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Gastronomen gehen die Fachkräfte aus.

Wittstock Gastronomen gehen die Fachkräfte aus.

Seit 43 Jahren ist Uwe Bernaisch aus Wildberg schon Koch. Nachdem ihm 2015 mit Ende 50 gekündigt worden war, fand er in diesem Jahr eine neue Stelle in einem Wittstocker Hotel. Sehr zur Freude seiner Arbeitgeber, denn die waren händeringend auf der Suche nach Fachpersonal. Andere Gastronomen haben da weniger Glück, bei ihnen sind dutzende Stellen unbesetzt.

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Uwe Bernaisch ist seit Juni Koch im Hotel „Röbler Thor“. Seine Arbeitgeber sind froh, ihn gefunden zu haben und er auch.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Wir suchen: Koch/Köchin; Hotelfachmann m/w; Restaurantleiter m/w. Die Webseiten der Hotels und Restaurants in der Prignitz und im Ruppiner Land sind voll von solchen Stellenanzeigen. Tatsächlich fehlen den Gastronomen in der Region Dutzende Fachkräfte in den Bereichen Service, Küche und Verwaltung, wie Zahlen der Agentur für Arbeit belegen.

Nachdem sie sich selbstständig gemacht und im vergangenen Jahr das Hotel „Röbler Thor“ in Wittstock übernommen hatten, waren Jan Hertwig und Bianka Salzwedel ebenfalls auf der Suche nach geeignetem Personal. „Wir kannten noch Leute, denen in Zechlinerhütte ebenfalls gekündigt worden war“, berichtet das Ehepaar, das dort zuvor im 2014 geschlossenen „Haus am See“ gearbeitet hatte. Einen Angestellten hätten sie anfangs in Wittstock gehabt. Doch damit konnten sie den Status des „Hotel garni“, wo es nur Frühstück gab, nicht abschütteln – sie mussten mehr Leute einstellen, aber erstmal welche finden. „Gastronomie funktioniert nur über ein Netzwerk“, erklärt Salzwedel. Darüber seien sie dann auf Uwe Bernaisch gekommen, den sie noch aus Zechlinerhütte kannten.

Jan Hertwig und Bianka Salzwedel sind seit einem Jahr selbsständige Hoteliers

Jan Hertwig und Bianka Salzwedel sind seit einem Jahr selbsständige Hoteliers.

Quelle: Christian Bark

Dem 59-jährigen Koch war im Herbst 2015 im Hotel „Birkenhain“ in Luhme gekündigt worden. „Ich hatte zwischenzeitlich noch woanders gearbeitet“, berichtet er. Doch da habe die „Chemie“ nicht gestimmt. „Die Leute müssen schon ins Team passen, sonst bringt das nichts“, so Salzwedel. Bei Bernaisch habe das auf Anhieb geklappt. Und noch zwei weitere Stellen werden die Gastronomen demnächst besetzen, wie sie verrieten. Zum einen soll ein ehemaliger Reha-Patient nach seinem Praktikum ab September als Azubi in der Küche anfangen, zum anderen kehrt der gebürtige Wittstocker Fabian Schneege ab kommendem Jahr aus Neuruppin zurück in seine Heimat. „Ich fange als Restaurantleiter an“, freut er sich.

Einen Restaurantleiter sucht derweil Ralf Wagenleiter in seinem Pritzwalker Hotel „Forsthaus Hainholz“. Und damit nicht genug, auch ein Hotelfachmann, eine Aushilfe, eine Küchenhilfe und einen Koch. Bewerbungen erhalte er schon lange keine mehr, stattdessen müsse er selbst tätig werden. „Ich habe es mittlerweile aufgegeben, in Schulen zu werben“, sagt Wagenleiter. Gastronomieberufe seien bei Leuten mittlerweile so unattraktiv geworden, dass sich die Mühe kaum lohne. „Es will niemand mehr an Wochenenden oder feiertags arbeiten“, berichtet der Gastronom aus seiner Erfahrung. Doch Flexibilität sei nun mal wichtig in dem Beruf. Zudem würden andere Betriebe wie Geldinstitute die immer weniger werdenden jungen Leute in der Region mit festen Arbeitszeiten locken.

Freie Stellen in der Gastronomie

57 Stellen sind derzeit in der Prignitz im Bereich Lebensmittelherstellung unbesetzt. Dahinter verbergen sich hauptsächlich Köche und Küchenhelfer. In Ostprignitz-Ruppin sind es 28 Stellen.

37 Stellen stehen derzeit in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen in der Prignitz offen. In Ostprignitz-Ruppin gibt es 44 offene Stellen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2015 sind in der Prignitz aktuell mehr Stellen in beiden Berufsbereichen unbesetzt, in Ostprignitz-Ruppin gibt es im Bereich der Lebensmittelherstellung weniger gemeldete Arbeitsstellen.


der offenen Stellen sind nur bei der Agentur für Arbeit registriert, wie eine Sprecherin erklärt.

Hier geht’s zur Stellensuche.

Personal rekrutiert sich Wagenleiter mittlerweile aus dem Ausland. Doch auch da müsse man Anreize bieten, wie er sagt. Als einer spanischen Auszubildenden eine Stelle in ihrer Heimat geboten worden sei, habe er prompt reagiert und sie fest eingestellt.

Einige Betriebe bewirten auf Sparflamme

Arbeit in der Gastronomie gibt es nach Ansicht von Silke Behrens, die das Hotel Germania in Meyenburg leitet, genug. Sie selbst könne aus Kapazitätsgründen nicht mehr Gäste aufnehmen. Den Fachkräftemangel kann sie nur bestätigen: „Wir finden auch aus Mecklenburg-Vorpommern keine Arbeitskräfte mehr.“ In der Nachbarregion Müritz hätten sogar Gasthäuser mittags und abends geschlossen, weil kaum Personal da sei.

Lutz Lange (l) eröffnete im Juni den erweiterten Teil seines Hotels „Alte Ölmühle“ in Wittenberge

Lutz Lange (l.) eröffnete im Juni den erweiterten Teil seines Hotels „Alte Ölmühle“ in Wittenberge.

Quelle: Andreas König

Weniger Personalengpässe hat mit 64 Mitarbeitern hingegen eines der größten Gastronomiebetriebe der Region, die alte Ölmühle in Wittenberge. „Du musst dein Personal fördern und fordern“, erklärt Hausherr Lutz Lange. Er nehme zum Beispiel seine besten Mitarbeiter einmal im Jahr mit in den Urlaub. „Zuletzt waren wir in Ägypten tauchen“, sagt er. Das festige das Band zwischen Personal und Geschäftsleitung und eröffne persönliche Gespräche über Ziele und Optimierungen.

„Du musst den Leuten zeigen, dass sie dir wichtig sind“, empfiehlt Lange, nur so könne man Fachkräfte halten und dazugewinnen. Zum Beispiel könnten seine Angestellten Einrichtungen des Hauses in ihrer Freizeit nutzen. Auch mit jungen Müttern werde ein Dienstplan abgestimmt, der ihren Bedürfnissen gerecht wird. „Das geht in großen Betrieben sicher einfacher als in kleinen“, gibt der Hotelier zu.

Von Christian Bark

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