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Prignitz Gartenparadies im Luch
Lokales Prignitz Gartenparadies im Luch
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16:40 07.08.2016
Die Tomaten nehmen Walter Pauly bereits die Sicht.
Zietenhorst

Fast bis zur Dachrinne haben die Tomatenpflanzen bereits ihre Triebe ausgestreckt; das alte Fachwerkhaus der Familie Pauly ist eingerahmt von Blumen und Kräutern. Vom alten Schornstein verschafft sich ein Storch Überblick über das grüne Refugium.

Pflanzen bedecken die Erde. Nur ab und zu, wenn Sibylle Pauly ein paar Kräuter herauszupft, kommt sie zum Vorschein. Knöterich, Radieschen und Erdbeeren teilen sich den Platz mit Bohnenkraut, Ringelblumen und Zinnien. Es scheint, als ob alle Pflanzen ihr Plätzchen in diesem Paradies behaupten möchten. Sie wachsen prächtig, auch wenn sich Giersch und Brennnesseln als Nachbarn zu ihnen gesellt haben. Chemie ist für die Hobby-Gärtnerin ein Fremdwort, gedüngt wird mit Hühner- und Pferdemist und auch die Brennnesselbrühe stärkt die Pflanzen. Biologisches Gärtnern ist hier angesagt. Mit vorbeugendem Pflanzenschutz, Mischkulturen und Fruchtfolgen kennt sich Sibylle Pauly aus. Ist der Boden gesund, sind es auch die Pflanzen. „Das sind alte Erfahrungen“, sagt sie.

Sibylle Pauly in ihrem Gartenparadies. Quelle: Felsch

„Auf dieses Wissen vergangener Jahrhunderte sollten auch die Landwirte wieder aufbauen. Die Böden sind ja alle tot, Würmer und Bakterien gibt es nicht mehr.“ In der Landwirtschaft gibt es für die Naturliebhaberin viele brisante Themen. Wenn sie über Glyphosat spricht, dann verschwindet das Lächeln aus ihrem Gesicht, das zu ihrer fröhlichen Art gehört. Während sie durch ihren Garten geht, entfernt sie immer mal einige Wildkräuter und sammelt Raupen von den Blättern. „Die bekommen die Hühner“, sagt sie.

2002 kamen die Paulys nach Zietenhorst und verliebten sich in das alte Fachwerkhaus. Damals gab es hier weder Baum noch Strauch, nur Luchgras“, sagt Sibylle Pauly. „Auch Singvögel hat man nur selten gehört.“ Die Paulys schritten zur Tat, pflanzten Hecken und Sträucher, um den Vögeln Nistmöglichkeiten zu geben. Heute erfreut sich das Ehepaar an der Vielfalt der heimischen Arten. Meisen, Gartenrotschwanz, Rotkehlchen, Diestelfink und Nachtigallen sind nur einige der gefiederten Gäste, die sich dort einfinden. Unter dem Dach am Hauseingang schaut der Schwalbennachwuchs aus dem Nest.

Tomatillos sind essbare Verwandte der Ananaskirschen. Quelle: Felsch

Seit den Paulys das Grundstück gehört, wachsen dort wieder Holunderbüsche und auch zahlreiche Obstbäume. Quitten, Kirschen, Birnen- und Pfirsichbäume tragen reichlich Früchte. „Nur mit den Apfelbäumen haben wir hier kein Glück, die wachsen im Luch schlecht“, sagt Sibylle Pauly. Beeren gedeihen um so besser, ganz gleich, ob Johannes-, Joster- oder Stachelbeere. Vielfalt gehört zum Leben des Ehepaars, das Haus und Garten mit zwei irakischen Mitbewohnern teilt. Die jungen Männer, die als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Deutschland kamen, helfen, wo sie können – transportieren die großen Oleandertöpfe oder schlachten Schafe. Acht Heidschnucken leben auf der Wiese hinter dem Haus. Vom Leipziger Katholikentag kam Walter Pauly mit indischer Hirse und Linsenpflanzen nach Hause zurück. Sie gedeihen nun zwischen Faserhanf, rotem Rosenkohl, Kardamom und mexikanischen Tomatillos.

Blumen und Gemüse wachsen in Hochbeeten und Kisten, die Sibylle Pauly nach und nach mit selbst hergestellter Humuserde gefüllt hat. Nach Möglichkeit versuche ich immer, Samen selbst zu ziehen“, sagt sie. „Die Pflanzen sind so besser an unser Klima angepasst.“ Viele Pflanzen zieht die 71-Jährige in ihrem Gewächshaus vor – Kohlarten, Radieschen, Rettich und Salate wachsen dort heran, bevor die Tomaten das Glashaus in Besitz nehmen. „Die Kälte hält sich lange im Luch und der Boden erwärmt sich erst spät im Frühjahr“, sagt sie. Auch deshalb sind die Hochbeete von großem Vorteil. Die darin verrottenden Pflanzenteile erzeugen Wärme, sodass die Kulturen früher und länger Erträge bringen.

Vom Schornstein hat Adebar eine gute Sicht auf das Umland. Quelle: Felsch

So gedeihen auch Artischocken und Fenchel, Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Das notwendige Wissen hat sich die Naturfreundin angelesen, im Laufe der Jahre hat sie ständig dazugelernt. „In der Kölner Innenstadt habe ich Brachen kultiviert“, erzählt Pauly, die vom Bodensee stammt und danach lange Zeit in Köln und zuletzt in Berlin gelebt hat. Gestaltet hat die Innenarchitektin schon immer – früher allerdings weniger unter freiem Himmel, sondern im Theater als Kostümbildnerin. Ein Designergarten ist es nicht geworden, wohl aber eine Oase, in der sich Pflanzen, Tiere und Menschen sichtlich wohl fühlen.

Von Cornelia Felsch

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