Brandenburg, die von meiner Fraktion voll unterstützt wird. Wir fordern, dass den Dörfern wieder mehr Rechte gegeben werden sollen.“ Und der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann drückte es klar aus: „Da ist dann eben die Kommunalverfassung zu ändern, damit die Bürger mehr Mitspracherechte bekommen!“

Von Kerstin Beck

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