Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Gärtnern auch im Winter

Rohlsdorf Gärtnern auch im Winter

Während viele Gärtner noch zögern, ihre Pflanzen im heimischen Garten vor die Tür zu setzen, wird bei „Land & Scheune“ in Rohlsdorf bereits geerntet. Till Mieke erklärt, was es mit Wintergärtnerei, einem rollenden Gewächshaus und einem Biomeiler auf sich hat – und wie auch in unseren Breiten vitaminreiches Gemüse auch im Winter gezogen werden kann.

Voriger Artikel
Für ein neues Hainholzkonzept
Nächster Artikel
24-Stunden-Blitz-Marathon gestartet

Ein mobiles Gewächshaus, ein Anzuchthaus sowie Freifläche: In Rohlsdorf wird während vier Jahreszeiten Gemüse angebaut.

Quelle: Claudia Bihler

Rohlsdorf. Viele private Gärtner in der Region warten angesichts von frostigen Aprilnächten nach wie vor ab, ob sie ihre Jungpflanzen tatsächlich schon in den Boden bringen sollen. In Rohlsdorf bei Meyenburg dagegen wird bereits die erste Ernte eingebracht: Zapfenförmige Radieschen sind schon wohlgerundet, ein paar der Asiasalate können es kaum noch abwarten, erste Blüten zu zeigen. Und im Anzuchtgewächshaus drängen sich zarte Pflänzchen bereits so eng zusammen, dass deutlich wird: Die Erntezeit steht auch hier kurz bevor.

„Das nennt sich Vier-Jahreszeiten-Gärtnern“, sagt Till Mieke, Geschäftsführer bei Land und Scheune. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin übernahm er vor wenigen Jahren das ehemalige ABM-Projekt „Landscheune“ von der Hoffbauer-Stiftung. Seither hat das Paar auf dem Gelände einiges auf die Beine gestellt. Zwar war auch zuvor der Landscheune ein Biogarten samt Archehof angegliedert, doch die neuen Pächter hatten sich auf den eigentlich Hof samt Veranstaltung beschränkt.

Inspiration aus den USA

Neben den Kinder- und Jugendfreizeiten haben sie sich inzwischen auf dem Hochzeitsmarkt einen Namen gemacht: Im nunmehr dritten Jahr wird die „Kompletthochzeit“ für mehr als 100 Gäste gerne gebucht, zumal Hochzeitsgesellschaften in Rohlsdorf auf Wunsch auch von einem Hamburger Sternekoch verwöhnt werden. Der ist auch einer der Abnehmer für das Gemüse, das in den Gewächshäusern gedeiht und noch heranwachsen soll.

„Den Ausschlag für unsere Investition hat das Buch Wintergärtnerei der Amerikanerin Elliot Coleman gegeben“, sagt Mieke, der sich inzwischen mit dem vier-saisonalen Gemüseanbau recht wissenschaftlich beschäftigt hat. „In unseren Breiten gibt es einen großen Mangel an frischem Gemüse in der Winterzeit, sieht man einmal von Feldsalat ab, oder von Möhren, aber selbst das sind meist Lagerfrüchte“, sagt er. „Ansonsten kommt viel Gemüse aus Spanien. Dabei gibt es sehr viele Gemüsesorten, die auch in unseren Breiten im Winter wachsen können, auch, wenn sie dann doppelt so lange brauchen.“

Ernten schon zu Ostern in Rohlsdorf

Ernten schon zu Ostern in Rohlsdorf.

Quelle: Claudia Bihler

Im Gewächshaus in Rohlsdorf allerdings wachsen die winterharten Gemüse schneller – schließlich wird das Glashaus frostfrei gehalten. Und im Anzuchthaus herrscht gar wohlige Wärme – die zu einem großen Teil von einem Biomeiler (siehe Infokasten) geliefert wird. „Den haben wir eigentlich in erster Linie gebaut, weil wir jede Menge Kompost benötigen“, sagt Mieke. Denn die Flächen werden nach jeder Ernte gleich wieder bebaut – deswegen kommt das Projekt zunächst auch mit 400 Quadratmetern Fläche aus. Das Gewächshaus ist mobil – auf Schienen kann es immer wieder zu einem neuen Standort bewegt werden: „Das dient der Bodenregeneration, denn ein Boden, der immer unter Glas liegt, versalzt mehr oder weniger automatisch. Dadurch, dass er bei uns regeneriert, müssen wir ihn nicht regelmäßig austauschen.“

Mikrogemüse im Anzuchthaus

Mikrogemüse im Anzuchthaus: Klein, aber erntereif.

Quelle: Claudia Bihler

Angepflanzt wird vor allem auch solches Gemüse, was auf den Tellern besonders attraktiv wirkt: Rote Endivien, Bleichporree, sechs verschiedene Asia-Salate, rote Bohnen, alte Sorten und: Mikrogemüse, wie etwa der gerade mal fünf Zentimeter großer Mangold, der mit seiner roten Äderung besonders dekorative Akzente auf jedem Salatteller setzt. „In den Küchen rückt heute immer mehr Gemüse in den Mittelpunkt der Teller“, sagt Mieke. „Da muss es nicht mehr immer Fleisch sein.“ In einem Online-Shop vermarkten die Rohlsdorfer ihre Gemüsesorten, die natürlich auch biozertifiziert sind: „Wir hatten Glück, dass die Fläche zwei Jahre nicht mehr bewirtschaftet wurde, so hatten wir keine Wartezeit.“

Arbeit muss ökonomisch sein

Für den Gartenbau hat Land & Scheune eine Mitarbeiterin eingestellt, in der Hochsaison fassen alle anderen bei der Bewirtschaftung mit an. So sorgfältig das rollende Gewächshaus und der Anbau geplant wurde, so intensiv hat sich Til Mieke auch mit den Arbeitsbedingungen im Garten auseinandergesetzt. Dabei war für ihn zum einen wichtig, dass die Arbeit ökonomisch erfolgt. Zum anderen aber stand auch die Ergonomie im Mittelpunkt. Und so wurde gerade jetzt im Freiland der Salat „Til“ unter einer Mulchfolie gepflanzt: „Aus Quecken kann man zwar auch Bier brauen“, sagt Mieke, „aber in den Pflanzungen ist die Quecke eher lästig.“ Bücken müssen sich die Mitarbeiter nur noch selten, selbst die Salatpflanzen können mit rückenschonenden Pflanzapparat eingebracht werden. „Das Gerät stammt aus Amerika, bei uns war es völlig unbekannt.“

Wärme aus Biomeilern

Der französische Agrarwissenschaftler Jean Pain wollte Anfang der 1980er Jahre Baum- und Strauchschnitt sinnvoll verwerten.

In einem Buch stellte er das von ihm erdachte System eines Biomeilers vor: In einer runden Miete wurde der Baumschnitt verdichtet und angefeuchtet und so ein Verrottungsprozess wie in einem Komposthaufen in Gang gesetzt.

In der Miete verlaufen Leitungen, in denen Wasser durch Kompostwärme auf über 60 Grad erhitzt wird.

Zwei Jahre lang kann warmes Wasser auch zum Heizen gewonnen werden, dann muss der kompostierte Baumschnitt ersetzt werden.

Von Claudia Bihler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg