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Gala zu Ehren Lotte Lehmanns

Perleberg Gala zu Ehren Lotte Lehmanns

Vor 40 Jahren starb Lotte Lehmann im kalifornischem Santa Barbara. Ihre Meisterschülerin Karan Armstrong aus den USA gestaltet derzeit mit den Teilnehmern der Lotte-Lehmann-Akademie eine Gala zu Ehren der Operndiva. Das Programm ist anspruchsvoll für den Sängernachwuchs.

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Karan Armstrong bei der Probenarbeit im Kaisersaal.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Dass die Lotte-Lehmann-Akademie im Zeichen dieser unvergleichlichen Sängerin steht, sagt schon der Name. Doch am Freitagabend bei der Abschlussgala im „Deutschen Kaiser“ in Perleberg werden die Besucher der wohl bedeutendsten Tochter der Rolandstadt so nah kommen, wie kaum zuvor. Die Gala ist dem 40. Todestag von Lotte Lehmann gewidmet und wird das Bühnenleben der gefeierten Opern-Diva Revue passieren lassen.

Bei den Proben im Kaisersaal führt Karan Armstrong Regie. Gerade stehen Gabriela Dossow und Christoph Sauer dort auf der Bühne Die Flügel auf dem Rücken kennzeichnen den aus Berlin stammenden Bariton unschwer als Fliege. In dieser Gestalt umschwirrt Jupiter die noch Widerstand leistende Eurydike. Die junge Chilenin Gabriela Dossow verkörpert als lyrischer Sopran die in die Unterwelt entführte Eurydike. Es ist die berühmte Fliegenszene aus „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach.

Gabriela Dossow als Eurydike und Christoph als     Jupiter verkappt in einer Fliege

Gabriela Dossow als Eurydike und Christoph als Jupiter verkappt in einer Fliege .

Quelle: Michael Beeskow

Mit Milde im Gesicht verfolgt die Kammersängerin Karan Armstrong Gesang und Spiel der beiden jungen Kollegen. In Gedanken spielt sie durch, wie sie die Rolle interpretieren würde und erinnert sich, wie Lotte Lehmann die Eurydike einst auf die Bühne gebracht hat. Die Besucher der Gala werden die Arien zu hören bekommen, mit denen Lotte Lehmann Operngeschichte schrieb, erklärt Karan Armstrong in einer Probenpause.

Immer ganz nah an der Diva dran

Mit der Partie der Anna Reich in die „Lustigen Weiber von Windsor“, die Lotte Lehmann in der Spielzeit 1912/13 an der Hamburger Oper sang, machte die Perlebergerin erstmals in der Opernwelt auf sich aufmerksam. Wenige Jahre darauf löste sie mit der Sophie im Rosenkavalier wahre Begeisterung aus. Überhaupt hatte die Musik von Richard Strauß große Bedeutung für Lotte Lehmann. Ihrer Schülerin Karan Armstrong schärfte sie ein: „Wenn du eine große Sängerin werden willst, muss du alle drei Sopran-Rollen im Rosenkavalier singen können: die Sophie, Marianne und die Marschallin.“

Neben Richard Strauß schätzte Lotte Lehmann auch die Werke von Erich Wolfgang Korngold. Auch er wird wie Richard Wagner auf dem Programm der Abschlussgala stehen. „Es wird ein anspruchsvolles Programm“, sagt Karan Armstrong. „Die jungen Sängerinnen werden singen, was Lotte Lehmann sang. Das ist eine Herausforderung.“ Karan Armstrong übernimmt selbst die Moderation, wird etwas zu den Rollen sagen und auf einer Leinwand zeitgenössische Berichte über die Wirkung Lotte Lehmanns auf der Bühne einblenden. Und die Kammersängerin wird selbst über Begegnungen mit ihrer Lehrerin sprechen.

Sie nannte sie immer Lotti

„Lotte Lehmann war für mich ein großes Glück“, sagt die Amerikanerin. 1966 durfte sie in Santa Barbara (Kalifornien) als junge Sängerin Lotte Lehmann vorsingen. „Dich nehme ich“, hatte die Operndiva gleich gesagt. Zehn Jahre lang bis zu ihrem Tod 1976 pflegte Karan Armstrong persönlichen Umgang mit der großen Sängerin, die sie immer mit „Lotti“ ansprach, nie mit Frau Lehmann. Zu den ganz privaten Vorlieben Lotte Lehmanns gehörte es, auf den Ozean zu schauen, Blumen zu pflücken und vor allem zu reiten, erinnert sich ihre Schülerin. „Lotte Lehmann war eine fantastische Person mit so viel Energie, mit so viel Ideen.“ Karan Armstrong sagt: „Es war ein Genuss mit ihr zu arbeiten.“ Manchmal habe sie sich gefragt, woher sie diese Kraft nimmt? „Vielleicht, weil sie so viel Schweres durchgemacht hat.“ Weil sie sich in den Kunstbetrieb der Nazis nicht einspannen ließ, durfte sie in Deutschland nicht mehr singen. Lotte Lehmann entschied sich für ihren Mann mit jüdischer Herkunft; 1938 emigrierte sie in die USA.

Auftritt mit René Kollo

„Dass Lotti nach Amerika kam, war ein großer Gewinn für uns,“ sagt Karan Armstrong. Sie selbst habe durch ihre Lehrerin erst ein Verständnis für die Musik bekommen. „Jedes Wort sagt etwas. Als Sängerin muss ich für jede Figur eine Fantasie, eine Vorstellung im Kopf aufbauen.“

Karan Armstrong möchte etwas von dem an die jungen Sänger der Sommerakademie und die Stadt Perleberg zurückgeben, was sie einst von Lotte Lehmann erhielt. Ein Blick auf ihren enggestrickten Terminkalender zeigt, wie wichtig ihr die Gala in Perleberg ist. Im Renaissance-Theater in Berlin ist sie gerade engagiert mit René Kollo in der Opernkomödie „Quartetto.“ Im September stehen weitere zehn Aufführungen an, gleich darauf hat sie Verpflichtungen in Tokio.

Dass sie die Gala in Perleberg gestalten kann, empfindet Karan Armstrong als „große Ehre“. Und sie freut sich über die Lotte-Lehmann-Akademie, die Unterstützung durch die Stadt und die immer größere Wertschätzung durch die Musikfreunde. Karan Armstrong, die die 70 überschritten hat, strahlt, als sie dies sagt, eine jugendliche Energie aus. „Die Armstrongs werden alt, meine Mutter wurde 101.“

Von Michael Beeskow

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