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Prignitz Fürs Finkentheater fällt der letzte Vorhang
Lokales Prignitz Fürs Finkentheater fällt der letzte Vorhang
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00:18 22.06.2016
In „Rettet die Welt der Märchen“ überlegen Märchenfiguren gemeinsam mit Jugendlichen, wie man zeitgemäß mit Märchen umgeht. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

46 Theaterprojekte, darunter 17 Weihnachtsstücke, unzählige Probestunden und viel Freude beim Publikum und ihren kleinen Schauspielern – die Bilanz von Doreen Finks Jugendtheater AG „Finkentheater“ an der Diesterweg-Grundschule kann sich sehen lassen. Doch nach mehr als 15 Jahren soll nun Schluss sein. Die Theatergruppenleiterin hört auf.

Mit dem von ihr und den jugendlichen Mitgliedern ihrer Theatergruppe selbst verfassten Stück „Rettet die Welt der Märchen“ verabschiedete sich Doreen Fink, die von Eltern, Lehrern und Kindern nur „Finki“ genannt wird, am Samstag im Wittstocker Rathaussaal. „Man soll aufhören, wenn es gerade am schönsten ist“, sagte sie bei der einzigen öffentlichen Aufführung ihres vorläufig letzten Stücks zum Publikum. Das bekam während der Vorstellung wieder gewohnt witzige Pointen und nachdenklich machende Begebenheiten zu sehen.

Doreen Fink (2. v. r.) spielte im Stück die Fee „Finkibell“. Quelle: Christian Bark

Im Stück schlägt der Märchenerzähler Wilhelm Grimm gegenüber den Märchenfiguren Alarm, weil das Interesse am Lesen und Vorlesen seiner Märchen besonders unter jungen Leuten rapide abgenommen hat. Auch die Figuren des Rotkäppchens, im Stück „Red“, oder des Dornröschens, alias „Rosie“, sind so gar nicht, wie man sie aus dem klassischen Grimm’schen Märchen kennt. Sie laden zu Parties über Facebook ein und schreien Nachrichten über die Märchen-App auf ihren Smartphones. Und damit sind sie eigentlich gar nicht so weit von der realen Jugend in unserer heutigen zeit entfernt.

Allerletzte Aufführung findet diese Woche statt

Die wird nämlich im Stück auch dargestellt. Gelangweilt und ohne Ansporn durch ihren Lehrer, Herrn Grimm, ärgern sie sich über ihre Hausaufgaben, wobei sie sich mit Märchen auseinandersetzen müssen. Bis plötzlich die Märchenfiguren bei ihnen auftauchen und alle gemeinsam versuchen, die Geschichten statt in einem trockenen Referat lieber in einem Bühnenstück abzuhandeln, um die Szenen dann in die Onlinevideoplattform Youtube hochzuladen. Am Ende gibt auch der Lehrer Grimm zu, dass er den Kindern den Stoff hätte etwas schmackhafter machen können.

Im Rathausfoyer gab es Infos zu 15 Jahren Finkentheater zu erstöbern. Quelle: Christian Bark

„Es ist immer etwas Gesellschaftskritik in unseren Stücken vorhanden“, erklärte Doreen Fink nach der Aufführung. Und auch einige Beweggründe, mit der Schauspielgruppe aufzuhören, hatte sie in das Stück mit einfließen lassen. Da war Doreen Fink nämlich in die Rolle der Fee „Finkibell“ geschlüpft, der die Fantasie und die Lust an ihrer Arbeit verloren gegangen war. Ähnlich gehe es der eigentlich als Frisörin arbeitenden Theatergruppenleiterin auch. „Es waren immer Kleinigkeiten, die mich in dem Entschluss bestärkt haben“, erklärte sie.

Vom Fundus des Theaters konnte sich das Publikum kostenlos bedienen. Quelle: Christian Bark

Die Theaterleidenschaft hatte Doreen Fink bereits in ihrer Jugend gepackt, wie sie sagte. Später habe sie dann mit ihren Kindern kleine Stücke eingeübt bis sie dann 2001 als Ehrenamtliche an der Diesterweg-Grundschule mit ihrer Theater AG ein willkommenes Freizeitangebot schuf. „Wir mussten manchmal kleine Castings veranstalten, weil so viele Kinder in die Gruppe wollten“, erinnerte sie sich. Entsprechend groß sei nun auch die Enttäuschung von Kindern, Eltern und einigen Lehrern, dass das Finkentheater seinen Abschied feiert. Die letzte Vorstellung soll diese Woche vor geladenem Publikum im Wittstocker Museum erfolgen, wie Doreen Fink ankündigte.

Enttäuscht zeigte sich die Kulturamtsmitarbeiterin Petra Fastenrath von Finks Entscheidung. Sie freute sich aber zugleich über Finks Angebot, zu besonderen Anlässen für die Stadt mal wieder als Theaterregisseurin mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu wollen.

Von Christian Bark

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